Neue Bücher

Wir stellen Ihnen hier eine Auswahl an neuen Büchern vor, die wir spannend, am Puls der Zeit gelegen oder einfach nur gut finden.

Ältere Rezensionen finden Sie unter den nebenstehenden Rubriken oder in unserem Autor*innen-Glossar.


Unsere neueste Bücher-Auslese!


Spector Books 2021
Hg: Anne König
Design: Katrin Erthel
Übers.: Alex Dimitriou
Deutsch/Griechisch
244 S., 20,00 €,
ISBN 978-3-95905-395-2


Deborah Jeromin - Fallschirmseide

Was hat ein Leipziger Kleingartenverein mit der Luftlandeoperation und den Verbrechen der deutschen Wehrmacht auf Kreta zu tun? Deborah Jeromin (die übrigens auch eine Zeit lang in Flensburg gewohnt hat) folgt dem Faden, der beides zusammenführt: einem seidenen.

Und nicht nur diesem einen. Ausgehend von der kriegswichtigen Produktion von Seide für die Fallschirme der Soldaten nimmt sie uns mit auf eine assoziative Reise, die die unterschiedlichsten Themenfelder durchleuchtet, die sich bei genauerer Beschäftigung mit Fallschirmseide auftun können. Dass alles mit allem verwoben ist lässt sich vielleicht nur sehen, wenn so wie hier nicht nur aus einer Perspektive geschaut wird. Das Buch eröffnet Einblicke in die technischen Abläufe der Seidenraupenzucht, betrachtet die gesellschaftlichen und historischen Zusammenhänge aus künstlerisch-ästethischer, philosophischer und immer auch feministischer Perspektive und noch vieles mehr.

 

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Dabei kommen dann auch mal solche Sätze raus: „Der Prozess vom Ei des Maulbeerspinners bis zum Absprung des Fallschirmjägers ist in einer Kontinuität zu sehen. Die Rückwirkung der Kokonerzeugung in den deutschen Kleingärten und in weiteren Produktionsbereichen von Fallschirmseide äußert sich in der Verfestigung von Geschlechterrollen, in der Enteignung der beiden jüdischen Besitzerinnen der Gartenanlage oder auch in der Entscheidung des Seidenzucht-Koordinators, nicht mehr zur Steigerung der Produktion beitragen zu können.“

Aber keine Angst: Insgesamt ist dieses Buch sehr gut lesbar und im Blick auf die großen Zusammenhänge immer wieder auch sehr konkret. Es liefert keine fertige Analyse, sondern stellt die unterschiedlichsten Details und Überlegungen so zusammen, dass es neue Sichtweisen ermöglicht und zum Selber-Denken anregt.

Die schöne Gestaltung mit vielen Bildern, Fußnoten und Dokumenten und der griechisch-deutsch-zweisprachige Text machen die „Fallschirmseide“ zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis.

Deborah Jeromin lebt abwechselnd in Deutschland und Griechenland und liest wahrscheinlich Anfang Juni 2022 in Flensburg und Satrup.

(kw)


Jumbo Neue Medien & Verlag 2022,
282 S., 18,00 €,
ISBN 978-3-8337-4456-3


Ela Meyer – Es war schon immer ziemlich kalt

In der Hamburger WG abhängen und dazu Tocotronic hören, Lassie Singers, Punkrock und drum‘n’ bass. Will ich eine engere Beziehung mit jemandem haben und wenn ja mit wem? Reicht es mir zu jobben oder doch lieber ein regelmäßiges Einkommen? Will ich Kinder kriegen? Was ist, wenn ich eine chronische Krankheit bekomme? Und was wird aus unserer Freundschaft?

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Willkommen im Leben von Insa. Und ihren besten Freunden Hannes und Nico, die sie noch aus der gemeinsam durchgestandenen Jugend in Nordfriesland kennt („kilometerweit graubraune Matsche, bis zum Horizont, ab und an vom Meer unter Wasser gesetzt“).

Bevor es weitergeht fahren die drei erstmal im alten Bus nach Spanien, wo Nico zu seiner Mutter will, die er seit Jahren nicht gesehen hat. Unterwegs nehmen sie die ein oder andere Party in Wohnprojekten mit und von der Straße Pommes, die Hündin mit Dreadlocks.

Eine einfache Geschichte und doch irgendwie die großen Fragen des Lebens.

Ela Meyer schreibt das alles so einfühlsam, flüssig und sympathisch, dass es sich immer mal wieder wie nach hause kommen anfühlt. Was nicht immer angenehm ist.

Den Sound der Zeit trifft sie so gut, dass die playlist, die sie auf Spotify eingestellt hat, eigentlich untrennbar zum Buch dazugehört.

Wir freuen uns auf eine Lesung bei uns im Juli. Die Ankündigung findet ihr hier.

(kw)


Edition Nautilus 3/2022,
248 S., 18,00 €,
ISBN 978-3-96054-284-1


Leonhard F. Seidl – Vom Untergang

Ein Ausflug nach Bayern 1922. Reaktionäre Rechte verbünden sich mit den Nationalsozialisten, begehen Attentate auf Politiker und gewinnen an Einfluss. Gleichzeitig gibt es aber auch noch eine starke linke Bewegung, hier aus Sicht der anarchosyndikalistischen FAUD.

Im Mittelpunkt des neuen Buchs von Leonhard F. Seidl steht eine junge Frau, die mit diesen politischen Sachen eigentlich gar nichts zu tun haben will. Sie möchte lieber herausfinden, wie es mit ihrer Liebesbeziehung weitergehen soll und eine gute Arbeit finden. Dafür verleugnet sie sogar ihren Familiennamen, denn ihr Vater ist der bekannte Anarchist Fritz Oerter (den es tatsächlich gegeben hat, wie vieles in diesem Buch).

 

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Es wird auch jemand ermordet, weshalb auf dem Cover „Kriminalroman“ stehen darf. Dies ist aber keine Wer-war-der-Mörder-Geschichte und auch keine alkoholkranker-Kommissar-findet-geniale-Spur-Roman.

Das eigentliche Thema sind die politischen Fragen. Auf der einen Seite eine Gruppierung um Oswald Spengler, Autor von „Untergang des Abendlandes“. Als Antiquar kann ich die Relevanz dieses Buches leider daran ablesen, in wie vielen Haushalten dieses Buch heute noch steht (gerne in der Nähe von Sarrazin, und auch andere Ansätze der Neuen Rechten beziehen sich darauf). Spengler versucht, zusammen mit Kameraden aus der Wirtschaft und den Freikorps, große Teile der Presse unter Kontrolle zu bekommen. Ziel ist z.B. die Verbreitung der Dolchstoßlegende.

