Die Buch- und Lese-Tipps der CvO-Belegschaft

Als Buchhändlerin oder Buchhändler liest mensch in der Regel mehr als die meisten anderen. Und diese Lektüreerfahrungen geben wir gerne weiter.

Nur so sind wir der Frage "ich suche etwas zum Geburtstag, sie wird 30 Jahre alt" gewachsen, aber natürlich auch der Suche nach einer einschlägigen Abhandlung zur Aktualität von Karl Marx.

Ganz ungefragt stellen wir Ihnen hier schon einmal einige ausgewählte Juwelen unserer Lesereisen vor.

Mord und Totschlag


geb., Beck Verlag 2020
aus dem Englischen von
Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
413 S., 24,00 €
ISBN 978-3-406-74884-4


Liz Moore – Long Bright River

Mickey Fitzpatrick arbeitet als Streifenpolizistin in dem heruntergekommenen Viertel Kensington von Philadelphia. Der Stadtteil hat eindeutig schon bessere Zeiten gesehen, jetzt befindet er sich im Wandel: erste hippe Cafés und teure Modeboutiquen siedeln sich am Rand an, doch immer noch beherrscht Armut und Drogenkriminalität die Strassen, in denen auch Mickey aufgewachsen ist. Als eine Mordserie an jungen Prostituierten beginnt, wird sie Alarmbereitschaft versetzt.

Ihre Schwester Kacey, zu der sie in ihrer Kindheit ein inniges Verhältnis hatte, ist drogenabhängig und geht auf der Strasse anschaffen – jetzt ist sie verschwunden. Da für ihren Vorgesetzten diese Morde keine besondere Priorität haben, beginnt Mickey mit Hilfe ihres früheren Kollegen Truman auf eigene Faust zu ermitteln. 

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Erst als sie und ihr kleiner Sohn Thomas bedroht werden, wird ihr bewusst, wie gefährlich ihr Handeln ist. Liz Moore hat ihren Roman, der sowohl Krimi wie auch Familiengeschichte ist, in zwei Zeitebenen aufgeteilt: in damals und jetzt - und mit ihrem rauen Ton schafft sie es, das Aufwachsen der beiden Mädchen und den alltäglichen Überlebenskampf beider Schwestern als junge Frauen authentisch und schnörkellos zu beschreiben. Somit ist ihr auch eine Sozial- und Gesellschaftsstudie gelungen über das trostlose Leben von Junkies und die geringen Chancen, aus der Sucht wieder herauszukommen. Liz Moore schreibt bewegend und sehr spannend, sie mischt Familiengeschichte und Thriller perfekt, und man merkt, dass die 1983 geborene Autorin auch Musikerin ist – ihre Sprache hat einen unwiderstehlichen Rhythmus. Das Ergebnis gehört zum Besten, was die Kriminalliteratur in den vergangenen Jahren zu bieten hatte!

(A., ma & hn)


geb., Verlag Rütten & Loening
2020, 444 S., 20,00 €
ISBN 978-3-352-00941-9


Deon Meyer – Beute

Zwei parallele Handlungen verfolgt Deon Meyer in seinem neuen Polit-Thriller "Beute". Dabei switcht er geschickt zwischen der Aufklärung des Falles um den ermordeten Personenschützer und den Ereignissen um den ehemaligen Top-Agenten und Profikiller aus Bordeaux, Tobela, hin und her.

Meyer erzählt vom faszinierenden, wenn auch vielfach korrupten Südafrika und von der Enttäuschung der Vielen, die nach dem inzwischen fast 30 Jahre zurückliegenden Ende der Apartheid auf etwas anderes gehofft hatten. 

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Und natürlich geht es auch hier wieder um seine beiden Detectives von der Valke-Einheit, Bennie Griessel und Vaughn Cupito. Während der trockene Alkoholiker Griessel seiner Freundin endlich einen Antrag machen will und Caputo seinem Stiefsohn zeigen möchte, dass nicht alle bei der Polizei korrupt sind, bringt der neue Fall die beiden in eine politisch hochbrisante Situation. Ein ehemaliger Polizist wurde in einem Luxuszug ermordet, und die geheimen Sicherheitsbehörden Südafrikas tun alles, um es nach einem Selbstmord aussehen zu lassen …
So ist „Beute” ein weiteres Thriller-Highlight des südafrikanischen Autors – gekonnt und hochspannend, mit einer überraschenden Auflösung.

(hn)


kartoniert, Unionsverlag 2020, aus dem Spanischen von Peter Kultzen
204 S., 18,00 €
ISBN 978-3-293-00559-4


Mercedes Rosende – Falsche Ursula

Ursula ist langweilig, sie ist unzufrieden mit ihrem Leben, sie ist dick, trägt schwarze, übergroße "Stoffzelte", fühlt sich hässlich. Ihr Leben läuft überhaupt nicht so, wie sie es gern hätte. Bis sie eines Tages einen mysteriösen Anruf erhält: Ihr Ehemann sei entführt worden, man fordere eine Million Lösegeld.

Nur: Ursula ist gar nicht verheiratet! Natürlich klärt sie das nicht auf, sie wirft sich stattdessen mit krimineller Energie in dieses Abenteuer. 

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Der Roman ist nicht nur spannend, er ist auch witzig, hochironisch geschrieben. Mit einem Witz, der die Figuren nicht lächerlich macht, sondern einfach nur großes Vergnügen bereitet.
Die Autorin sagt: "Ich möchte in dem Buch ja eine soziale Wirklichkeit zeigen; Probleme, mit denen die Frauen in meiner Geschichte konfrontiert sind, möchte aber kein Pamphlet, kein Manifest der Anklage schreiben, sondern möchte ein Lesevergnügen, das steht an erster Stelle. Mein einziges Mittel, um schreckliche Dinge wie Korruption und den Zerfall der Gesellschaft zu beschreiben, ist, das Ganze mit Humor zu erzählen." 

(ma)


geb., Ariadne-Argument 2020 (Neuausgabe), deutsch von Pieke Biermann, 400 S., 21,00 €
ISBN 978-3-86754-243-2


Liza Cody – Gimme More

Einst waren Jack und Birdie das berühmteste Paar der Welt, bis der Rockstar Jack auf der Höhe seines Erfolgs unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Doch Birdie ist auch als halb vergessene Witwe einer Rocklegende immer noch ein Freigeist der Sechziger und eine Rebellin.

Keiner ahnt, dass sie nicht bloß ein Groupie war, sondern der eigentliche Kopf der Band. Dass sie von allen unterschätzt wird, weiß Birdie mit Charme und Unverfrorenheit zu ihrem Vorteil zu nutzen. 

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Die kleinen Kreditkartenbetrügereien sind denn auch nur Fingerübungen für den großen Coup: Als eine Plattenfirma nach zwanzig Jahren vom Revival der Sechzigerjahre profitieren und um jeden Preis an unveröffentlichte Songs von Jack herankommen will, sieht Birdie ihre Chance, sie kämpft noch einmal – für sich und somit auch für Jack.
Ist sie nun im Besitz von Aufnahmen der legendären Antigua-Sessions oder nicht? Nur Birdie weiß es, und nur Birdie kennt die Wahrheit über Jack.
Witzig und spannend – mit guten Einblicken in des Musikbusiness!

