Die Buch- und Lese-Tipps der CvO-Belegschaft

Als Buchhändlerin oder Buchhändler liest mensch in der Regel mehr als die meisten anderen. Und diese Lektüreerfahrungen geben wir gerne weiter.

Nur so sind wir der Frage "ich suche etwas zum Geburtstag, sie wird 30 Jahre alt" gewachsen, aber natürlich auch der Suche nach einer einschlägigen Abhandlung zur Aktualität von Karl Marx.

Ganz ungefragt stellen wir Ihnen hier schon einmal einige ausgewählte Juwelen unserer Lesereisen vor.

Kinder und Jugend


geb., Gerstenberg Verlag 2020, mit Bildern von Barbara Jung, 184 Seiten, 12,95 €, ISBN978-3-8369-5625-3


Silke Lambeck – Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich

Ich, das ist Matti, der zusammen mit seiner alleinerziehenden Mutter in Berlin Mitte wohnt, Klavier spielt und eine Art sympathische Lachsucht hat.
Otto macht Yoga und kann nicht singen, dafür hingebungsvoll brummen. Sie sind Freunde, seit ihre Mütter zusammen Anti-Schwangerschaftsgymnastik gemacht haben und gehen in die gleiche 5. Klasse.
Dank ihrer uncoolen Musiklehrerin, die es nur mit Hilfe ihrer Schüler geschafft hat, ein Video des dreizehnjährigen Ganster-Rappers Bruda Berlin auf YouTube abzuspielen, haben sie die Aufgabe einen Rap zu machen und vor der Klasse aufzuführen.

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Sie rappen, was das Zeug hält mit professioneller Unterstützung und machen dabei alles richtig: sie entdecken das wilde Leben, helfen, wagen sich aus Berlin Mitte nach Neukölln, sind mutig, wachsen über sich hinaus und lernen, das vieles anders ist, alles es scheint.
Dann spielen noch zwei Schlägertypen, ein Immobilienhai, ein obeh in diesem Fall als echt netter Kerl entpuppt, der das Herz irgendwie doch am rechten Fleck hat.
Die Erwachsenen werden in diesem Buch herrlich beschrieben und manch ein Erwachsener wird sich beim Lesen ertappt fühlen und vielleicht ein klein wenig an seinem Verhalten schrauben.
Das Buch ist für meinen Geschmack schön und ausgewogen illustriert. Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich ist laut Verlag ein Buch ab 8 Jahren. Für mein Gefühl, ist diese Altersangabe für Kinder mit Medienerfahrung (YouTube, Handy, Blog, E-Mail) und guter Lesekompetenz in Ordnung. Jedoch würde ich meine Kinder dieses Buch erst mit 9/10 lesen lassen oder es ihnen vorlesen. 

(Ive)


geb., Hanser Verlag 2020
übersetzt aus dem Englischen von Birgitt Kollmann, 122 Seiten, 15,00 €, ab 10 Jahre
ISBN 9783-466-26607-0


Adam Baron
Frei Schwimmen. Wer die Wahrheit sucht, muss tief tauchen

Der 9 jährige Cym lebt mit seiner Künstler-Mutter zusammen, er hat einen besten Freund: Lance (benannt von seinem fahrradbegeisterten Vater nach Lance Armstrong). Dann gibt es da noch Veronique, ein Mädchen, dass er toll findet, weil sie in seinen Augen einfach alles kann und einen Jungen in seiner Klasse, der ihn, wo immer es geht, ärgert und stranguliert. Und so kommt es, dass er sich von Billy Lee zu einem Schwimmwettkampf in der Schule herausfordern lässt, obwohl er gar nicht schwimmen kann.
Er versteht nicht, warum seine Mutter nicht bereit ist, mit ihm auch nur in die Nähe einer Schwimm- oder Badegelegenheit zu gehen und seine Schwimmversuche in der Badewanne (denn Schwimmen kann doch nicht so schwer sein!) enden mit einer Überschwemmung des Badezimmers und nicht wie erhofft mit dem Erlernen des Kraulens.

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Und so kommt es, dass er im Schwimmbad fast ertrinkt, weil er niemandem, nicht einmal seinem besten Freund, sagen kann, dass er nicht schwimmen kann.
Dieser Unfall löst im Familienkreis eine Krise aus, in der die alten Familiengeheimnisse ans Licht kommen.
Adam Baron lässt in seiner Geschichte Cymberline, kurz genannt Cym, aus der Ich-Perspektive des 9-jährigen erzählen und bleibt mit ihm auf Augenhöhe. Cym ist sensibel, verträumt und manchmal etwas altklug, doch mutig wie ein Löwe, als es das Leben von ihm erfordert. Barons tiefgründige und humorvolle Erzählweise wird durch die eindrucksvollen Illustrationen von Benji Davies ergänzt und auch das Buchcover besticht durch seine wunderschöne Gestaltung

(A.)


geb., Mixtvision Verlag 2020, Illustrationen von Lotta Geffenblad, übersetzt aus den Schwedischen von Cordula Setsman, 384 S., 16,00 €, ab 11 Jahre, ISBN 978-3-95854-153-5