Auf der anderen Seite stehen anarchosyndikalistische Ansätze wie Organisierung und Streik in den Fabriken, die zu dieser Zeit an bestimmten Orten wie Fürth durchaus von Bedeutung waren. (Der Blick darauf scheint mir allerdings sehr deutlich geprägt von der Interpretation des heutigen „Graswurzel-Anarchismus“.)

Seidl schildert diese Persepektive sehr kenntnisreich und eingehend, teilweise sogar in längeren wörtlichen Zitaten. Trotzdem finde ich es sehr gelungen, wie Seidl die Zusammenhänge durch die Romanform erlebbar macht. Es geht um die Menschen. Was denken sie, was fühlen sie, wie ergeht es ihnen in diesen spannungsreichen Zeiten? Was könnten es für Menschen sein, die die beschriebenen Gedanken vertreten und danach gehandelt haben?

Wer sich darauf einlässt wird sich vielleicht wie ich ein wenig dabei gruseln, wie aktuell das alles heute ist. Allein dadurch, dass die Handlung vor ziemlich genau 100 Jahren, also im Jahr ´22 spielt, was vor jedem Abschnitt steht. Erschreckend passend ist auch das vorangestellte Zitat von Oswald Spengler zum Krieg in der Ukraine, der zeitlich mit dem Erscheinen des Buches zusammenfiel:

„Der Pressefeldzug entsteht als die Fortsetzung – oder Vorbereitung – des Krieges mit anderen Mitteln…“

Gerade erschienen ist übrigens auch die von Leonhard F. Seidl herausgegebene (Auto-)Biographie zu Firtz Oerter: Lebenslinien. Mehr dazu direkt beim Verbrecher-Verlag hier

 


geb., Ars Vivendi 3/2022
179 S., 20,00 €,
ISBN 9783747203521


Tommie Goerz –Frenzel

Dies ist der erste Krimi von Tommie Goerz, den ich gelesen habe, und ich muss sagen: ich bin schlichtweg begeistert.

Frenzel ist ein sympathischer Antiheld, der schon als kleiner Junge die Erfahrung machen muss, dass die Polizei nicht sein Freund und Helfer ist. Immer wieder wird er in Situationen katapultiert, die diese Erfahrung wiederholen bis er im Knast landet.

 

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Auch danach wird er nicht in Ruhe gelassen und als sich in seinem Umfeld Todesfälle ereignen über die er anders denkt als der Hüter des Gesetzes, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln: denn vier Leichen sind eindeutig kein Zufall mehr.

Dabei begibt er sich gerne mal auf die andere Seite des Gesetzes, ist aber auch schneller und wendiger als die Polizei und schlägt sie manchmal mit ihren eigenen Waffen. Frenzel hat das Herz am rechten Fleck und versucht für Gerechtigkeit zu sorgen wo die Polizei wegschaut und die Justiz nicht eingreifen kann.

Rasant und unkonventionell geschrieben: ein toller neuer Krimi vom Glauserpreisträger 2021.

Tommie Goerz, Jahrgang 1954, lebt als Schriftsteller in Erlangen. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Reihe um den Nürnberger Kommissar Friedo Behütens. Sein 2020 erschienener Roman „Meier“ wurde mit dem Friedrich Glauser Preis 2021 ausgezeichnet.

(av)


Péridot Verlag 3/2022,
herausgegeben von Stephanie Jacobs und Jacob Hoffmann, 179 S., 16,99 €,
ISBN 9783982285023


Axel Scheffler – Verbriefte Freunschaft

In diesem kleinen Büchlein zeigt sich eine andere Seite des berühmten Illustrators Axel Scheffler, der ein bekennender Briefeschreiber ist.
Es werden 150 illustrierte Briefumschläge aus den letzten 40 Jahren  gezeigt, in denen er mal die Briefmarke in seine Umschlagsgestaltung mit einbezieht, mal die Vorlieben der Adressaten berücksichtigt oder ihnen eine bestimmte Figur zuordnet. 
Natürlich dürfen hierbei auch der Grüffelo und andere bekannte Figuren aus seinen Kinderbüchern sowie ein Pandemie müdes Eichhörnchen oder seine Kritik am Brexit nicht fehlen.
Viele Adressaten wie Rotraut Susannne Berner, Philip Waechter und Anke Kuhl erhalten bunte und tiefgründige Kunstwerke, denen man Schefflers Freude an der freien Gestaltung anmerkt und die sowohl beim kurzen Betrachten als auch genauerem Hinsehen immer wieder Freude bereiten, obwohl einem dabei nicht immer zum Lachen zumute ist.
Ergänzt wird das amüsante Werk mit einem Essay von Tilman Spreckelsen zu Schefflers Werk und   einem Interview mit Axel Scheffler.

(av)


geb., Hanser 02.2022,
366 S., 24,00 €,
ISBN 978-3-446-26914-9


Fatma Aydemir – Dschinns

Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. Sie lebt in Berlin und ist Kolumnistin und Redakteurin bei der taz. Bei Hanser erschien 2017 ihr Debütroman Ellbogen, für den sie den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Franz-Hessel-Preis erhielt. 2019 war sie gemeinsam mit Hengameh Yaghoobifarah Herausgeberin der Anthologie Eure Heimat ist unser Albtraum. Ihr zweiter Roman Dschinns (Hanser, 2022) wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet.

In Dschinns erzählt Fatma Aydemir von den Familiengeistern einer Familie, die durch den plötzlichen Tod des Vaters feststellen, wie fremd sie sich sind.

Hüseyin Yilmaz hat als Arbeitsmigrant 30 Jahre in der Bundesrepublik gearbeitet und sich in den Fabriken kaputt geschuftet. Seine Frau Emine kommt nach ein paar Jahren nach, die Tochter Sevda bleibt in der Osttürkei zurück um sich um die Großeltern zu kümmern. Mit knapp fünfzehn Jahren kommt sie als Analphabetin nach Deutschland, sie muss sich gegen die Ablehnung ihrer Mutter behaupten und hat zwei jüngere Geschwister, die in die Schule gehen. Konnte sie sich in der Türkei noch gegen die Heirat mit einem wesentlich älteren Mann wehren, bleibt ihr hier keine andere Wahl als den erstbesten zu nehmen.

 

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Schon bald versorgt sie die eigene Familie und arbeitet nachts in einer Wäscherei um etwas Geld dazu zu verdienen. Dies geht so lange gut, bis ihre Kinder beinahe bei einem Brandanschlag ums Leben kommen.