(ma)


kartoniert, Verlag Konkursbuch 2019
400 S., 12,90 €
ISBN 9783887695958


Regina Nössler – Die Putzhilfe

Eine nicht mehr ganz junge Frau hat ihre Habseligkeiten gepackt und macht sich unter Beachtung diverser Sicherheitsmaßnahmen in einer Novembernacht auf in ein neues Leben unter falschem Namen. Mann, Spießerhaus und Kleinstadt lässt sie auf dem Lande in der Nähe von Münster zurück und findet in Berlin-Neukölln eine Kellerwohnung. Bei einem Museumsbesuch fällt ihr eine ältere Dame quasi vor die Füße. Unwillig hilft sie ihr, widerwillig lässt sie sich von der Gestrauchelten zum Kaffee einladen, widerstrebend nimmt sie bei der Professorenwitwe den Job als Putzhilfe im vornehmen Dahlem an. Schließlich muss sie in ihrem neuen Leben Geld verdienen, auch wenn sie noch von dem Konto zehren kann, das sie sich heimlich eingerichtet hat.

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Den Thriller „Die Putzhilfe“ erzählt Regina Nössler strikt aus der Perspektive dreier verstörter Frauen. Die Leserinnen und Leser bekommen nur so viel mit, wie die Protagonistinnen preisgeben, und sind daher auf vielfache Vermutungen und Spekulationen angewiesen … Regina Nössler spielt virtuos auf dem Klavier der umlaufenden Vorurteile. Fast alle Vermutungen, die sie den Leserinnen und Lesern nahelegt, laufen ins Leere und entpuppen sich als Stereotype. „Die Putzhilfe” handelt von Kontrolle und sozialen Normen, von Einengung und Befreiung, von realer und eingebildeter Überforderung. Alle diese Themen bilden den schwebenden Hintergrund einer ebenso überraschenden wie spannungsreichen Handlung. Ungewöhnlich, hervorragend!

(ma)

 


geb., Vida Verde Verlag, 2019, aus dem Norwegischen von
Babette Hoßfeld,
448 S., 19,90 €
ISBN 978-3-96698-049-4


Gert Nygårdshaug – Mengele Zoo

(Ein Öko-Thriller)

Der Thriller beginnt als eine Erzählung über Mino, einen kleinen Jungen im Regenwald. Er streift durch die Wälder, um seinem Vater zu helfen. Um die Familie zu ernähren, fangen sie seltene Schmetterlinge, die der Vater präpariert und verkauft. Mino ist fasziniert von ihnen und wird zum erfolgreichen Jäger. Er liebt den Wald und die Tiere, das Leben in der Dorfgemeinschaft. Immer näher kommen allerdings die Geräusche der Maschinen der americanos, es sind die achtziger Jahre, internationale Firmen teilen den Regenwald unter sich auf und holzen große Flächen ab. Immer näher kommen sie Minos Dorf, sogar riechen können sie die Maschinen bereits.
Mehrfach kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern der Ölgesellschaften und den Indios. Mino muß mitansehen, wie Männer seiner Dorfgemeinschaft brutal getötet werden, als sie versuchen, ihre Rechte geltend zu machen.

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Er beschließt sich zu wehren, und gemeinsam mit seinem Freund schmiedet er einen ausgefeilten Plan, den Kommandant des nahegelegenen Camps zu töten. Doch Mino muß bald feststellen, daß ebenso schnell jemand nachrückt und der Mord an dem Vorarbeiter seinen Wald nicht retten wird. Im Gegenteil, als Mino eines Tages im Wald unterwegs ist, hört er die Hubschrauber kommen und muß mitansehen, wie sein gesamtes Dorf ausgelöscht wird. Alle Menschen, die er kannte sind tot, die Häuser sind zerstört.
Allein und entkräftet irrt er tagelang durch den Regenwald, erreicht Gebiete, in denen er nie zuvor war. Schließlich bricht er erschöpft an einem Weg zusammen, wo er von einem besonderen Mann gefunden wird: Isidoro ist ein Magier und reist mit seinem Esel durch die Länder, baut in kleinen Dörfern seine Bühne auf und bietet den Menschen eine prächtige, faszinierende Show. Er kommt gut über die Runden und hat ein gutes Herz. Er teilt mit den Armen und auch Mino nimmt er auf und bringt ihm die Zaubertricks bei. Mino ist ein gelehriger Schüler und gemeinsam erweitern sie ihre Show und leben ein paar Jahre sehr gut davon.
Doch wieder kommt das Unglück in Form betrunkener Arbeiter der Ölgesellschaften in Minos Leben, es kommt zu gewaltsamen Übergriffen und er tötet die Angreifer und flieht.
Und nun wird aus dem Abenteuerroman ein Öko-Thriller.
Mino hat nur noch ein Ziel: Rache und die Rettung des Regenwaldes um jeden Preis. Er schreibt sich an der Universität ein und lernt Verbündete kennen. Sie werden ein exklusiver Club, kommen überraschend zu Reichtum und jetten um die Welt - um zu töten. Cool und eiskalt wird ab hier von ihnen erzählt. Anschläge, Orgien und die totale Verachtung der kapitalistischen Weltordnung und der Menschen dahinter bestimmen ab nun Minos Leben. Er wird zum Racheengel, nicht nur aus seiner Perspektive. Die Gruppe findet Nachahmer, die Diskussion spaltet die Menschen - wie weit darf man gehen, die aufzuhalten, die die Erde für ihren Profit zerstören?

Ich fand den Roman sehr spannend und gerade die Wendungen in der Erzählung und der Erzählweise macht ihn für mich besonders. Ein unglaublicher Sog entwickelte sich, immer wollte ich wissen, was als nächstes passiert; viele Geschichten und Erlebnisse lassen einen tief eintauchen in Minos Welt. Das Buch ist erschreckend aktuell, obwohl es bereits vor dreißig Jahren geschrieben wurde.
Es hat übrigens den norwegischen Publikumspreis für das beste Buch aller Zeiten gewonnen!
Der eigens für die Veröffentlichung dieses Buches gegründete Verlag plant auch die weiteren vier Folgebände dieser Serie ins Deutsche zu übertragen - ich freue mich darauf.

(bm)


geb., Argument Verlag 2019, aus dem Englischen von Daisy Dunkel,
352 S., 21,00 €
ISBN 9783867542395


Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen

Krimi

Als Polizeichefin von Buchanan, dem Ort ihrer Kindheit, hat Dove Carnahan schon viel gesehen. Es ist keine schöne Gegend: Hier in Pennsylvania liegen vom Kohleabbau verwüstete Landstriche brach, schwelen unterirdische Kohlenbrände, Geisterstädte rotten vor sich hin, Menschen rackern sich ab oder haben sich längst aufgegeben, Träume blühen und welken. Oder sie verbrennen, wie das tote Mädchen in der vor Jahrzehnten geräumten Siedlung Campbell's Run, das ein entsetzter Farmer in einer glühenden Erdspalte entdeckt.
Chief Carnahan ist die erste Polizeichefin des County. Eine resolute, nicht zu Unklarheiten und Empfindlichkeiten neigende Polizistin hat sich die 1964 geborene Schriftstellerin Tawni O’Dell ausgedacht und zu ihrer Ich-Erzählerin gemacht. Ihre Geschichte befasst sich detailliert mit den gesellschaftlichen Bedingungen und Verwerfungen, den Benachteiligten und sich trotzig Verweigernden im ländlichen Pennsylvania.