Maria Engstrand – Code Orestes. Das auserwählte Kind

Auftakt zu einer Trilogie, ein Krimi zwischen Wissenschaft und Mystik, der mit geheimnisvollen Briefen, spannenden Rätseln und kniffeligen Codes auf die Spuren von großen Erfinder*innen und deren Errungenschaften führt.
In einer kalten Winternacht wird die zwöfjährige Malin von einem geheimnisvollen Mann angesprochen, der ihr einen Brief in die Hand drückt, mit dem Auftrag, diesen in 100 Tagen an das Rutenkind zu übergeben.
Bevor Malin sich von dieser Überraschung erholen kann, ist der Mann auch schon wieder verschwunden und lässt sie mit ihren Fragen zurück.
Als Orestes dann mit seinem glatt gebügeltem weißen Hemd und mit einer braunen Aktentasche als neuer Mitschüler und Nachbar in Malins Klasse auftaucht, ist sie enttäuscht und kann einfach nicht glauben, dass er dieses Rutenkind sein soll, dass sie sich so voller Spannung herbeigewünscht hat. 

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Über 100 Tage hat sie auf ihn gewartet, mit einem alten Brief in einem schmutzigen Umschlag, der seit Ewigkeiten in ihrem Rucksack liegt! Und dieser geheimnisvolle und völlig unverständliche Brief (den sie natürlich geöffnet hat und der aus völlig mysteriösen Codes zu bestehen scheint) soll für diesen Jungen, der mit seiner Aktentasche wie ein kleiner Erwachsener aussieht, sein? Malin kann es nicht fassen!
Doch die Botschaft des geheimnisvollen Mannes war unmissverständlich und auch, dass nur das Rutenkind die Welt vor großen Gefahren bewahren kann. Orestes hingegen will von dem Brief nichts wissen und zerreisst ihn vor Malins Augen. Doch sie lässt nicht locker und schon bald haben Malin und Orestes alle Hände voll zu tun, das Geheimnis um einen Wissenschaftler aus dem vorigen Jahrhundert zu lösen, und stoßen dabei auf Fragen, die sich mit Logik nicht erklären lassen.
Doch: Es geht um die Zukunft! Es geht um alles … Leben und Tod! „Maria Engstrand ist es in diesem Trilogie-Auftakt bravourös gelungen, Kinder sowohl Wissenschaft als auch Mystik näher zu bringen”. (Buchkultur)

(A.)


geb., Mixtvision 2019,
181 S., 14,00 €
ISBN 978-3-95854-142-9

ab 12 Jahren


Kathrin Schrocke – Immer kommt mir das Leben dazwischen

Karls Opa ist gestorben. Nun erscheint er ihm im Traum und empfiehlt ihm, die Schule zu schmeissen und Youtube Star zu werden. Was den dreizehnjährigen Karl mit einem Grinsen aufwachen lässt, findet seine Mutter nicht besonders lustig. Sie ist Neurowissenschaftlerin und hält nicht viel von der spirituellen Berufsberatung aus dem Jenseits. Sie erklärt Karl, dass ihm der Großvater vermutlich während der REM-Phase erschienen ist und dies zur Verarbeitung der Trauer um den geliebten Opa beiträgt.
Karl ist sich da nicht so sicher. Aber dem schlagenden Argument der Mutter, dass sich der Großvater als erstes bei ihm erkundigt hätte, wie es der Oma geht, hat er nichts entgegen zu setzen. Youtube-Star zu werden und damit seiner heimlichen Liebe Irina Palowski zu imponieren, das findet Karl aber weiterhin eine ausgezeichnete Idee.

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Zur Oma hat Karl keinen besonderen Draht, doch als diese der Familie überraschend verkündet, dass sie gerne in ein Wohnprojekt ziehen möchte, weckt sie sein Interesse. Will Oma wirklich in das, vor einem halben Jahr neu gegründete Mehrgenerationenhaus „Fidibus” ziehen?
Und nur Karl spricht aus, was seine Eltern denken: leben dort nicht nur Hippies und geht nicht alles drunter und drüber bis hin zum Konsum von Cannabis? Wird Oma, wenn sie dort wohnen würde, bald drogenabhängig werden? Oma versucht vergeblich die Vorurteile zu widerlegen, indem sie einen Infoprospekt über das Wohnprojekt herumzeigt und sagt, dass sie mit ihren 66 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört und nicht alleine in ihrer Wohnung versauern möchte. Doch alle ihre Argumente bewirken nicht, dass die Eltern ihre Vorbehalte gegen diese Entscheidung aufgeben.
Karl besucht seine Oma in ihrer Wohnung und bietet ihr seine Hilfe an, um ein heimliches Probewohnen im Haus „Fidibus“ zu ermöglichen.
Zusammen mit seinen beiden Cousins Master und Desaster organisiert er einen VW Bus für den Umzug und lernt dabei die attraktive Larissa kennen, die für sie den VW Bus fährt. Und auf einmal entdeckt Karl, dass es noch andere Mädchen auf der Welt gibt ausser Irina Palowski…
Doch nicht nur Karls Welt steht Kopf, auch seine Eltern beginnen sich merkwürdig zu verhalten.

Die Autorin Kathrin Schrocke lebt selbst in einem Mehrgenerationenhaus, kennt sich also bestens aus, und lässt in einer witzigen und schlagfertigen Art Jung und Alt aufeinanderprallen.