Ihr kleiner Bruder Ümit hat Probleme in der Schule und wird beim Fußballspielen gemobbt. Er kann sich nicht vorstellen, jemals in eine große Stadt zu ziehen so wie seine Schwester Peri, die in Frankfurt als einzige in der Familie studiert. Erst als er mit ihr durch Istanbul geht merkt er, dass Anonymität auch Freiheit bedeuten kann und er beginnt zu verstehen, warum sein Vater sich hier diese Wohnung gekauft hat.

Peri wiederum lebt ein freies aber auch einsames Leben in Frankfurt, fühlt sich fremd an der Uni aufgrund ihrer Arbeiterherkunft und dem Migrationshintergrund ihrer Eltern. Diese durften nie von ihrer Liebesbeziehung zu einem Mitschüler wissen und als dieser stirbt kann sie mit niemanden ihre Trauer teilen.

Hakan wiederum, der älteste Sohn der Familie möchte nicht so wie sein Vater werden und schmeißt seine Lehre in der Fabrik hin, um als Autohändler sein eigener Chef zu sein. Dass er damit in illegale Geschäfte verwickelt wird nimmt er in Kauf. Als er vom Tod seines Vaters hört, steigt er augenblicklich in sein Auto und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um noch rechtzeitig zur Beerdigung des Vaters nach Istanbul zu kommen.

Und so sitzen sie dann irgendwann alle zusammen in dieser fremden Wohnung, die sich Hüseyin erst vor kurzem gekauft, für die er so lange gespart und vieles auf sich genommen hat. Die er liebevoll und gemütlich eingerichtet hat, um hier zusammen mit seiner Frau Enime den Lebensabend zu verbringen, nur dass er bei der Ankunft einem Herzinfarkt erlegen ist. Alle fühlen sich in dieser Wohnung merkwürdig beobachtet und unwohl. Durch diese Situation werden sowohl die Gräben zwischen den Generationen aber auch zwischen den Eheleuten und die Isolation in der deutschen Gesellschaft noch einmal deutlich sichtbar.

Im islamischen Glauben ist der Dschinn ein Lebewesen, das gemeinsam mit den Menschen die Welt bevölkert, aber unsichtbar bleibt. Für Fatma Aydema ist die Idee des Dschinns u.a. eine soziale und politische Frage: Welche Geschichten erzählen wir von uns und welche nicht, um in einer Gemeinschaft akzeptiert zu werden?

Der Roman spielt 1999 und erzählt in vielen Wendungen auch die Geschichte in den Jahrzehnten davor. Für Fatma Aydemir sind das auch die Jahre, die in Deutschland von der Allgegenwärtigkeit rechter Gewalt geprägt waren, und in der Türkei von Massakern. Die Strukturen, die sich in den neunziger
Jahren gebildet haben, reichen bis ins Heute. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Hanau und Solingen. Gleichzeitig erlebe sie, wie sie in einem Interview sagt, oft, wie Nostalgie sich auf diese noch nicht ganz durchdigitalisierte Zeit richtet, in der wir alle einander angeblich viel näher waren. „Ich glaube, das ist falsch. Viele Menschen waren vor zwanzig bis dreißig Jahren viel einsamer, als sie es heute wären. Denn es war deutlich schwieriger, Gleichgesinnte zu finden, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Auch darum geht es in Dschinns“. Das gesamte Gespräch ist auf der Seite des Hanser Verlages nachzulesen.

(av)


geb., Gerstenberg 2022,

216 S., 16,00 €,
ISBN 9783836961059

 

ab 14 Jahren


Cornelia Franz – Swing High

Der neue Roman von Cornelia Franz fußt auf Berichten über die Hamburger Swingjugend 1939 bis 1941 und erzählt packend von einem Aufwachsen inmitten des Zweiten Weltkriegs.

Hamburg im Sommer 1939: der 16jährige Henri muß seinen Aufenthalt in England abbrechen und auf Wunsch seiner Eltern nach Deutschland zurückkehren. Die Sorgen seiner Eltern vor einem neuen Weltkrieg teilt er nicht, auch für Politik interessiert er sich nicht: das Einzige, was er im Kopf hat, ist der Swing.

So versuchen er und seine Freunde den immer bedrohlicher werdenden Alltag auszublenden, sie treffen sich im Schwimmbad oder im Park. Dann werden die neuesten Jazzplatten auf dem Grammophon abgespielt und dazu wird abgehottet bis zum Abwinken. Die ausgelassene Lebensfreude der „Swingheinis“ ist den Nazis allerdings bald ein Dorn im Auge und eines Nachts schnappt die Falle zu und Henri findet sich im Dunkeln eines Gestapokellers wieder...

 

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 ...hier lernt Henri einen politischen Gefangenen kennen und es entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden. Beide haben sehr unterschiedliche Lebenseinstellungen und wenig Verständnis füreinander. Dies ändert sich mit der Zeit und das macht für mich einen wesentlichen Teil dieses Jugendromans aus.

„Tanzen gegen den Sturm“ nennt Cornelia Franz im Untertitel ihren neuen Roman.

Am Anfang des Romans habe ich mich gefragt, wie kann Henri in so einer Situation immer nur das Tanzen im Kopf haben und alles andere um sich herum ignorieren? Selbst als seine jüdischen Freunde über Nacht verschwinden, vergisst er dies, als er eines Abends zu einer illegalen Tanzparty geht. Nach und nach und eben durch den Dialog im dunklen Gestapokeller kann ich Henri besser verstehen und auch welchen Affront dieses lässige Lebensgefühl des Swings für die Nazis bedeutete.

Wie Cornelia Franz in ihrem Nachwort schreibt, geriet die Swingjugend ab 1940 in immer mehr Kontrollen und es kam allein im Oktober 1940 bei einer großen Polizeiaktion gegen die Swingjugend zu Verhaftungen von 63 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Die meisten wurden wieder freigelassen, die Verfolgung aber nahm weiter an Fahrt auf.

Cornelia Fran macht in ihrem Buch sehr deutlich, wie sehr sich diese Jugendlichen gegen die tagtägliche manipulierende Propaganda mit ihren verführerischen Angeboten widersetzt haben.

 

(av)


geb., Carl Hanser Verlag 2022, illustriert von Bea Davies,
136 S., 15,- €,
ISBN 9783446272552

ab 6 Jahre


Dita Zipfel, Bea Davies - "Brummps" - sie nannten ihn Ameise

Dita Zipfel erzählt in ihrem neuen Buch von Jonny Ameise, der anders ist als alle anderen Ameisen.