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Lakonisch ist der Ton, abgebrüht, gelegentlich auch zynisch; und im Verlauf der Geschehnisse versteht man, dass Dove Carnahan ihrer schönen, sorglosen, die Lover wie die Unterhosen wechselnden Mutter weit mehr nachzutragen hat als die Tatsache, dass sie nach deren Lieblingsseife benannt wurde.
Familiengeschichten werden aufgerollt, sie handeln unter anderem von jahrelanger Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Drogen- und Medikamentensucht, Missbrauch. Wie der Kohlebrand schwelen sie seit langem und sind ebenso hässlich. Vor 35 Jahren wurde Dove Carnahans Mutter ermordet. Gerade ist der Mann, der dafür verurteilt wurde, der aber immer beteuerte, er sei unschuldig, aus dem Gefängnis entlassen worden. Dove und ihre jüngere Schwester Neely zucken gleichsam die Achseln, Lucky war ein Ekel, er hat Neely geschlagen, so what. Auch der Tod der Mutter traf die beiden nicht übermäßig, sie waren schwer vernachlässigte Kinder. „Mit fünfzehn hatte ich die bestmöglichen Eltern: Sie waren tot und konnten mir nichts mehr tun.“ Ein Satz, der eine zutiefst gestörte Familie trefflich beschreibt.

Mit dem getöteten, halb verbrannten Mädchen, Camio, kommen die Trulys ins Spiel: Matriarchin Miranda, deren Mann Walt sich längst totgesoffen hat, acht Kinder, die ihrerseits bereits Kinder haben. Der ermordete Teenager war eine Tochter Shawnas, diese ist verheiratet mit Clark Truly und wird von der Familie schikaniert und kleingehalten. Ihr Schutzpanzer ist die Gleichgültigkeit. Chief Carnahan beißt sich die Zähne aus, begreift irgendwann, dass Shawna frei ist, „weil sie sich aus nichts mehr etwas macht“. Tatsächlich? Man kann dabei zusehen, wie Kinder durchs Raster fallen, regelrecht verwildern. Die getötete Camio war aus eigener Kraft ein leuchtendes Gegenbeispiel, sie schrieb gute Noten, wollte aufs College, sie hatte einen eher gutbürgerlichen Freund. Waren die anderen neidisch, könnte das ein Motiv sein, fragt sich Chief Carnahan. Es geht trostlos zu in Buchanan, aber nicht durchweg. Natürlich gehen die Menschen auch einfach ihrer Arbeit nach, gehen in ihrer Freizeit in die Kneipe, laden Freunde ein. Manche lassen ihre Hunde von der spröden Neely ausbilden, offenbar eine regelrechte Hundeflüsterin – Tawni O’Dell erzählt ganz fabelhaft davon, auch von den Macken der Hundebesitzer.

(mn & hn)


geb., Ariadne im Argument-Verlag 12.2018
aus dem Englischen von Laudan & Szelinski
540 Seiten, 24,00 €
ISBN 978-3-86754-236-4


Ein Krimi-Comeback:

Sara Paretsky – Kritische Masse

Lange haben wir nichts mehr gehört von Sara Paretsky. Dabei gab es Zeiten, in denen ihre Krimis in keinem Regal frauenbewegter Leserinnen fehlen durften. Jetzt kommt die mittlerweile 71-jährigen Amerikanerin umso beeindruckender mit einem über 500-Seiten-Wälzer zurück, in der profilierten Ariadne-Reihe des Argument-Verlages. In der Hauptrolle wie immer die Privatdetektivin V.I. (Vic) Warshawski.

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Inspiriert von der wahren Geschichte der jüdischen Physikerin Marietta Blau, deren spektakuläre Entdeckungen wegen des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs kaum gewürdigt wurden, bewegt sich V.I. diesmal auf der Spur des verschollenen Urenkels der (fiktiven) Wissenschaftlerin Martina Saginor. Der Vermisste ist ganz Erbe ihrer wissenschaftlichen Begabung, genialer Mathematiker und leicht autistischer Computerspezialist. Durch Einschübe von Erzählungen der Urgroßmutter erfahren wir vom Schicksal dieser jüdischen Physikerin Martina Saginor im Wien der 1930er Jahre. Sie ist eine leidenschaftliche Forscherin auf dem Feld der Quantenmechanik, bis die Nazis sie ins Arbeitslager verschleppen und ihre Nazi-treue Assistentin sich ihre Forschungsergebnisse unter den Nagel reißt. Resultate, die später in den USA in die Entwicklung der Wasserstoffbombe einfließen. Martina Saginor überlebt allerdings Arbeitslager und Konzentrationslager, kann auch einem Lager in der amerikanischen Wüste entfliehen, aber als Forscherin kommt sie nie mehr auf die Füße. Es sind andere, vor allem Männer, die die Meriten ihrer Forschung einheimsen und den Nobelpreis dafür bekommen. Eine ganz bittere Geschichte. In der Gegenwart verknüpft die Autorin diese Geschichte mit dem verschwundenen Computercrack, einem Nobelpreisträger, mehreren ominösen Todesfällen und einem expandierenden IT-Unternehmen. Warshawski selbst ist mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen, schreckt aber auch im gesetzten Alter vor Schlägereien, Einbrüchen, Verfolgungsfahrten und Entführungen nicht zurück. Ein vielfältiger Roman, weitaus mehr als ein Krimi, über Skrupellosigkeit, Ignoranz und Korruption. "… der eigentliche Reiz des Romans besteht nicht in der Action, sondern darin, zu beobachten, mit welcher erzählerischen Eleganz Paretsky ihre Geschichte ganz langsam, aber ungeheuer stringent auffaltet. Wie sie Hinweise einstreut, gelegentlich falsche Fährten legt, dabei den Leser immer ernst nimmt und nie mit faulen Tricks arbeitet. "Kritische Masse" ist auch ein klassischer Ermittlerkrimi, bei dem sich Leser und Leserin, Detektivin und Autorin jederzeit auf Augenhöhe befinden. Paretsky beherrscht das amerikanische Erzählprinzip des show, don't tell meisterlich ...." (Marcus Müntefering auf SPIEGEL ONLINE).

Über 500 Seiten hält Paretsky die Erzählstränge gut beieinander und bindet sie zusammen zu einem eindrucksvollen, grandioses Werk. Sara Paretsky bleibt die große Meisterin, die den feministischen Kriminalroman zu einem Leseerlebnis machte.

Was für ein Comeback!

(hn)


kartoniert, Europa Verlag 2019, Übersetzung:
Erik Gloßmann
370 S., 15,00 €,
ISBN 978-3-95890-198-8


Philip Birk – Operation Peruggia

Vincenzo Peruggia stahl 1911 die Mona Lisa aus dem Louvre, denn er war der Meinung, dass das Kunstwerk in sein italienische „Heimat“ gehöre und wollte es dorthin zurückbringen.

Kopenhagen im Juni 2016: in einem aufsehenerregenden Coup wird das teuerste Gemälde Dänemarks „Interiør” von VilhelmHammershøi aus dem Dänischen Nationalmuseum gestohlen.