(av)


224 Seiten, Mixtvision, 17,00 €
ISBN 978-3-95854-108-5
Homepage: www.mixtvision.de
ab 12 Jahre


Lena Hach / Katja Berlin – Grüne Gurken

Lotte ist gerade mit ihren Eltern nach Berlin Kreuzberg gezogen und hat das Gefühl, dass Berlin sie nicht leiden kann. Ihr bisheriges Leben ist durch den Umzug so ziemlich auf den Kopf gestellt worden und sie hat Sehnsucht nach „zu Hause“, dem kleinen Kaff in Hessen. Noch sind Sommerferien, doch die Eltern arbeiten bereits in ihren neuen Jobs: die Mutter als Ärztin in einer Super-Klinik (Grund für den Umzug) und der Vater als Physik-Nerd in einem Institut. Überhaupt sind alle in Lottes Familie überdurchschnittlich clever.
Lotte ist (neben Tante Greta ) die unfreiwillige Ausnahme, was ihre Eltern aber nicht daran hindert, sie jedes Jahr wieder zu offiziellen Aufnahmeprüfungen für den „Verein der Intelligenzbestien“ zu schleppen. Lotte ist unsportlich, tolpatschig und verheimlicht ihren IQ. Dafür sitzt sie in ihrer freien Zeit lieber zu Hause und zeichnet Graphiken. 

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Fest steht für Lotte auch, dass Berlin einen schlechten Einfluss auf sie hat und sie sich hier noch ungeschickter anstellt als in ihrem Heimatdorf. Eines Nachmittags verbringt sie ihre Zeit wieder einmal alleine in der großen Altbauwohnung und bekommt ein plötzliches Verlangen nach Milchreis.
Da der Kühlschrank nichts weiter hergibt, ausser Sekt und O-Saft, wirft Lotte sich kurz entschlossen den Dufflecoat ihres Vaters über den Pyjama (ihre Fensterstudien haben ergeben, dass sie mit diesem Outfit auf der Strasse nicht auffallen wird) und macht sich auf den Weg zum Späti auf der gegenüberliegenden Strassenseite. In dem Augenblick, in dem die Haustür hinter ihr ins Schloss fällt, wird ihr klar, dass sie nicht an den Schlüssel gedacht hat und es natürlich keinen Blumenkasten in Berlin gibt, in dem sie nach dem Ersatzschlüssel buddeln kann. Was bleibt Lotte anderes übrig, als erst 'mal in ihrem übergroßen Mantel aus dem Haus zu schlurfen und sich zum Kiosk zu begeben, in der Hoffnung, dort Fertigmilchreis zu bekommen.
Sie war noch nie in diesem Laden, kann sich aber gut vorstellen, dass dort Drogen oder Schlimmeres vertickt werden, wobei ihr nicht ganz klar ist, was das Schlimmere sein könnte (vielleicht ausgestopfte Robbenbabys?). In diese Gedanken vertieft öffnet sie mit angehaltenem Atem die Kiosktür und reißt natürlich als erstes das Regal mit den Konservendosen um. Doch der gigantisch große und breitschultrige Typ, der hinter dem Tresen steht, tippt angestrengt in sein Handy und beachtet sie gar nicht. Dafür engagiert er sie - das Mantelmädchen - kurzerhand vom Fleck weg, damit sie ihn in seinem Kiosk vertreten kann. Nachdem er ihr die wichtigsten drei Regeln für das Geschäft erklärt hat, ist er verschwunden und die schüchterne Lotte steht mit vielen Kunden alleine im Späti, der vieles im Angebot hat, aber keinen Milchreis.
Da Lotte sich in dieser Freitagnacht gut geschlagen hat, wird sie von Yunus als Ferienaushilfe eingestellt. Sie lernt Miri, seine Freundin kennen und als dann einmal in der Woche ein blonder Junge im Laden auftaucht, um eine Tüte mit grünen Weingummi-Gurken zu kaufen, kann Lotte sich auf einmal vorstellen, dass ein Leben in Berlin möglich ist.

Das Buch „Grüne Gurken“ wurde gerade mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet.

(av)


geb., Insel Verlag 2019
535 S., 18,00 €
ISBN 978-3-458-17792-0

ab 14 bis 80 Jahre


Christelle Dabos – Die Spiegelreisende, Band 1. Die Verlobten des Winters

Ophelia ist eine junge Frau und lebt auf der Arche Anima, einer von 21 Archen, die wie Inseln am Himmel schweben, nachdem die Welt vor langer Zeit zerschlagen wurde und nur diese 21 Archen übriggeblieben sind. Sie liebt ihre Arbeit im Museum für Ur- und Frühgeschichte über alles und hat eine besondere Fähigkeit: zieht sie ihre Handschuhe aus, kann sie die Geschichte von Dingen mit den Händen „lesen“. Ansonsten wirkt Ophelia eher tollpatschig mit ihrer Brille und Augen, die hinter dicken Brillengläsern hervorlugen und dem langen (übrigens lebendigen) Schal um den Hals. Um ihr Aussehen kümmert sie sich nur wenig und so kann es schon einmal vorkommen, dass sie zwei verschiedene Stiefeletten trägt.