Er liebt stinkige Haufen, passt nicht durch die Ameisengänge und muss deshalb draußen vor dem Ameisenhügel schlafen.

Zum Glück hat er eine Ameisenfreundin namens Butz, die einzige Ameise, die nicht gerne arbeitet.

 

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Trotz aller Bemühungen vom gutgläubigen Jonny wird ihnen das Leben von den anderen Ameisen schwer gemacht, die sich gerne auch mal einen Spaß auf Jonnys Kosten erlauben.

Als dann noch das ansteckende Brummps bei Jonny diagnostiziert wird, ist beiden klar, dass sie verschwinden müssen.

So beginnt eine fantastische Abenteuerreise, die nach und nach deutlich macht, dass das geheimnisvolle Brummps, eine Art innere Vibration, Jonny neue Möglichkeiten eröffnet, die er so nie für möglich gehalten hätte…

Dita Zipfel und der Illustratorin Bea Davies ist eine in Text und Bild harmonisierende Freundschaftsgeschichte der besonderen Art gelungen.

Temporeich in einer lebhaften Sprache mit Slapstik-Elementen, ergänzt durch die Illustrationen, überwiegend in Orange und Blau, schaltet sich dann auch noch hin und wieder eine Ich-Erzählerin in die Geschichte ein, um mit ihren Reflexionen zum Nachdenken und Nachfragen anzuregen.

(av)


kart., Emons, Köln 2021, 447 S., 14,00 €                         ISBN 9783740813260


Paul Kohl - Sie waren nie weg

Auch 6 Jahre nach Kriegsende sind in Westdeutschland noch längst nicht alle Trümmer weggeräumt. Deutschland berappelt sich, ist im Wiederaufbau, die Anfänge des Wirtschaftswunder sind spürbau, das Nachkriegsdeutschland verändert sich. Und trotzdem bleibt da ein dunkler Schleier, denn  in Parteien, Parlamenten, Justiz, Polizei und Presse sitzen erkennbar zahlreich die alten Täter und Mitläufer der Nazidiktatur. Wie fühlt sich eine Jugend in Kiel, Köln oder Opladen an, wo diese Geschichte spielt, in der man erkennen muss, dass der eigene Vater nicht doch so unbescholten ist, wie man vermutet hat - der Heranwachsende Ludwig wird mit der Vergangenheit konfrontiert und spürt, dass er eigentlich nicht wegsehen darf...

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Der Autor und Zeitzeuge Paul Kohl entwirft ein stimmiges, ernüchterndes wie realistisches Sittengemälde der Nachkriegszeit. Die größten Trümmerberge sind abgetragen, die Baulücken werden emsig geschlossen, über die Verbrechen der Vergangenheit wird geschwiegen. Aus historischen Quellen, Erinnerungsfragmenten und fiktiven Elementen entfaltet Kohl einen mitreißenden Entwicklungsroman mit Krimielementen, der die Fünzigerjahre als das Jahrzehnt des großen Verdrängens beschreibt. Im Zentrum des Romans steht der junge Ludwig, der aus Zufall bemerkt, dass mit den verklärenden Heimatfilmen und der Schlagermusik etwas nicht stimmen kann. Er lernt den Verleger Middelhauve kennen, der seine FDP auf Rechtskurs trimmt, prominente Nazis in seine Partei aufnimmt und den nationalsozialistischen Naumann-Kreis unterstützt. Und er lernt die in ihre Heimatstadt zurückgekehrte 18-jährige jüdische Buchhändlerin Luise kennen, die mit ihrem Vater in belgischen KZs gefangen war. Seine Liebe zu Büchern und die zarte Freundschaft mit ihr eröffnet ihm eine andere Sichtweise, er liest Böll, Andersch, Koeppen und Bücher über Widerstand und die Verbrechen der vergangenen Diktatur. Und Ludwig steht gegenüber seinem Vater vor einer nicht einfachen Entscheidung.

Paul Kohl schildert eindrucksvoll die verstörende Kontinuität vom NS-Staat zur jungen Republik im Zeichen des Aufschwungs. Das ist gut und spannend erzählt - und es kann gerade angesichts vielfacher melancholischer bis nostalgischer Unterhaltungsbücher als ein gewichtiges Gegengewicht empfohlen werden!
Über die offenkundigen Schwächen des Werkes - eine mitunter gar zu plakative Darstellung und einige Nachlässigkeiten im Lektorat (das Bikini-Atoll wird in den Nordatlantik verfrachtet, Erich Mende, FDP, wird als strikter Gegner der Ostverträge charakterisiert - allerdings in den Jahren 1951 bis 1956 als von solchen Verträgen bzw. Entspannungspolitiken noch gar keine Rede war, u.ä.) - muss allerdings geduldig hinweggelesen werden.

(hn)


kart., Julia Eisele Verlag, München 2021,
aus d. Englischen von
Bettina Abarbanell,
619 S., 16,00 €,
ISBN 978-3-96161-106-5


Rebecca Makkai - Die Optimisten

"Wir waren die großen Optimisten. Nie war jemand meinem Herzen näher als diejenigen, die den ersten Frühling spürten, als auch ich es tat, und dem Tod ins Gesicht sahen und verschont wurden – und die nun durch den langen, stürmischen Sommer ziehen." Dieses Zitat von Scott F. Fitzgerald ist dem Roman vorangestellt. Rebecca Makkai malt mit „Die Optimisten“ ein authentisches, atmosphärisches Stimmungsbild aus der AIDS-Epidemie in den USA. 

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Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen:

Zum einen in Chicago, 1985. In Boys Town wütet ein Virus, von dem noch niemand weiß, wie es das Leben der Protagonisten verändern und zerstören wird. Einer davon ist Yale, ein junger Kunstexperte, dessen Schicksal wir verfolgen.

Zum anderen in Paris, 2015. Die Schwester eines verstorbenen AIDS-Kranken ist auf der Suche nach ihrer Tochter, die in Paris lebt. Gleichzeitig trifft sie auf alte Weggefährten ihres Bruders und begibt sich auf eine emotionale Reise in die lang verdrängte Vergangenheit.

Die Optimisten ist eine zutiefst bewegende Geschichte darüber, wie Liebe uns retten, aber ebenso vernichten kann, und wie uns traumatische Ereignisse ein Leben lang prägen können, bis Heilung möglich wird.