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Das Bild ist eine Leihgabe von Brian Frost, dem „König“ von Kopenhagens Unterwelt, der es für viel Geld zum Andenken an seinen toten Sohn Jonathan auf einer Versteigerung gekauft und dem Museum für vier Tage zur Ausstellung geliehen hat - unter massiven Sicherheitsbedingen. Unter anderem hat er das Bild mit schwarzen Tintenpatronen versehen lassen, die das Gemälde innerhalb von 48 Stunden zerstören, sollte es nach einem Diebstahl nicht an seinen Ursprungsort zurückgehängt werden.

Brian Frost beauftragt den international agierenden Kunstdieb Tom Grip, das Gemälde wiederzubeschaffen. Es beginnt ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit, der Tom erst in das Milieu des serbischen Mafiabosses Nebojša Savić führt, aber auch in Konflikt mit der dänischen Polizei bringt …
Ein spannender Thriller, der zwischen elitärer Kunstszene und Mafiamileu spielt.

(av)


kartoniert,
Heyne Verlag 2018,
352 S., 12,99 €
ISBN 978-3-453-43889-7


Eine neue Krimi-Entdeckung

Feinde

Susanne Saygin

Es fängt alles mit einem Doppelmord im Sinti und-Roma-Milieu in einer deutschen Großstadt an, doch dieses Verbrechen zieht schnell weite Kreise: "Arbeiterstrich", Korruption, Menschenhandel und das Schicksal derjenigen, die von der Gesellschaft nichts mehr zu erwarten haben. Der Polizist Can Arat tut alles, um die Wahrheit zu finden und gleichzeitig seine Menschlichkeit nicht zu vergessen.

Es könnte so einfach sein: Er könnte sich mit den Kollegen der Toten verständigen - wenn sie denn den Mund aufmachten. Aber die haben Angst um ihren Hungerlohn, eingeschüchtert von einer paramilitärischen "Stadionwacht". Arat gelingt es, einen jugendlichen Zeugen aufzutreiben, der die Bauunternehmen und die Leute kennt, die den Arbeitsstrich organisieren.

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Bevor der Analphabet aussagen kann, landet er jedoch unter einer U-Bahn. Arats Chefin Simone wird erpresst, der Kölsche Klüngel wehrt sich gegen die Bedrohung seiner Geschäfte. Jeder Erkenntnisfortschritt erhöht das Risiko für die Ermittler. Arat lässt sich krankschreiben, stützt sich auf alternative Netzwerke, reist nach Stolipinovo, erfährt die krasse Not der Arbeitssklaven und Zwangsprostituierten, gerät am Ende in Lebensgefahr.

Saygin erzählt mit kompromissloser Härte, sie hat sich das alles in Bulgarien angesehen und rechnet gleich mit dem ganzen EU-Förderwirtschaftssystem ab. Einen Ausweg aus dem Elend, eine Lösung? Gibt es nicht. Stattdessen erfindet Saygin eine märchenhafte Rettung für zwei. Das macht die Realität umso bitterer.

Ein absolut beeindruckendes Krimi-Debut, das reichlich Anlass zum Grübeln, zum Nachdenken gibt …

(hn)


Aus dem Französischen von Iris Konopik, 380 S., 19,00 €
Argument Verlag, 2016, Hamburg


Schwarzes Gold

Dominique Manotti

Die französische Schriftstellerin Dominique Manotti knöpft sich in ihren Kriminalromanen am liebsten die ganz großen Spieler vor: Die Konzernchefs, die Fußballvereinspräsidenten, die Politikergrößen, die Supersponsoren (die mit Eigennutz!), die Unterweltbosse. Manotti, Jahrgang 1942 und gelernte Historikerin, schreibt immer politische Geschichten. Die Strippenzieher und Täuscher dieser Welt sind ihr Thema. Die Polizei hat ihnen nicht furchtbar viel entgegenzusetzen – wenn sie ihnen denn überhaupt etwas entgegensetzen möchte. Und nicht lieber den bequemeren Weg der Korruption wählt.

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Vielfach preisgekrönt sind ihre Werke, lakonisch und illusionslos ist ihr Stil. Ihr jüngster Krimi führt zurück in die 70er Jahre. Ölkrise, Drogenhandel, das Ende der legendären "French Connection" – und mittendrin, in der runtergekommenen Hafenstadt Marseille, ein junger Kommissar. Er wühlt sich durch die Machenschaften der großen Ölkonzerne. Im Roman entfaltet sich das Panorama einer finsteren Welt, die schon alle Schatten der heutigen Globalisierung vorwegnimmt. Die Steuerparadiese im Roman sind Malta und Zypern. Aber auch die Schweiz mit ihren Banken und Rechtsanwaltskanzleien spielt eine gewichtige Rolle. Neben den Global Playern der Erdölbranche und den Ölländern ist reichlich Platz für Hasardeure, denn Milliarden-Gewinne locken. Erdöl wird zu Recht als Schwarzes Gold bezeichnet.

Man kann Manotti lesen wie im Flug: Kühl, knapp, schnörkellos sind ihre Sätze. Doch äußerst treffsicher. Scheinbar pfeift sie auf Dekor, aber die Atmosphäre schlüpft dennoch durch die Hintertür hinein. Und Théo Daquin, der robuste, Rückschläge wegsteckende, sein Sexleben (mit Männern) ungeniert genießende Ermittler, er ist doch ziemlich vielschichtig und plausibel, obwohl er keine der gängigen Kommissarsmarotten hat. Oder gerade weil er sie nicht hat?
Commissaire Theo Daquin, den wir hier am Anfang seiner Laufbahn erleben, hat sich ja schon als erfolgreicher Serienheld etabliert. Schwarzes Gold ist ein weiterer Meilenstein auf dem Erfolgsweg der französischen Ausnahmeschriftstellerin. Unbedingt lesen!

Weitere Infos zum Werk der Autorin hier.


Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
geb. Unionsverlag 2014;
seit 2015 Unionsverlag TB
652 S., 16,95 €
ISBN 978-3-293-20696-0


Ketzer

Leonardo Padura

Leonardo Padura ist ein kubanischer Autor, der uns mit seinen ungewöhnlichen Krimis um den Teniente Mario Conde sehr offen und realistisch den heutigen Alltag seines Landes nahe bringt. Es sind die lebendig beschriebenen Figuren, die seine Bücher so aufregend machen. Dabei wertet Padura nicht - er erzählt einfach, die Beurteilung überlässt er dem Leser.

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In seinem neuen großen Werk ist die heutige Krimihandlung nur ein wichtiger, spannend und gut erzählter Teil, genau genommen erzählt er drei Romane in einem: Da ist die Geschichte aus der Blütezeit des mittelalterlichen Amsterdam um Rembrandts verschollenes Christus-Bild, die Beschuldigung der Ketzerei gegen den Maler und sein Modell, einen jüdischen Jüngling. Wir erleben die gescheiterte Flucht ins kubanische Exil der Familie Kaminsky, mit einem Bild von Rembrandt, seit Generationen im Besitz der Familie, hoffen sie, sich freizukaufen. Doch die Einreise wird allen verweigert. Das Schiff fährt zurück nach Europa. Daniel Kaminsky wird seine Familie nie wiedersehen.
Mario Conde macht sich auf die Suche nach den Geheimnissen des Christusbildes und der Familie Kaminsky. Der Fall führt ihn durch die Jahrhunderte. Die Spur zieht sich um die halbe Welt. Ein aussergewöhnlicher Roman!