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Auf der Arche Anima ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass alle Frauen heiraten und eine Familie gründen müssen. Für Ophelia ist dies eine eher lästige Vorstellung und ohne größere Überlegungen hat sie bereits zwei Heiratsanträge abgelehnt.
Um so schlimmer kommt es für sie, als die Matriachinnen von Anima eines Tages beschliessen, dass Ophelia ihre Familie verlassen muss, um auf die eisige Arche Pol zu ziehen und den Adligen Thorn zu heiraten. Ophelia bleibt keine andere Wahl, als sich dem Beschluss zu beugen, will sie nicht die Familienehre beschmutzen und lebenslang von Anima verbannt werden. Und so begibt sich Ophelia zusammen mit ihrer missmutigen Tante Roseline auf eine abenteuerliche Reise nach Pol. Wie anders gestaltet sich das Leben dort: hatte Ophelia vor allem befürchtet, dass ihr die eisige Kälte besonders zu schaffen machen würde, sind es doch vor allem die Gefahren in Form von drei rivalisierenden Clans, die um die Macht über Anima kämpfen. Thorn prophezeit ihr, dass sie den Winter nicht überleben wird… Christelle Dabos wurde 1980 in Frankreich geboren und gewann mit ihren Entwürfen für die Spiegelreisenden-Saga, die auf vier Bände angelegt ist, den Jugendbuchwettbewerb von Gallimard Jeunesse, später den „Prix de l'imaginaire”, einen Preis für phantastische Literatur.
Es ist ihr gelungen, mit Ophelia eine wunderbare, mutige und symphatische Heldin zu schaffen, die mit ihrer Neugier und Klugheit sowohl Jugendliche als auch Erwachsende verzaubert und in eine spannende Welt entführt.

Ein wirklich toller Schmöker!

(av)

Nachtrag:
Christelle Dabos - Die Spiegelreisende
Band 2: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
geb., Insel 2019, 613 S., 18,00 €, ISBN: 978-3-458-17826-2
(erschienen am 27.07.2019)

Band 3: Das Gedächtnis von Babel
geb., Insel 2019, 520 S., 18,00 €, ISBN: 978-3458178279
(erscheint am 17.11.2019)

 


geb., Knesebeck Verlag 2019
189 S., 15,00 €
ISBN 978-3-95728-260-6
ab 12 Jahre


Nancy Springer – Der Fall des verschwundenen Lords

Ein Enola Holmes Krimi.

Enola führt bis zu ihrem vierzehnten Geburtstag ein abgeschiedenes Leben mit ihrer Mutter auf dem Land, auf einem etwas heruntergekommenen Landsitz. Die Mutter ist Malerin und lässt ihrer Tochter viele Freiheiten. Enola fühlt sich zwar manchmal etwas einsam, führt dies aber auf ihren Namen zurück: liest man diesen rückwärts bedeutet er „Alone“. Ausserdem war ihre Mutter schon im fortgeschrittenem Alter, als Enola zur Welt kam und allein diese Tatsache führt in ihrer Schule und im Dorf dazu, dass sie zur Außenseiterin wird. Im Großen und Ganzen ist sie aber mit ihrem Leben zufrieden - bis ihre Mutter an ihrem Geburtstag auf geheimnisvolle Weise verschwindet.

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Es dauert eine Weile, bis ihr Verschwinden den beiden Dienstboten und Enola überhaupt auffällt, und auch dann glauben sie eher an einen kurzen Ausflug als einen endgültigen Weggang, denn die Mutter hat kaum etwas von ihren Sachen mitgenommen. Diese Tatsache beunruhigt Enola nach und nach immer mehr und irgendwann kommt sie nicht mehr darum herum, ihre beiden berühmten älteren Brüder Sherlock und Mycroft herbeizurufen. Als diese wenig später aus London eintreffen, haben sie erst einmal nichts besseres vor, als die kleine Schwester in ein Korsett und in ein Internat stecken zu wollen, um aus ihr eine richtige Lady zu machen. Natürlich unterschätzen die ansonsten sehr scharfsinnigen Brüder Enola und diese macht sich kurzerhand als Witwe verkleidet heimlich auf den Weg in das düstere viktorianische London, um ihre Mutter zu suchen. Auf ihrem Weg dorthin wird sie in die vermeintliche Entführung eines jungen Lords verwickelt und muss sie sich in der Hauptstadt in düsteren Gegenden vor mörderischen Gaunern verbergen. Aber sie wäre keine Holmes, wenn sie nicht durch ihren scharfen Verstand den Verbrechern und auch ihren Brüdern immer einen kleinen Schritt voraus wäre …
Nancy Springer erzählt neben dieser spannenden Geschichte über die sympathische kleine Schwester von Meisterdetektiv Sherlock Holmes auch die Lebenssituation der Frauen im viktorianischen Zeitalter, in dem es einer Revolution gleichkam, eine Frau Fahrrad fahren zu sehen.

(av)


geb., Oetinger Verlag 2019
357 S., 15,00 €
ISBN 978-3-7891-0952-2

ab 10 Jahre


Catherine Doyle – Sturmwächter. Das Geheimnis von Arranmore

Der elfjährige Fionn Boyle lebt mit seiner Mutter und Schwester Tara in Dublin. Als seine Mutter erkrankt, begibt er sich zusammen Tara auf eine Reise zu seinem bis dahin unbekannten Großvater auf die Insel Arranmore. Fionn hat große Angst vor dem Meer und bereits auf der Überfahrt zur Insel wird er schrecklich seekrank – sehr zur Belustigung von Tara. Diese hat bereits den Sommer davor auf Arranmore verbracht und freut sich darauf, ihre Freunde wiederzusehen. Als das Schiff endlich am Ziel ankommt und Fionn den Inselboden betritt, zittert und bebt dieser unter seinen Füßen. Erst führt er dies auf seine Seekrankheit zurück, doch dann wirbelt der Wind um ihn herum, bis er das absurde Gefühl hat, die Insel würde ihre Arme öffnen und ihn einhüllen. Auf dem Weg zum Großvater versucht Fionn nicht an Dublin zu denken, dass ihm mit dem Smog und dem Lärm einer Stadt, die immer in Bewegung ist, so vertraut und ein Zuhause war. Die Insel hingegen erscheint ihm überaus fremd – und weiß der Großvater eigentlich, dass sie kommen? Denn er steht nicht am Anleger, um sie abzuholen. Zum Glück kennt Tara den Weg.