Ein Lieblingsbuch aus 2020, gut lesbar, mit Charakteren, die zu besten Freunden werden und das mir nach dem Zu-Ende-Lesen gefehlt hat. Es ist seit September als Taschenbuch erhältlich. 

(nm)


geb., Pendragon, Bielefeld 2021, 448 S., 24,00 €        ISBN 978-3-86532-746-8


Florian Knöppler - Kronsnest

Das Dorf und der kleine elterliche Hof in der Elbmarsch ist seine ganze Welt: Der empfindsame Hannes leidet unter seinem gewalttätigen, unberechenbaren Vater und den Schikanen in der Schule. Zuflucht findet er allein in der Natur und in seinen Büchern. Doch Hannes beginnt sich zu wehren und unversehens gerät er dabei in die politischen Spannungen seiner Umwelt. Dabei will er doch eigentlich nur eines - die geheimnisvolle Mara für sich gewinnen, die so ganz anders ist als all die jungen Mädchen im Dorf. Ein anderes Leben, denkt Hannes, ein anderes Leben muss doch möglich sein.

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Florian Knöppler liefert ein atmosphärisch und stilistisch eindrucksvolles Romandebüt. Die weltweite Agrarkrise der Jahre 1927/1928 mit ihren wirtschaftlichen Auswirkungen und die sich andeutende Radikalisierung der Weimarer Politik sind die dunklen Wolken über diesem gleichnamigen holsteinischen Dörfchen nahe Elmshorn an der Krückau, einem Zufluss der Elbe. Wirtschaftlicher Niedergang bestimmt den  arbeitsreichen Alltag der dort lebenden Bauern und Handwerker, wir erleben das aus Sicht einiger Heranwachsender an der Schwelle zum Erwachsenen – allen voran Hannes.  Er ist ein sensibler und intelligenter Junge, gutmütig und hilfsbereit. Nach seinem Hauptschulabschluss muss Hannes – der Vater ist überraschend gestorben – den Hof allein führen. Von der Politik hält er sich fern, obwohl dadurch die Freundschaft mit Thies zerbricht, der sich der Landvolkbewegung anschließt, die sich in Holstein stark ausbreitet und den aufkommenden Nazis zuneigt. Ein anderer Kumpel, Hobe, der als Knecht arbeitet, ist bei den Kommunisten, die sich mit den Braunhemden heftige Straßenschlachten liefern.
Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die seelischen Auswirkungen der sich massiv verändernden Welt:  Freundschaften und Liebschaften unter den jungen Leuten zerbrechen, weil sie dem Druck von außen kaum standhalten können. Die klare, schnörkellose Erzählweise beschert ein spannendes, nachwirkendes Leseerlebnis aus dieser krisenhaften, konflikgeladenen Weimarer Zeit.

(hn)


kart.,Lenos Verlag, Basel 2021,
Übersetzung: Anne Thomas,
208 S., 14,50 €,
ISBN 978-3-85787-823-7


 

 geb., Aufbau Verlag, Berlin 2021, aus dem Englischen von Gesine Schröder, 496 S., 24,00 € ISBN 978-3-351-03857-1


geb., Blessing, München 2020, aus dem Engl. von Ingo Herzke, 254 S., 22,00 €,                           ISBN 978-3-89667-667-2


geb., Blessing, München 2021, aus dem Engl. von Ingo Herzke, 303 S., 24,00 €                       ISBN 978-3-89667-718-1


geb., Blessing, München 2020, aus dem Engl. von Ingo Herzke, 288 S., 22,00 €                       ISBN 978-3-89667-666-5


Indigene Wirklichkeit in Kanada

Kanada war das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Abseits der grossen kanadischen Autor:innen wie Margret Atwood oder Alice Munro schauen wir auf die Schriftsteller:innen der "First Nations", wie sie sich selbst nennen. Und da gibt es einige Schwergewichte zu nennen!

Éric Plamondon - Taqawan

Das ist weit mehr als nur ein Krimi: Plamondon berichtet darin von der Lebenswelt der Mi‘gmaq und den dunklen Seiten der kanadischen Indigenen-Politik. Es ist der 11. Juni 1981. Ein ganz normaler Tag, an dem die Mi‘gmaq, die seit Jahrtausenden vom Lachsfang leben, wieder einmal ihre Netze auswerfen. Und ein ganz besonderer Tag für Océane, denn schließlich ist es ihr 15. Geburtstag. Doch nicht nur aus diesem Grund wird ihr und den anderen Angehörigen der Mi‘gmaq der Tag ins Gedächtnis eingebrannt bleiben: Als Océane mit ihren Schulkameraden mit dem Schulbus Richtung Reservat fährt, stoppt man das Fahrzeug an einer Brücke. Von dort aus können sie beobachten, wie die Polizei in einer brutalen Razzia die Fischernetze beschlagnahmt. Die Fischer nehmen das natürlich nicht widerstandslos hin, viele von ihnen werden verhaftet und es gibt sogar Tote. Doch damit nicht genug: Wenig später wird Océane vom ehemaligen Ranger Ives Leclerc schwer verletzt im Wald aufgefunden, nachdem sie mehrfach von Polizisten vergewaltigt worden war.

Leclerc hat seinen Dienst quittiert hatte, weil er nicht ertragen konnte, wie die First Nation auf ihrem autonomen Stammesgebiet schikaniert werden, möchte dem verletzten und traumatisierten Mädchen helfen. Zusammen mit dem Mi‘gmaq William, der als Einsiedler im Wald lebt, und von Ex-Freundin Caroline, einer desillusionierten jungen Lehrerin aus Frankreich ermitteln die drei und enthüllen ein Netzwerk, bei dem auch die regionale Polizei ihre Hände im Spiel hat…

Die Krimihandlung ist eher nur das "Mittel zum Zweck": Denn der Roman basiert auf den  auf den tatsächlichen Ereignissen des sogenannten „Salmon Raid“ 1981 und vermittelt tiefe Einblicke in die Lebensbedingungen der Mi‘gmaq und ihre jahrtausendealte Kultur. Éric Plamondon, selbst gebürtiger Québecer, verknüpft die Geschichte der Kolonisation im Osten Kanadas mit dem Kampf um kulturelle und politische Eigenständigkeit der „First Nations“, die Kanadas Weiten weitaus früher besiedelten. Dabei nutzt der Autor eine gekonnte Collagen-Technik - er fügt in die durchweg spannende Krimihandlung kleine Essays und Erläuterungen zu ebendieser Geschichte der First Nations und der kanadischen Regierungspolitik ein. Fesselnd, erhellend!