Leonardo Padura ist ein kubanischer Autor, der uns mit seinen ungewöhnlichen Krimis um den Teniente Mario Conde sehr offen und realistisch den heutigen Alltag seines Landes nahe bringt.
Weitere Infos hier.

(hn)


Nesbø, Jo: Der Sohn.
Geb. Ullstein 2014;
seit 2015 Ullstein TB,
521 S., 10,99 €
ISBN 978-3-548-28778-2

Hjorth/Rosenfeldt (den nicht gerade sympathischen Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann z.B. hier über "Das Mädchen, das verstummte"): Ein Fall für Sebastian Bergman, Nr. 4, rororo, 10,00 €
ISBN 978-3-499-26662-1

Deon Meyer: Cobra.
Seit 2016 Aufbau TB,
10,99 €
ISBN 978-3-7466-3194-3

Robert Wilson - siehe hier.Weitere Infos unter Randomhouse oder robert-wilson.eu


Viele bunte Krimis – auch von alten Bekannten

Für alle LeserInnen etwas anspruchsvollerer Kriminalromane, eine komplexere und vielschichtige, dabei sprachlich gekonnt ausgefeilte Geschichten lieben, gibt es in diesem Herbst ein ganzes Füllhorn, das zum Überwintern reichen dürfte!

Da ist zunächst "Der Sohn" – abseits von den Spuren, die der große Harry Hole hinterlassen hat, aber dennoch unverkennbar ein echter Nesbø! Spannend, mit immer neuen überraschenden Wendungen – super!

Gewohnt gut wie immer das Gespann Hjorth/Rosenfeldt um den nicht gerade sympathischen Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann über "Das Mädchen, das verstummte" sowie der neue Deon Meyer (vgl. hier) über die "Cobra"!

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Endlich – auch Robert Wilson (siehe hier) ist mit einem neuen Serienhelden zurück - jetzt hat er die iberische Halbinsel verlassen und seine neuen Krimis in London angesiedelt, auch wenn es den Kosmopoliten natürlich auch zeitweilig in andere Weltgegenden führt. Diesmal – natürlich hochspannend wie immer — überschätzt sich der Protagonist gewaltig …

Es gilt aber auch, neue schwedische Krimi-Autoren anzupreisen: Carl-Johan Vallgren ist bislang durch zwei fundierte historische Romane sehr erfolgreich in Erscheinung getreten und legt nun seinen ersten Krimi vor: Eine komplexe, schier unerklärliche Entführungsgeschichte, in die unser Held hineingezogen wird …

Joakim Zander ist wirklich ein neuer Autor, der hier einen höchst mysteriösen Spannungsroman in den Gefilden der EU-Institutionen in Brüssel ansiedelt – da bleibt so vieles so unerklärlich … und die NSA lässt grüssen!

(hn)


Jagdhunde
Geb. Grafit Verlag 2013;
seit 2018 Droemer TB,
381 S., 9,99 €
ISBN 978-3-426-30628-4

Winterfest
Droemer TB 2017,
346 S., 10,99 €
ISBN 978-3-426-30622-2


Einen neuen Krimi-Autoren aus Norwegen gilt es zu entdecken:

Winterfest / Jagdhunde

Jørn Lier Horst

Nach all den hyperdramatischen, weltzerstörerischen Krimi- und Thriller-Bänden, in denen gemetzelt wird, was das Zeug hält - endlich, ein ziemlich unspektakulärer, normaler aber dennoch gut erzählter Kriminalroman, es ist kaum zu glauben, dass es so etwas noch gibt! Doch Jørn Lier Horst aus Norwegen versteht sein Handwerk, dabei bleibt er auf dem Boden, ist geerdet - er fesselt, wir Leser_innen sind sofort "drin", es gibt kaum länger andauernde Atempausen, wir lesen …, nein wir müssen lesen, so spannend sind diese doch so normalen Geschichten.

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"Winterfest" ist 2012 zuerst erschienen und jetzt im Taschenbuch lieferbar: Unser Kommissar Wisting ahnt, dass seinem aktuellen Fall etwas Unheilvolles anhaftet. Der Mord in einer idyllischen Feriensiedlung, eine brutale Einbruchserie und dann scheint auch noch seine Tochter Line in die Geschehnisse verwickelt zu sein - viele schwer zu entwirrende Fäden müssen bearbeitet werden ....

Wegen dem soeben erschienen Roman"Jagdhunde" erhielt Lier Horst den Norwegischen Krimipreis 2012 - völlig zurecht! Wisting steht mit dem Rücken zur Wand - der anerkannte Anwalt eines langjährigen Gefängnisinsassen kann ihm die Manipulation von Beweismitteln nachweisen! Wisting hatte den Täter damals überführen können, doch nun stellt sich heraus, dass die Beweise gefälscht waren - ein gefundenes Fressen für die Medien. Der Kommissar wird suspendiert, ist gezwungen, sich selbst um die Aufklärung der verworrenen Geschichte zu kümmern. Trotz hilfreicher Unterstützung seiner Tochter, der Journalistin Line, rennt ihm die Zeit davon, denn wieder verschwindet eine junge Frau und die Parallelen zum damaligen Fall sind offensichtlich …

(av)


Suhrkamp Taschenbuch 2012, 689 S., 10,99 €
ISBN 978-3-518-46340-6


Don Winslow – Tage der Toten

Originaltitel: The Power Of The Dog,  aus dem Amerikanischen von Chris Hirte

Vorweg: Mit "Tage der Toten", der deutschen Übersetzung von "Power of the Dog", legt der Suhrkamp Verlag bereits den vierten Roman von Don Winslow in nur knapp 17 Monaten vor. Viel Lesestoff in kurzer Zeit, aber ausnahmsweise hat hier ein Verlag so ziemlich alles richtig gemacht.

Startend mit "Pacific Private" einen Roman um den Surfer Boone Daniels, dann den eigenständigen (und famosen) Mafia-Roman "Frankie Machine", nachfolgend das zweite Werk um Boone Daniels nämlich "Pacific Paradise". Und zum bisher krönenden Abschluss nun "Tage der Toten".

Ein Roman, von dem namhafte amerikanische Autoren des Genres behaupten, dass er zu den wichtigsten amerikanischen Romanen der letzten zehn Jahre gehöre.

Und das ist die Geschichte:  Mit großem Tatendrang hat sich der US Drogenfahnder Art Keller daran gemacht, in die Strukturen der mexikanischen Drogenmafia einzudringen mit Erfolg. So viel Erfolg, dass die Drogendepots reihenweise auffliegen und die Narcotraficantes die Jagd auf ihn eröffnen.

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Nachdem sein Mitarbeiter von den Gangstern zu Tode gefoltert wurde, schwört Art Keller Rache und startet einen gnadenlosen, blutigen Feldzug gegen die Drogenbarone.
Zu spät bemerkt er, dass er sich damit neue Feinde macht und die sitzen in Washington.

Was als Iran-Contra-Affäre in die Geschichte einging, erlebt Keller als gigantisches Drogen-, Geldwäsche- und Waffengeschäft. Vor die Wahl gestellt, seiner Regierung zu dienen oder seinem Gewissen zu folgen, trifft er eine einsame Entscheidung und stößt dabei auf unverhoffte Verbündete.