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Das Haus des Großvaters macht einen engen und trostlosen Eindruck und der Großvater selbst sieht aus, als sei er aus der Zeit gefallen: in seinem übergroßen Tweed-Anzug, der vor fünfzig Jahren bestimmt einmal ein guter Anzug für besondere Anlässe gewesen ist, jetzt aber an den Armen und Beinen zu kurz wirkt. Auf der Nasenspitze des Großvaters sitzt eine riesige runde Hornbrille und lässt seine Augen größer erscheinen, als sie eigentlich sind. Und als würde dies allein nicht schon reichen, sind die Wände des kleinen dunklen Hauses mit Regalen bedeckt, die alle mit Kerzen vollgestellt sind. Fionn findet dies und die ganze Insel sehr merkwürdig und zum Weinen, zumal er von Tara nicht zu den Treffen mit ihren Freunden mitgenommen wird, sondern sich alleine zurechtfinden muß. Nachts suchen ihn Albträume heim und nach und nach kommt er hinter das Geheimnis seiner Familie und von Arranmore.

Caherine Doyle ist ein fantastischer Abenteuerroman gelungen, in den sie geschickt irische Mythen und Legenden einwebt.

(av)

Nachtrag:
Catherine Doyle – Sturmwächter
2: Die Magie von Arranmore
geb., Oetinger 2019, 304 S., 16,00 €, ISBN: 978-3789113437
(erschienen am 23.09.2019)


geb., Hanser Verlag 2018,
140 S., 13,00 €
ISBN 978-3-446-26052-8

ab 10 Jahren


Jutta Richter – Frau Wolle und der Duft von Schokolade

Dies ist der erste Band einer Trilogie um die Geschwister Merle und Moritz, die mit ihrer Mutter, einer Ärztin, zusammenleben.
Der Vater ist in der Welt unterwegs und hat den Kindern einen Weltempfänger dagelassen, mit dem sie abends im Bett seiner Stimme und seinen Reiseberichten im Radio lauschen können. Merle und Moritz wohnen im Hasenweg. Jeden Morgen müßen sie auf ihrem Schulweg durch die Sperbergasse und an dem schwarzen Laden von Gesine Wolkenstein vorbeilaufen. Dann halten sie sich an den Händen und rennen so schnell sie können an dem Geschäft vorbei, denn es gibt das Gerücht, dass Gesine Wolkensteins Laden Kinder verschluckt. Erst wenn sie den Rathausplatz erreicht haben, atmen sie wieder aus und gehen ihres Weges.

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Eines Tages muss die Mutter zur Nachtschicht ins Krankenhaus und da sie ihre Kinder nicht alleine lassen möchte, sucht sie per Zettel im Supermarkt eine Nachtfrau. Merle und Moritz sind sauer und hoffen, dass sich niemand auf die Anzeige melden wird- in ihren Augen ist eine Nachtfrau überflüssig, denn sie sind schon elf und acht Jahre alt, zu groß also für einen Babysitter. Moritz findest sowieso, dass ein Hund die bessere Lösung wäre- am liebsten hätte er einen Hütehund, der kann doch gut auf sie aufpassen! Doch es gibt keinen Hund und dafür ein großes Unglück, denn eines Abends steht als Nachtfrau niemand anderes als Gesine Wolkenstein vor der Tür! Gesine Wolkenstein, deren Augen die Farbe wechseln können und bewirken, dass Merle eine Gänsehaut bekommt.

Natürlich verhallen die Proteste der Kinder und die Schokolade, die Frau Wolkenstein ihnen mitbringt, ist die beste Schokolade, die sie je gegessen haben. Moritz ist durch die Schokolade und den leckeren Kakao, den es abends von Frau Wolkenstein gibt, besänftigt, aber Merle bleibt mißtrauisch.
Als es Schlafenszeit ist und beide Kinder im Bett liegen, überkommt sie sofort eine bleiernde Müdigkeit und sie schlafen schnell ein.
Merle wird bald wieder wach und sieht eine Tür in ihrem Zimmer, die vorher noch nicht dagewesen ist. Auf der Tür steht „Murkelei“ und hinter der Tür beginnt ein langer Gang mit einem moosgrünem wolkenweichen Teppich und flackernden Kerzen an den Wänden… und so beginnt eine nächtliche Abenteuerreise in ein Land der Fantasie… Jutta Richter schreibt in einer zauberhaften Sprache (ergänzt durch die wunderbaren Zeichnungen von Günter Mattei) „… für alle Kinder, die wissen wollen, wie die Welt hinter der Welt aussieht. Für die Angsthasen und die Löwenherzen. Für die Schmetterlingsschützer und die Glücksbringer. Für die Kopfschüttler und die Neinsager …”

Ausgedacht hat sie sich diese Geschichte für ihre Enkelin Lili. Inspiriert wurde sie durch das Buch „Geschichten aus der Murkelei“ von Hans Fallada, aus dem ihr Vater ihr jeden Sonntag eine Geschichte vorgelesen hat, als sie selber noch ein kleines Mädchen war.