 

Ein besonderes Augenmerk haben 

Louise Erdrich und Richard Wagamese

 verdient - beide Autor:innen sind vielfach ausgezeichnet worden: Erdrich z.B. hat gerade in diesem Jahr für ihren neuen Roman "Der Nachtwächter" den amerikanischen Pulitzer-Preis erhalten.
Wagamese ist in diesem Jahr gestorben - er durfte aber noch erleben, dass nunmehr die Verbrechen an vielen Kindern der First Nations regierungsamtlich eingeräumt und anerkannt wurden:  

Mittlerweile wurden an katholischen Internaten hunderte (!) Gräber von Kindern gefunden, dabei handelt es sich um ein Vorgehen der weissen Regierungen, die jahrzehntelang bis in die Gegenwart indianischen Familien Kinder zur Umerziehung weggenommen haben, um sie in diesen Internaten, "Residential Schools" genannt,  einem Assimilationsprogramm zu unterwerfen.
Richard Wagamese hat darüber den Roman "Der gefrorene Himmel" geschrieben. Weitere bereits auf deutsch erschienene Romane  sind "Das weite Herz des Landes" und "Der Flug des Raben". In all seinen Büchern erzählt er rundum spannende und eindringliche Geschichten und versteht es so nebenbei die heutige Lebenswelt sowie die Kultur und Geschichte der First Nation erlebbar zu machen!

(hn)


geb., Argument/Ariadne 2021,
256 S., 18,00 €,
ISBN 978-3-86754-250-0


Doris Gercke - Die Nacht ist vorgedrungen

In ihrem neuen Buch verknüpt Doris Gercke über 20 Jahre hinweg drei Episoden aus dem Leben der Journalistin Klara Böhm, die entscheidende historische Momente markieren. Es beginnt nach einem kurzen Vorlauf 1989: Zusammen mit dem Fotografen Franz, ihrem Partner und gelegentlichen Liebhaber, beschließt sie, nach Moskau zu reisen, um sich ein eigenes Bild von der kollabierenden Sowjetunion zu machen. Ein windiger Typ namens Kleinert verschafft den beiden die nötigen Visa. Die Reise droht für Franz und Klara ein Reinfall zu werden. Sie haben keine Sprachkenntnisse, keine Ahnung, keine Kontakte. Und es kommt schlimmer: Die beiden Journalisten erhalten Zutritt zu einer vom Burda-Verlag veranstalteten Miss-Wahl. Es ist nicht nur ein Exzess der Frauenfeindlichkeit. Hier werden Frauen den Siegern angeboten, denkt Klara: „Natürlich weiß ich, was mit Frauen im Krieg geschieht. Aber haben wir Krieg?“

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16 Jahre später hat Klara mit ihrem Journalismus Schiffbruch erlitten. Sie überlegt, Hamburg zu verlassen und aufs Land zu ziehen. Dann wird Franz ermordet, der chronisch pleite war und sich auf die dubiosesten Sachen einließ, der aber auch ein genialer Fotograf war und ein hervorragender Rechercheur. Er wird tot an der Alster aufgefunden. Klara muss ihn identifizieren, aber außer ihr scheint sich niemand für den Mord zu interessieren. Die Polizei versucht, den Mord unter den Teppich zu kehren. Klaras Wohnung wird durchsucht. Geheimdienste scheinen involviert, Franz hat zu den Geschäften des Rüstungskonzerns Erbus (!) recherchiert. Der Wirt, in dessen Kneipe sich Franz oft betrunken hat, wird ebenfalls ermordet. Der ermittelnde Kripo-Mann wird aufs Abstellgleis geschoben. Immerhin so viel gesteht er ihr: „Ich kann Ihnen nicht helfen bei der Suche nach den Tätern, die Ihren Freund hingerichtet haben.“ Klara trinkt mit ihm Brüderschaft: Auf die Freundschaft, prostet er ihr zu. „Auf den Verrat“, antwortet sie.
Im dritten Teil ist Klara aufs Land gezogen. Geflüchtet. Sie schreibt jetzt Romane und Reisereportagen. Die Geheimdienste firmieren bei ihr nur noch als „die Guten“, seit sie in einer Anzeige des Verfassungsschutzes die Stellenbeschreibung „Im Verborgenen Gutes tun!“ gelesen hat. Aber, fragt sie sich, hilft es, die Orte zu meiden, an denen Gute Gutes tun?
Es gibt irritierende Momente in diesem Krimi, die sind aber Programm: Gercke verzichtet auf kriminalistischen Schnickschnack, sie erzählt von Verbrechen, für die es politische Verantwortlichkeiten gibt und vor denen die Gesellschaft ihre Augen verschließt. 
Das ist gut und klug geschrieben - das ist aber auch crime noir: Gercke ist unversöhnlich, es gibt keine Nachsicht, keine Siege. Aber auch keine Resignation - das ist doch schon 'mal 'was! Wenn die Nacht vorgedrungen ist, heißt es in dem Choral, der dem Buch den Titel gab, dann ist der Tag nicht mehr fern.

Ihren ersten Roman schrieb Doris Gercke 1987, in ihrem zweiten Roman ließ sie ihre Heldin Bella Block mutwillig zwei Vergewaltiger töten. Inzwischen hat Gercke siebzehn Bella-Block-Romane verfasst, die mit Hannelore Hoger verfilmt wurden, und ein Dutzend weiterer Werke. Sie ist 84 Jahre alt und hat nichts von ihrer Kompromisslosigkeit und ihrem Zorn verloren. Die Chronistin deutscher Zustände schreibt in einer nüchternen Prosa, die ans Spröde grenzt.
Eine Empfehlung.

(ma/hn)


geb., Hanser 2021, 
Übersetzung: Nikolaus Stingl (Flensburg!),
380 S., 25,00 €,
ISBN 978-3-446-27090-9


Colson Whitehead - Harlem Shuffle

Sommer 1959, ein klassischer Auftakt: „Für den Raubüberfall holte ihn sein Cousin Freddie eines heißen Abends Anfang Juni ins Boot“: So beginnt „Harlem Shuffle“, der neue Roman von Colson Whitehead.  Im Hotel Theresa soll der Coup über die Bühne gehen, das tatsächlich existiert hat und in dem afroamerikanische Musik- und Sportlegenden wie Louis Armstrong oder Sugar Ray Robinson logierten – weil sie im Amerika der Rassentrennung nicht in Hotels übernachten durften, in denen auch Weiße abstiegen. 