Welchen Realitätsgehalt "Tage der Toten" in solchen bitteren Passagen urplötzlich gewinnt, zeigen Zitate aus der US-amerikanischen Wirklichkeit von 1987:
"Unser Land machte sich zum Komplizen im Drogenhandel, zur selben Zeit in der wir unzählige Dollars dafür ausgaben, die durch Drogen verursachten Probleme in den Griff zu bekommen - es ist einfach unglaublich."
(US-Senator John Kerry in den Senatsanhörungen zur Rolle der CIA im Drogenschmuggel der Contras)

Weit mehr als jeder andere politische Kriminalroman verwebt Don Winslow in "Tage der Toten" Fiktion und Wirklichkeit. Die Iran-Contra-Affäre der 80er-Jahre bildet den ganz realen Hintergrund dieses Buches. Zur Erinnerung: Mitte der 80er-Jahre verkaufte die amerikanische Regierung in einem Geheimgeschäft Waffen an den Iran. Mit den ganz und gar inoffiziellen Einnahmen aus den Waffenlieferungen an den damals eigentlich offiziellen Erzfeind im Nahen Osten wurden dann, an jeglicher Gesetzgebung vorbei, zynischerweise die regierungsfeindlichen Contras im "anti-kommunistischen Kampf" in Nicaragua unterstützt. Eine Untersuchungskommission stellte später fest, dass dabei die Contras über Jahre mehrere Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt hatten, was mit Duldung und sogar Unterstützung der CIA geschah.

Seit Robert Littells "Legends" ("Die kalte Legende") hat es keinen so kraftvollen, politisch treffsicheren und mitunter gesellschaftskritisch-klugen Kriminalroman gegeben. Der in den USA in aller Öffentlichkeit so großmundig proklamierte Krieg gegen die Drogen geht einher mit den letzten knapp dreißig Jahren des Versagens der Südamerika-Politik der USA. Beides vermischt sich, ist eins, doch wieder und wieder fragt man sich, wo die eigentlichen Absichten der Verantwortlichen liegen und die eigentlichen Fronten verlaufen.

"Es existiert eine Schattenregierung mit ihrer eigenen Luftwaffe, ihrer eigenen Marine, ihren eigenen Geldbeschaffungsmechanismen sowie der Möglichkeit, ihre eigene Vorstellung nationaler Interessen durchzusetzen, frei von allen Kontrollen und frei vom Gesetz selbst."
(US-Senator Daniel Inouye während der Senatsanhörungen zur Iran-Contra-Affäre)

Don Winslow erweist sich als handwerklicher Könner, denn selbst seine besinnlicheren Erzählpassagen bremsen den Lesefluss nicht ab, sondern sie reduzieren nur stellenweise geschickt das Tempo, um gleich danach wieder mit fast "Actionfilm-artigen" Szenerien weitere Ausrufezeichen zu setzen.

Dies alles wirkt mit seinen Zutaten erzählerisch so einfach und beinahe spielerisch, erweist sich aber in einer Zeit, in der sich in der Kriminalliteratur hauptsächlich psychopathische Serienmörder tummeln, geradezu als wohltuend und als stilistische Feinarbeit. Fazit: "Tage der Toten" ist ein Jahrzehnt-Roman, weil er die Welt mit all den vielfältigen Mitteln des Romans so eindrücklich, so realistisch abbildet.

Schauen Sie auch hier 'rein:
http://www.krimi-couch.de/krimis/don-winslow.html

 


Edition Nautilus, 2010
253 S., 13,90 €, broschiert
ISBN 978-3894017286


Blutsonntag

Robert Brack

Die deutsche Geschichte der Weimarer Republik ist voller politischer Skandale, einige von ihnen mit blutigen Konsequenzen: Die Weddinger-Maiunruhen gehören dazu und auch der Altonaer Blutsonntag. In beide Skandale ist die Polizei der Städte Berlin und Hamburg verwickelt.

Der Altonaer Blutsonntag 1932 in Stichworten: Nationalistische Polizisten, die einen von der Polizeiführung tolerierten NS-Aufmarsch durch das Rote Altona dazu nutzen, unter den vaterlandslosen Gesellen richtig aufzuräumen. 18 Tote waren nach der Aktion zu beklagen. Die Linke war von vornherein klar die Schuldige, 4 ihrer Anführer wurden nach der Machtergreifung der Nazis hingerichtet. Bis heute sind diese Skandalurteile nicht aufgehoben worden.

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Robert Brack macht nun aus dem historischen Ereignis ein bemerkenswertes Dramal: Die Journalistin Klara Schindler, die für die kommunistische Parteizeitung arbeitet, macht sich an die Aufarbeitung des Altonaer Blutsonntags. Die Erklärungen und Behauptungen auch ihrer eigenen Parteifreunde reichen ihr nicht. Der Verweis auf die Vorbereitung eines Generalstreiks hält sie nicht davon ab, weiter zu fragen, zu recherchieren. Sie ist eine eigensinnige Aufklärerin, die sich ihrer journalistischen Arbeit mehr politische Wirkung zuschreibt als einer kurzsichtigen Parteiagitation.

Schindler macht sich auf, das, was geschehen ist, zu rekonstruieren: Sie benutzt dazu eine brandneue Erfindung der sowjetischen Genossen: Ein Tonbandgerät, das es ihr erlaubt, die Zeugen der Ereignisse nicht nur zu befragen, sondern ihre Antworten auch in der direkten, unverfälschten Form zu dokumentieren. Brack nutzt diesen technischen Trick (das erste Tonbandgerät wurde erst 1935 auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt), um die Zeitzeugen sprechen zu lassen.

Die Zeugenaussagen folgen dabei unverbunden aufeinander und erst in der Gesamtschau ergeben die teils widersprüchlichen, teils sich ergänzenden, teils in die Irre führenden Aussagen ein Gesamtbild. Klara Schindlers eigene konfliktreiche Geschichte bildet die tragende Struktur, hebt sich dabei aber von den Tonbandaufnahmen doch deutlich ab.

Herausgekommen ist ein überaus spannender Roman, der die zugespitzte Situation am Vorabend der Machtübernahme der Nazis treffend und glaubwürdig einfängt.

 


geb. Rütten & Loening 2008;
seit 2014 Aufbau TB,
421 S., 9,99 €
ISBN 978-3-7466-3091-5


Weisser Schatten

Deon Meyer

Lemmer, Bodyguard, vor einiger Zeit aus der Haft entlassen, soll Emma in den Kruger-Nationalpark begleiten. Er hofft auf einen harmlosen, schnellen Job – sie ist von der Idee besessen, ihren seit 20 Jahren verschwundenen Bruder wiederzufinden.

Undurchsichtige Vorfälle, ein Schlangenattentat und schließlich wird Emma schwer verletzt – Lemmer begreift, daß er in eine Verschwörung geraten ist, die tief in der Geschichte des ehemaligen Apartheid-Staates verwurzelt ist. Meyer wie immer überaus spannend, dichte Schilderung südafrikanischer Wirklichkeit und kenntnisreiche Rückgriffe in die jüngere Geschichte des Landes. Die einfache Lösung des Falles ist nett, etwas enttäuschend, kann den Genuss dieses Buches aber nicht mehr schmälern! Gut!