(av)


geb., Beltz Verlag 2018,
345 S., 14,95 €
ISBN 978-3-407-75428-8

ab 10 Jahre


Karin Foxlee – Annabelle und die unglaubliche Reise nach Unter-London

Die zwölfjährige Annabelle lebt mit ihrer Mutter glücklich und zufrieden in London. Es ist die Zeit um 1860 und sie möchte nichts weiter, als mit smaragdgrünen Schlittschuhen über die gefrorene Themse zu gleiten oder aus zierlichen Tässchen Tee zu trinken. Manchmal allerdings, wenn sie in Regenpfützen schaut, sieht sie dort Dinge, die sie nicht sehen soll und ihre Mutter verbietet ihr dieses „Sehen“ vehement. Doch Annabelle kann es nicht lassen, auch wenn sie manchmal vom Pfützenschauen ohnmächtig wird. Sie findet es spannend, macht sich aber keine besonders großen Gedanken über die Bedeutung ihrer Fähigkeiten.
Bis ihre Mutter eines Tages verreisen muß und Annabelle bei den, ihr bis dahin unbekannten, schrulligen Großtanten unterbringt. So einen Laden, wie den, den ihre Großtanten betreiben, hat sie noch nie gesehen!

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Und Tante Henrietta mag sie gar nicht leiden, denn diese überhäuft sie mit schrecklichen Arbeiten wie Wäschewaschen in einem kalten Holzverschlag mit einer stinkenden lila Seife. Alles macht Annabelle in Tante Henriettas Augen falsch (alle Kleider haben nach dem Waschen einen lila Farbton) und Annabell vermisst ihre Mutter schrecklich und fühlt sich von ihr verlassen. Bald lernt sie in dem Zauberladen der Tanten das wilde Mädchen Kitty kennen, die die Sprache der Pflanzen versteht und von der sie erst einmal durch deren ganz und gar nicht damenhaftem Auftreten verstört wird. Weder Kitty noch Annabelle möchten diejenigen sein, die London vor der alles zerfressenden Maschine von Mr. Angel retten sollen!

Mr. Angel, der irgendwann auf die dunkle Seite gewechselt ist und nun mit der Maschine und den Schattenwesen die weiße Magie vernichten und die Welt ins Unglück stürzen will. Doch ihre schrulligen Großtanten halten sie für das prophezeite zaubermächtige Mädchen und schicken sie kurzerhand auf einem Besen und mit dem kratzbürstigen Straßenmädchen Kitty als Unterstützung in die Unterwelt! Annabelle muss sich ihren tiefsten Ängsten stellen, um noch rechtzeitig den ewigbesten Zauberstab, das einzige Gegenmittel für Mr. Angels schwarze Taten, zu finden und damit das Unheil von der Welt abzuwenden.
Karen Foxlee ist eine wunderbar britische, überaus spannende Geschichte voller Magie - und mit viktorianischen Erziehungstipps für junge Damen aus dem blauen Buch von Miss Finch gewürzt - gelungen!

(av)


geb., Beltz und Gelberg 2018,
408 S., 17,95 €
ISBN 978-3-407-75435-6

ab 15 Jahre


Antje Wagner – Hyde

Katrina ist unterwegs. Es ist Winter und es schneit, so daß ein Vorankommen zu Fuß sehr mühsam ist. Endlich hält ein Wagen und Katrina lernt Josefine kennen. Josefine, die ein goldenes Kleid trägt und wunderschöne Armreifen hat - also der komplette Gegensatz zu Katrina mit ihrer Zimmermannskluft ist. Was für ein Geheimnis trägt Katrina mit sich herum und mit welchem Ziel ist sie unterwegs? Warum hat sie ein Tuch vor dem Mund und eine Kriegskasse im Gepäck?

Und was hat es mit Hyde auf sich, dem geheimnisvollen Ort, an dem sie aufgewachsen ist? Die goldene Josefine verkörpert das Helle und Katrina das Dunkle und die Begegnung der beiden Frauen könnte doch so etwas wie Schicksal für Katrina bedeuten, je nachdem, wofür sie sich letztendlich entscheidet.

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Nach einem kurzen Abstecher im Motel „Kartoffelparadies“ landet Katrine auf der Suche nach Arbeit in einem verlassenen Gasthof, der der naheliegenden Gemeinde gehört und für den sie die Verwaltungsstelle annimmt, auch wenn alle ihr abraten, da es dort bereits zu mehreren Todesfällen gekommen ist. Doch Katrina fühlt sich in dem alten zugigen Haus wohl und beginnt nach und nach die alten Möbel und Fußböden zu restaurieren. Als Tischlerin hat sie ein Gespür für Holz und als Mädchen, das in Hyde aufgewachsen ist, auch für die Katzen, die in dem Haus herumstreunen.