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Jener Freddie ist ein liebenswerter Aufschneider,  Carney ist Besitzer eines aufstrebenden Möbelladens im New Yorker Stadtteil Harlem – ein großer Erfolg für den jungen Mann, der sich zielstrebig nach oben gearbeitet hat. Seit Kurzem ist er verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Mit Freddies Geschäften will er eigentlich nichts mehr zu tun haben, lässt sich aber doch überreden - mit Folgen.

„Harlem Shuffle“ ist ein fesselnder gradliniger Krimi, ein bisschen überraschend für Colson Whitehead, schließlich ist der 51-Jährige ein mehrfach preisgekrönter Autor und hat die wichtigsten US-Literaturauszeichnungen erhalten, den Pulitzerpreis sogar zweimal. Seine  bisherigen Titel waren eher kunstvoll arrangiert, teilweise mit fantastischen Elementen. Das ist in „Harlem Shuffle“ überhaupt nicht der Fall. Dafür erzählt er spannend, zuweilen nicht gerade zimperlich - und ist wie jeder gute Krimi auch ein Gesellschaftsroman: Man erfährt von den Zuständen in Harlem, von allgegenwärtigem Rassismus, von dem Erstarken der Bürgerrechtsbewegung und den Harlem Riots des Sommer 1964. Die Aufstände begannen, nachdem ein 15-Jähriger von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Wenn das nicht an das Amerika von heute erinnert ...
Whitehead hat einen sehr scharfen Blick für Unterschiede – vor allem für Klassenunterschiede – auch innerhalb der schwarzen Bevölkerung. Ein geniales Werk.
Den Wünschen des Autors entsprechend wurde die Sprache Amerikas in den Fünfziger- und Sechzigerjahren historisch getreu wiedergegeben.

(hn)


kart., Orlanda 2021,
aus dem Englischen von Ilija Trojanow,
262 S., 22,00 €,
ISBN 978-3-944666-60-0


kart., Orlanda 2021,
aus dem Englischen von Anette Grube,
271 S., 24,00 €,
ISBN 978-3-944666-87-7


Tsitsi Dangarembga - Überleben

Der Friedenspreis des dt. Buchhandels ging in diesem Jahr an Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe. Auf Deutsch ist jüngst ihr Roman „Überleben“ erschienen, der letzte Teil einer Trilogie. Der erste Band "Aufbrechen" ist ebenfalls lieferbar, der 2., mittlere Band wird im Herbst 2022 erscheinen.

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Tambudzai Sigauke lebt in einer Welt, in der Männer mehr wert sind als Frauen – doch sie träumt davon, dass dieser Zustand nicht in Stein gemeißelt ist. Doch sowohl Sexismus als auch Kolonialismus ziehen und zerren an ihrem Selbstwertgefühl. Sie ist gebildet, sie denkt modern, aber sie lebt in alten Strukturen. In "Überleben" wohnt Tambudzai Sigauke in einem heruntergekommenen Wohnheim für Frauen. Immer wieder wird sie gedemütigt, immer wieder steht sie wieder auf. Dieses Romanwerk ist so grandios wie herausfordernd, in beiden Fällen haben die Übersetzer:innen Grosses geleistet.

(hn)


geb., S. Fischer 2021,
428 S., 24,00 €,
ISBN 978-3-10-397101-9


Antje Ravik Strubel - Blaue Frau

"Man hat ohnehin schon das Problem der Scham und des Schuldgefühls, wenn einem so etwas widerfährt. Überhaupt diese Schwelle zu überwinden, davon zu erzählen. Und dann wird man noch damit konfrontiert, dass einem der Vorwurf der Lüge gemacht wird. Das ist eine sehr heikle Situation", erklärte die in Potsdam lebende Autorin Antje Ravik Strubel über die gedankliche Vorgeschichte ihres neuen Romans, in dem Traumabewältigung eine zentrale Rolle spielt.

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Die Betroffene flieht vor der Tat, sie flieht vor dem Ort, letztlich flieht sie auch vor sich selbst. Das Zu-sich-selbst-kommen wird auf spartanische Weise reduziert. Strubel zeichnet ein verstörendes Bild aus Andeutungen, Ahnungen, Angststörungen, manischem Misstrauen und Panikattacken. In einer übergeordneten Handlungsebene taucht zudem die titelgebende „blaue Frau“ auf, eine Art höhere moralische Instanz, ein klug kommunzierender Geist. „Du darfst alles, aber rechne nicht mit mir“, erklärt die blaue Frau, die ihrerseits tiefgehende Reflexionen über den Schreibprozess anstellt. Die Bewältigung dieser Traumata ist somit das zentrale Thema des aufwühlenden und im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehenden Romans, geschrieben in einer hocheleganten, präzisen Sprache.
Wer ihre Dankesrede am Vorabend der Buchmesse gehört hat weiss, sie redet auch druckreif  - einfach beeindruckend!

(hn)


geb., mareverlag 10.2021,
aus d. Schwedischen von
Karl-Ludwig Wetzig und Stefan Pluschkat,
874 S., 28,00 €,
ISBN 978-3-86648-661-4


Lydia Sandgren - Gesammelte Werke

Der Göteborger Verleger Martin Berg steckt in einer Krise: seine beiden Kinder Rakel und Elis sind dabei, erwachsen zu werden, die Verlagsgeschäfte stocken und sein eigenes großes Romanprojekt liegt unvollendet in der Schublade. Seine langjährige und intensive Freundschaft zu dem gefeierten Künstler Gustav Becker gestaltet sich von jeher schwierig und scheint nun endgültig erkaltet zu sein.

Allerdings wird gerade eine große Retrospektive von Gustav Becker in Göteborg vorbereitet und auf dem Plakat für die Ausstellung erscheint das Porträt von Cecilia, Martins vor Jahren spurlos verschwundener Frau.

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Dadurch fühlt sich die 20jährige Psychologiestudentin Rakel veranlasst, sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter zu machen, die plötzlich aus ihrem Leben verschwand ohne sich je wieder zu melden; und sie beginnt damit, die Schatten der Vergangenheit zu vertreiben.

Währenddessen versinkt ihr Vater in den Erinnerungen an seine Studienzeit in der Göteborger Intellektuellenszene und Pariser Bohème der 80er Jahre und resümiert, wie die Begegnung mit Gustav seine Schulzeit und sein Leben an sich veränderte.

Zehn Jahre hat Lydia Sandgren für ihren wunderbaren Roman gebraucht: feinfühlig, klug und intensiv erzählt sie von einer besonderen Freundschaft und einer besonderen Liebe.