(hn)

 

 


KiWi 2009,
334 S., 8,95 €
ISBN 978-3462041323


Das München-Komplott

Wolfgang Schorlau

Wolfgang Schorlau legt seinen 5. Fall mit dem Privat-Ermittler Georg Dengler vor: Der BKA-Aussteiger wird von seinem ehemaligen Arbeitgeber gebeten, die Akten zu einem besonderen Fall durchzuarbeiten: Es geht um das grösste und brutalste Attentat in der Geschichte Deutschlands, um den Anschlag auf das Münchner Oktoberfest am 26. September 1980, damals starben 13 Menschen durch die gewaltige Explosion, 200 wurden verletzt, 68 davon sehr schwer.

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Ein alter Fall, denkt Dengler, Geschichte. Doch kaum angefangen geschehen unheimliche Dinge: Waren damals viele Spuren nicht weiter untersucht worden, so verschwinden auch heute Asservate, sterben Zeugen früh und unerklärlich. Dengler findet heraus, dass die Strippenzieher von damals auch heute noch sehr lebendig sind – und auch er ins Visier genommen wird …

Natürlich greift Schorlau wieder einmal Verschwörungstheorien auf – das mag phantastisch klingen, doch kein anderer vermag sie so realitätstüchtig und spannend zu präsentieren wie er. Daneben ist dieser kleine Krimi ein Lehrstück - die Fakten, die er aufbereitet, verdienen allemal eine breite Öffentlichkeit!

 


geb. Zsolnay 2008;
seit 2010 dtv,
605 S., 10,95 €
ISBN 978-3-423-21203-8


Der Chinese

Henning Mankell

Januar 2006: Die Polizei entdeckt in einem kleinen Dorf ein grausiges Massaker an 18 Menschen. Die Tat eines Wahnsinnigen? Die Polizei ermittelt unter öffentlichem Druck in diese Richtung und wird anscheinend auch fündig. Die Richterin Roslin, weitab vom Geschehen, aber über entfernte verwandtschaftliche Bindungen mit einigen Opfern bekannt, entdeckt Indizien, die eine Spur nach China nahe legen.

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Mankell hat wieder einen guten Roman vorgelegt, diesmal vielleicht die gelungene Verknüpfung eines schwedischen Lokalkrimis mit dem antikolonialen Afrikaengagement des Autors? Zumindest verknüpft er auf aktuellstem Niveau die Geschichte kolonialer Hypotheken der weißen Welt (hier: die erbarmungslose Ausbeutung chinesischer Sklaven bei der Industrialisierung der USA) mit dem rasanten Aufstieg Chinas zur Supermacht.

Daß er dabei über die politischen Widersprüche auf dem asiatischen und afrikanischen Kontinent kenntnisreich informiert, kann auch nicht gerade als Nachteil angesehen werden – auch wenn mensch die jeweiligen Sichtweisen nicht unbedingt teilt. Das hat Klasse!

(hn)


Der Blinde von Sevilla
Goldmann TB 2013,
639 S., 9,99 €
ISBN 978-3-442-48033-3

Tod in Lissabon
Goldmann TB 2002,
576 S., 9,95 €
ISBN 978-3-442-45218-7

Die Toten von Santa Clara
Goldmann TB 2013,
506 S., 9,99 €
ISBN 978-3-442-48034-0


Ein Engländer in Sevilla – Robert Wilson

Bei dem Namen Robert Wilson fällt zunächst auf, dass es unzählige Autoren mit ebensovielen Büchern zu geben scheint. Aber, gemach: Dieser ist einmalig, dieser hat tatsächlich "nur" 6 Krimis geschrieben, die allesamt meist auf der iberischen Halbinsel spielen, wo der englische Autor heute überwiegend lebt.

http://www.krimi-couch.de/krimis/robert-wilson.html

Zunächst – darin überaus vergleichbar mit Jo Nesbös "Rotkehlchen", Ritzels "Schatten des Schwarms" und Mankells "Rückkehr des Tanzlehrers" - die Verknüpfung von Geschichten aus der Nazi-Zeit mit der heutigen Wirklichkeit:

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Tod in Lissabon
Am Strand von Cascais bei Lissabon wird eine Frauenleiche geborgen, die Ermittlungen werden verknüpft mit Geschehnissen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als die Nazis in Portugal Wolfram für ihre Rüstungsproduktion organisieren wollten. Spannend, mit komplexen vielschichtigen Handlungssträngen.

Der Blinde von Sevilla
Auftakt der Tetralogie um Javier Falcon aus Sevilla, eine spannende Krimihandlung, verknüpft mit einer Familiengeschichte, in der sich spanische Kolonial- und Nachkriegsgeschichte mischt.

Die Toten von Santa Clara
Auch wenn mensch zu Beginn reichlich in die Irre geführt wird (welcher 11. September ist denn nun gemeint …), gibt es wieder viel und aufschlussreiche Spannung!

Die Maske des Bösen (leider vergriffen)
Zur Zeit nach den Madrider Bombenanschlägen schwappt die antiislamische Hysterie auch nach Sevilla, es kommt zu einem furchtbaren Anschlag, doch wer steckt dahinter? Wieder absolute Hochspannung, aber mit einem lapidaren Schluss!
Das kanns nicht sein …

Andalusisches Requiem (leider vergriffen)
Natürlich nicht – Wilson dreht alle Ereignisse noch einmal um, findet vollkommen neue Einsichten und Lösungen, atemberaubend! Was für Krimis, was für ein Autor! Ein solche verwobene dennoch schlüssige Geschichte mit ihren vielen einzelnen Geschicht'chen, ein solches Niveau an Diskussionen um die Lage in der Welt zwischen Orient und Okzident, zwischen Empire und islamischer, ja generell "Dritter Welt", unglaublich! Und das "im Krimi" eingepackt – unbedingt lesen!

 


Beifang
geb. btb Verlag 2009;
seit 2011btb TB,
464 S., 9,99 €
ISBN 978-3-442-74162-5


Beifang – Ulrich Ritzel

Kommissar Berndorf ist zurück!

Der ausgediente Kriminalbeamte Hans Berndorf bekommt den Auftrag, private Ermittlungen zu dem Mord an einer jungen Frau zu führen, deren Ehemann als anscheinend bereits überführter Täter in Ulm vor Gericht steht. Doch als Berndorf eintrifft, ist sein Auftraggeber – der Verteidiger des Angeklagten – tot, auf dem Hauptbahnhof von einem Güterzug überrollt. Hat er Selbstmord begangen oder ist er vor den Zug gestoßen worden?

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Das ist nicht die einzige Frage, vor der Berndorf steht. Vor seinem Tod war der Anwalt wiederholt in heftige Auseinandersetzungen mit dem Vorsitzenden Richter geraten, weil ein seiner Ansicht nach für das Verfahren entscheidendes Beweisstück spurlos verschwunden ist: ein Schmuck, den die ermordete junge Frau getragen hatte. Dieser Schmuck – eine Goldkette mit einem breiten Ring, auf dem in Miniatur das biblische Motiv des Sündenfalls eingearbeitet war – führt Berndorf weit über seinen ursprünglichen Auftrag hinaus. Er stößt auf allerhand Merkwürdigkeiten - eine davon ist, dass der tote Anwalt und der Vorsitzende Richter entgegen dem Anschein, den sie in der Verhandlung geweckt hatten, seit vielen Jahren gute Bekannte waren.