Es gibt eine geheimnisvolle verschlossene Dachkammer, die nicht betreten werden darf und unter deren Türritzen eiskalte Luftzüge hervortreten.
Als Katrina eines Abends aus diesem Zimmer Schritte hört, beschließt sie gegen jegliche Vernunft das Geheimnis des Hauses zu lüften …

Brillant und mit großem Gespür für ihre Figuren, lässt Antje Wagner aus dem Alltäglichen das Unheimliche erwachsen, dessen Faszination sich niemand entziehen kann.

(av)


geb., dtv 2018,
239 S., 14,05 €
ISBN 978-3-423-76216-8
ab 11 Jahre


Rebecca Westcott – Fünf Dinge, die dir niemand verrät

Erin ist zwölf, als ihre Eltern sich trennen und eine Welt für sie zusammenbricht. Zum Glück gibt es noch ihren Dackel Picasso und ihre Liebe zur Kunst, denn von den Eltern fühlt sie sich absolut missverstanden.

Als ihre Mutter zu ihrem neuen Freund zieht und mit ihm und dessen Kindern eine neue Familie gründet, beschließt sie, bei ihrem Vater zu bleiben.
Dieser arbeitet als Gärtner in dem noblen Seniorenheim „Oak Hill“ und ist ein schweigsamer Mensch. Erin und er sprechen wenig miteinander und versuchen irgendwie mit der neuen Situation klarzukommen. Und als Erin wieder einmal sauer auf ihre Eltern ist, klaut sie ihrem Vater die Geldbörse aus der Tasche und fährt zum Shoppen in die Stadt. Dort erfüllt sie sich ihren großen Traum und kauft das neueste I Pad. Und zur Sicherheit lässt sie gleich noch ihren Namen hinein gravieren, damit eine Rückgabe ausgeschlossen ist.

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Als Strafe für diesen Diebstahl bekommt sie Hausarrest und muss in den anstehenden Sommerferien ihren Vater nach Oak Hill begleiten, anstatt mit ihren Freundinnen zusammen die freien Tage zu verbringen. Mit der Natur hat sie nicht soviel am Hut, aber der Park von Oak Hill ist groß und sie entdeckt einen geheimen Ort, an den sie sich zurückziehen, Musik hören und an ihrem Sommer-Kunst-Projekt für die Schule arbeiten kann.

Sie langweilt sich trotz allem sehr, bis sie auf Lucas trifft, der seinen Opa im Seniorenheim besucht. Auch Martha, der widerspenstigen alten Dame in Oak Hill, der sie mittags immer Gesellschaft leisten soll, kommt sie durch die Freundschaft mit Lucas näher. Es beginnt für Erin eine Zeit mit neuen Erlebnissen und Erfahrungen, die mit ihrem dreizehnten Geburtstag endet - der Erkenntnis, daß dies wohl der letzte Sommer ihrer Kindheit war.

Das Buch wird in einzelnen Kapiteln aus Erins und Marthas Sicht beschrieben. Erins Kapitel tragen die Titel von bekannten Kunstwerken, die dann in Fußnoten beschrieben und von ihr interpretiert werden, genau so wie es die Aufgabe ihrer Lehrerin für das Sommer-Kunst-Projekt vorsieht.

Rebecca Westcott ist ein sensibler Roman zum Thema Erwachsen- und Altwerden gelungen, der genug Freiräume für eigene Gedanken läßt und authentisch und witzig geschrieben ist.

(av)


geb., Arctis Verlag 2018,
336 S., 18,00 €
ISBN 978-3-03-880019-4

14-17 Jahre


Für alle, die das Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter” von John Green gerne haben:

Adam Silvera – Am Ende sterben wir sowieso

Am 05.09.2017 um 00:22 Uhr ruft der Todesbote den 18 jährigen Matteo an, um ihm mitzuteilen, dass er innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben wird.
Matteo ist eher der ängstliche Typ, der sich lieber in der Wohnung zwischen seinen Büchern und Videospielen vergräbt, anstatt sich der Wirklichkeit zu stellen.
Am Anfang hofft er noch, dass sich der Anruf als ein Irrtum erweist, aber eigentlich weiß er, dass die Todesboten sich niemals irren… Matteo fragt sich, was soll er mit der Mitteilung anfangen? Soll er die Wohnung verlassen, um noch etwas zu unternehmen? Die Liste der Menschen, die ihn nach seinem Tod vermissen werden, ist kurz: sein Dad und seine beste Freundin Lidia. Und er beginnt zu verstehen, daß er am meisten die verpassten Gelegenheiten und ungenutzten Möglichkeiten in seinem Leben vermissen wird. Er nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und logt sich auf der App „Last Friends“ ein. 

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Hier lernt er den 17 jährigen Rufus kennen, der nach dem Tod seiner Eltern bei einer Pflegefamilie lebt und mit zwei anderen Jungs sein Zimmer teilt: gemeinsam sind sie die „Plutos“ und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Rufus ist gerade dabei, den neuen Freund seiner Exfreundin zu verprügeln, als der Todesbote bei ihm anruft. Zunächst geht er davon aus, dass der Anruf seinem Widersacher galt. Nach dem ersten Schock möchte er aber unbedingt noch einmal Aimee sehen, die natürlich sauer auf ihn ist, weil er ihren neuen Freund vermöbelt hat.
Gerade als er mit seinen Freunden und seinen Pflegeeltern seine Trauerfeier gestalten möchte, klopft die Polizei bei ihnen an die Tür. Rufus flieht auf seinem Rennrad hinaus in die Nacht, seine Freunde werden in Polizeigewahrsam genommen und so ist er ganz auf sich gestellt und logt sich auf „Last Friends“ ein, um seinen letzten Tag nicht alleine verbringen zu müßen. Matteo und Rufus treffen sich. Die beiden Jungen verstehen sich. Sie unterstützen sich gegenseitig dabei, die ihnen wichtigen Dinge in Angriff zu nehmen, sich zu verabschieden und über sich hinaus zu wachsen.
Adam Silvera teilt sein Buch in kurze Zeitsequenzen ein: wir begleiten beim Lesen noch andere Menschen, totgeweihte und noch nicht dem Tod geweihte und er läßt die Frage im Raum stehen: Ist es überhaupt gut zu wissen, dass man in Kürze sterben wird? Und wie gehen die einzelnen Menschen, denen man im Buch begegnet, damit um? Natürlich ein schweres Thema, aber Adam Silvera macht ein tiefgründiges und warmherziges Buch daraus, das man nur schwer aus der Hand legen kann.

(av)


Beltz und Gelberg Verlag
geb., 158 Seiten
Weinheim 2018, 12,95 €
ISBN 978-3-4078-2352-6

ab 8 Jahre


Mareike Krügel – Zelten mit Meerschwein

Für Anton, fast neun, stehen die Sommerferien vor der Tür und er freut sich auf den Urlaub mit seinem Vater und darauf, vor den anderen Kindern in der Schule, seine Ruhe zu haben. Doch als er am letzten Schultag zu seiner Mutter nach Hause kommt, ruft ihn sein Vater an, um ihm mitzuteilen, dass er arbeiten muss und die gemeinsamen Ferien der beiden ins Wasser fallen. Sein Vater ist Journalist und muss ins Ausland reisen, um Geld zu verdienen. Eigentlich muss seine Mutter auch arbeiten, aber da sie ihren Job sowieso in ein paar Wochen verlieren wird, beschliesst sie kurzerhand, lieber mit Anton zelten zu gehen, als weiterhin zur Arbeit.
Gesagt, getan, wird das alte Zelt vom Dachboden geholt, die Rucksäcke gepackt und beide marschieren los, Richtung Campingplatz und See.

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Mit von der Partie ist Antons Meerschweinchen Pünktchen. Als die beiden nach einem langen Fußmarsch beim Campingplatz ankommen, werden sie von dem unfreundlichen Campingplatzbesitzer abgewimmelt, denn der Platz ist voll. Anton findet das gar nicht so schlimm, denn es sind ihm dort sowieso viel zu viele Kinder und auch ein zu großes und lautes Getümmel.

eine Mutter gibt nicht auf. Beide streifen durch den nahegelegenen Wald, bis sie eine kleine Lichtung für ihr Zelt gefunden haben. Zelten im Wald ist zwar verboten, aber für Antons Mutter die einzige Möglichkeit, um doch noch Ferien mit Anton und Pünktchen zu machen. Anton gefällt es ziemlich gut im Wald. Es gibt Mineralwasser aus der Flasche und Kekse direkt aus der Packung und der letzte Apfel wird durch drei geteilt. Er baut für Pünktchen einen Parcours aus Zweigen und fängt an zu schnitzen. Sie dürfen natürlich nicht entdeckt werden, doch das ist gar nicht so leicht. Als Erstes werden sie von Otto, einem kleinen Hund, gefunden, der sie von da an jeden Morgen besucht, um sich einen Keks abzuholen. 

Dann trifft Anton bei seinen Erkundungstouren durch den Wald auf Liane. Die raubeinige Liane will ganz genau wissen, was mit Anton los ist und steht ihm zur Seite, als erst Pünktchen und dann auch noch Antons Mutter verschwinden …

Mareike Krügel ist eine zarte und humorvolle Sommergeschichte gelungen, die durch die wunderbaren Zeichnungen von Nele Palmtag ergänzt wird.

(av)


ab 10 Jahren
geb. Dressler 2013;
seit 2015 Oetinger-TB,
190 S., 6,99 €
ISBN 978-3-8415-0341-1


Alexander Smoltczyk – Päpste pupsen nicht

Smilla (ja, ihre Mutter hat den besagten Film gesehen) zieht mit ihren Eltern von Berlin nach Rom und wird dort in ein Abenteuer der besonderen Art verwickelt: sie und ihre Freundin Eloise nehmen einen Schwarm Stare über der Stadt wahr und finden nach und nach heraus, das dort, wo dieser Schwarm auftaucht, Menschen die Wahrheit sagen (und Berlusconi zugibt, ein Verbrecher zu sein).

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Bei dem Versuch, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, gelangen sie u.a. in den Vatikan, in dem Eloise wohnt, da ihr Vater als Kommandant bei der Schweizergarde arbeitet und stossen dort auf einige Merkwürdigkeiten...
Smoltczyk ist ein guter Kenner des Vatikans und neben vielen Informationen hierzu hat er gleichermassen einen spannenden Rom-Stadtführer für Kinder geschrieben in dem es auch an literarischen Anspielungen nicht mangelt.
Der Verlag hat zu dem Buch noch einen Stadtplan gedruckt, auf dem die Reise der beiden Mädchen gut nachzuvollziehen ist. Und natürlich wird auch der wahre Grund für den Papstrücktritt verraten … 

(av)