In dem Dickicht von alltäglichen Verstrickungen, von Lügen und Niedertracht, das Berndorf freizulegen versucht, stößt er schließlich auf das Verbrechen, das vor Jahrzehnten am Anfang von allem stand.

»Ich versuche, etwas über die Zeit und die Gesellschaft zu erzählen, wie ich sie sehe. Schreiben ist immer der Versuch, etwas zu benennen, etwas aufzudecken, etwas zu verstehen.« (U. Ritzel)

Der oben zitierte Klappentext gibt exakt die Ausgangslage wider – Ulrich Ritzel, der schon beim Erscheinen seines Erstlings "Der Schatten des Schwans" den Titel "der deutsche Mankell" bekam,  gelingt es mit viel Gespür, fesselnder und genauer Erzählweise aus einem eher unscheinbaren provinziellen Vorgang ein glaubwürdiges und treffliches Bild der bundesdeutschen Wirklichkeit entstehen zu lassen.

Ein genialer Krimi, spannend und erhellend!

Ulrich Ritzel, Jahrgang 1940, geboren in Pforzheim, verbrachte Kindheit und Jugend auf der Schwäbischen Alb. Er studierte Jura in Tübingen, Berlin und Heidelberg. Danach schrieb er für verschiedene Zeitungen und wurde 1981 mit dem begehrten "Wächter-Preis" ausgezeichnet.

Die bisherigen Romane in der Reihenfolge ihres Erscheinens:
Der Schatten des Schwans
btb TB (band 1), 9,99 €
ISBN 978-3-442-72800-8
Die schwarzen Ränder der Glut /Der Hund des Propheten
2 Romane in einem Band (Bd. 3+4, von 2003, 2004)
btb Verlag (TB), 864 S., 9,00 €
ISBN 978-3-442-73731-4
Uferwald
btb Verlag (TB Bd. 5), 384 S., 9,00 €
ISBN 978-3-442-73667-6
Forellenquintett
btb Verlag (TB Bd. 6), 384 S., 9,00 €
ISBN 978-3-442-73837-3
Halders Ruh
Krimi-Geschichten, btb Verlag (TB), 256 S., 7,00 €
ISBN 978-3-442-73824-3

 


geb., Diogenes 09.2019,
aus d. Englischen von
Stefanie Schäfer,
656 S., 26,00 €,
ISBN 978-3-257-07056-9


Richard Stark

Fragen Sie den Papagei und Keiner rennt für Immer

Richard Stark hat unter verschiedenen Namen publiziert, er gilt als Ikone des roman noir:
Parker ist der durch und durch amoralische Held dieser Romane, er ist der hartgesottene Profi, er scheint keine Gefühle zu kennen, er ist die fleischgewordene coolness. Und Parker ist genial böse: Wie er auf der Flucht dazu kommt, sich den Männern anzuschliessen, die schon halb in Lynchstimmung auf die Suche nach ihm, den Gangster, gehen, das beschreibt Richard Stark so fesselnd, so faszinierend – einen solchen Krimi haben Sie noch nicht gelesen.

Mehr von Richard Stark …

Das Geld war schmutzig

Im dritten und letzten Teil der Triologie befinden sich Parker und seine Freundin in einer Pension in der Nähe der verlassenen Kirche, wo die bei einem Banküberfall erbeuteten Millionen versteckt sind. Die Jagd auf den "zwischengelagerten" Schatz beginnt: Umlagert von einem Großaufgebot der Polizei, verfolgt von diversen zwielichtigen Elementen muss Parker alle Tricks und viel Kaltschnäuzigkeit aufbringen, um den Lohn der mühseligen Arbeit einbringen zu können. Gewohnt schnörkelos, gewohnt spannend, ohne ein Wort zu viel erzählt der soeben verstorbene Richard Stark. Einfach nur: Genial!

Für alle "Parker"-Fans sei darauf verwiesen, dass bei Zsolnay noch weitere Einzelbände mit Parker in der Hauptrolle erschienen sind, zunächst »Das große Gold« …

Keiner rennt für immer
dtv (Band 1) 2011, 8,95 €
ISBN 978-3-423-21266-3

Fragen Sie den Papagei
Zsolnay & dtv (Band 2) - vergriffen

Das Geld war schmutzig
dtv /Band 3), 8,95 €
ISBN 978-3-423-21321-9

Das große Gold
dtv (Band 4), 9,95 €
ISBN 978-3-423-21337-0

Der Gewinner geht leer aus
dtv (Band 5), 9,95 €
ISBN 978-3-423-21382-0

Irgendwann gibt jeder auf
dtv (Band 6), 9,95 €
ISBN 978-3-423-21419-3

Sein letzter Trumpf
dtv (Band 7), 9,95 €
ISBN 978-3-423-21468-1

Verbrechen ist Vertrauenssache
dtv (Band 8), 9,95 €
ISBN 978-3-423-21502-2

The Hunter
dtv (Band 9, der letzte), 9,95 €
ISBN 978-3-423-21737-8

(hn)


geb., Diogenes 09.2019,
aus d. Englischen von
Stefanie Schäfer,
656 S., 26,00 €,
ISBN 978-3-257-07056-9


Für alle Stieg Larsson-Fans

Die Begeisterung über die Romane des so früh verstorbenen schwedischen Schriftstellers wird bis zum 3. Band seiner Geschichte von der skurrilen Hackerin, Lisbeth Salander, und dem Journalisten Mikael Blomkvist anhalten – eine wahrlich überwältigender Polit-Serie!
Und der mit viel Missgunst belastete David Lagercrantz - schwedischer Schriftsteller, der die Serie nach Materialien von Larsson fortgeschrieben hat - schafft es, die Geschichten glaubwürdig und elegant (in den Bänden 4 und 5) fortzuschreiben.

Verblendung (1)
Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. 

Lesen Sie die ganze Buchbesprechung …

Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen.

Verdammnis (2)
Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Vergebung (3)
Mit einer Kugel im Kopf wird Lisbeth Salander in die Notaufnahme eingeliefert. Sie hat den Kampf gegen Alexander Zalatschenko, berüchtigter Drahtzieher mafiöser Machenschaften, ein weiteres Mal knapp überlebt. Aber wird sie gegen den schwedischen Geheimdienst bestehen können, der alle Kräfte mobilisiert, um sie ein für alle Mal mundtot zu machen? Zu groß ist die Gefahr, dass sie die Verbindung zwischen Zalatschenko und  der schwedischen Regierung aufdeckt. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist unter Hoch- druck daran, Salanders Unschuld zu beweisen. Es fehlen nur noch wenige Details, und er wird das Komplott gegen Salander aufdecken. Auch als seine Ermittlungen von höchster Stelle massiv behindert werden, führt Blomkvist seine Arbeit unbeirrt fort. Er weiß genau, dass er nur noch diese eine Chance hat, um Lisbeth Salander zu retten. (hn)

(hn)

Demnächst alle fünf Bände als Taschenbücher lieferbar:
Millennium Trilogie 1-3:
Verblendung / Verdammnis / Vergebung
Verschwörung (Millennium 4), 978-3-453-43874-3
Verfolgung (Millennium 5; erscheint jetzt im Dezember 2018), 978-3-453-43956-6

Heyne TB je 9,99 €, aus d. Schw. v. Wibke Kuhn, 2006-08