Gespickt mit Anspielungen auf die Literatur ist ihr eine Hommage an das Lesen, die Sprache und an die Kultur gelungen.

Ein toller inspirierender Wälzer, aus dessen Sog man sich nicht befreien kann und möchte...auch hat mir gut gefallen, wie die Autorin es schafft, den Sound der 70er und 80er Jahre in den Rückblenden von Martin Berg einzufangen.

(av)


geb., woow books Verlag 9/2021. Außer Kate Allen haben an diesem kleinen Meisterwerk Xingye Jin als Illustrator mitgewirkt und aus dem amerikanischen Englisch übersetzt hat es Meritxell Piel. 
459 S., 18,00 €,
ISBN 978-3-96177-096-0


Kate Allen - Tage der Mondschnecke

Lucy und Fred wohnen in einem kleinen Touristenort am Meer. Es sind Sommerferien und die beiden arbeiten zusammen an einem Naturführer für die Schule. Allerdings dürfen sie nur Tiere beschreiben und zeichnen, die sie mit eigenen Augen zu sehen bekommen haben.

Als eines Tages ein weißer Hai angespült wird, ist die Aufregung natürlich groß und wird noch viel größer, als er in der darauf folgenden Nacht auf unerklärliche Weise wieder verschwindet.


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Wie gut, dass Lucy ihn am Abend vorher noch gezeichnet hat. Doch wie konnte es überhaupt passieren, dass der Hai an den Strand gespült wurde? Je mehr sich Lucy und Fred für den Hai interessierten, um so faszinierender finden sie die Tiere.

Bis dahin hat Lucy sich nie besonders für Naturwissenschaft interessiert, ihre Leidenschaft gehört dem Zeichnen, doch dieses Projekt bietet für sie eine Möglichkeit, sich mit dem Tod ihrer Mutter auseinanderzusetzen, die eine leidenschaftliche Biologin war.

Kate Allen erzählt einfühlsam eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, ergänzt durch wunderschöne Illustrationen und ein Zitat von Rachel Carson am Anfang entführt das Buch zusätzlich in eine Welt der Natur, in der es so viele große und kleine Wunder zu entdecken gibt.

(av)


geb., Gerstenberg 09.2021,
ab 4 Jahren,
32 S., 18,00 €,
ISBN 978-3-8369-5650-5


Uta Krause – Nora und der große Bär

An langen Winterabenden sitzen die Leute aus dem Dorf zusammen und erzählen sich Geschichten. Manchmal erzählen sie von dem Großen Bären und dann werden alle ganz ehrfürchtig und still. Nora ist neugierig geworden und möchte gerne im Herbst mit in den Wald ziehen, um den Großen Bären zu finden. 

Lesen Sie die ganze Buchbesprechung … Die beste Bärenjägerin möchte sie werden und zu klein findet sie sich auch überhaupt nicht dafür! Also bricht sie zu gegebener Zeit mit in den Wald auf und begegnet als Einzige dem Großen Bären, doch dieses Zusammentreffen verläuft ganz anders als erwartet…1990 stand Ute Krause mit dieser 1989 erschienen Bilderbuchgeschichte um die eigensinnige Nora auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Nun hat sie diese für den Gerstenberg Verlag (wieder mit wunderbaren Bildern) vollständig neu illustriert und lädt uns damit ein, in einen magischen Winterwald einzutauchen.

 

(av)

 


geb., Kampa 2021,
aus d. amerikanischen Englisch von
Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger,
368 S., 22,00 €,
ISBN 978 3 311 12026 1


Laura Lippman – Wenn niemand nach dir sucht

Baltimore in den 1960er Jahren: Cleo Sherwood ist bereits seit acht Monaten verschwunden, doch außer ihrer Familie interessiert sich niemand für den Vorfall.

Für die Polizei und die weiße Bevölkerung ist es „normal“, dass schwarze Menschen verschwinden.

Nur Madeline Schwartz, die seit kurzem als Redaktionsassistentin beim „Baltimore Star“ arbeitet, wittert aus Ehrgeiz eine Story, von der sie sich einen Durchbruch für ihre Karriere erhofft und beginnt mit der Recherche.

Überall stößt sie auf Widerstand, doch sie lässt sich nicht beirren und versucht weiter Licht in eine Geschichte zu bringen, die ihr nur Ärger einhandelt.

 

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Denn Madeline Schwartz ist dabei, sich ein neues Leben aufzubauen, indem sie mit Ende Dreißig die Scheidung einreicht, um ihrem Leben als gutsituierte jüdische Hausfrau zu entkommen. Etwas naiv aber auch mit Berechnung und immer mehr Selbstvertrauen versucht sie sich in ihrem neuen Alltag zurecht zu finden.

Dabei ist sie nicht immer Sympathieträgerin, doch ihre eingestreuten ehrlichen Selbstreflexionen zeigen die vielen Facetten ihrer Person auf, und dies macht sie glaubwürdig.

Auch ist sie nicht die alleinige Hauptfigur, denn Laura Lippman lässt die Menschen, denen Madeline begegnet, zu Wort kommen und ihre Sicht auf die Dinge erzählen.

Laura Lippman ist selbst Journalistin, sie wurde 1959 in Atlanta, Georgia geboren und ist in Baltimore aufgewachsen. Bekannt wurde sie durch ihre Krimis, mit der Privatdetektivin Tess Monaghan als Hauptfigur.

In ihrem Krimi „Wenn niemand nach dir sucht“ beschreibt sie Themen wie Sexismus und Rassismus, sie beschreibt wie Frauen in den 1960er Jahren zu sein hatten, und wie sie versuchen aus diesen Frauenrollen und Bildern auszubrechen.

(av)


Gebunden, Piper Verlag 2021,
246 S., 22,00 €,
ISBN 978-3-492-07068-3


Edgar Rai – Ascona

In seinem neuesten Roman „Ascona“ erzählt Edgar Rai vom Exil des Schriftstellers Erich Maria Remarque.

 

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Anfang 1933 muss Remarque, der mit seinem Anti-Kriegsroman „Im Westen nichts Neues“ Bestsellerautor der Weimarer Republik ist, nach der Ernennung von Hitler zum Reichskanzler über Nacht aus Berlin fliehen.

Er fährt ins Tessin, wo er sich zwei Jahre zuvor bereits eine Villa in der Nähe von Ascona am Lago Maggiore gekauft hat. Dies erleichtert seine Flucht im Gegensatz zu den meisten Intellektuellen, die auf der Verhaftungsliste der Nazis stehen. Im Gepäck hat er sein neuestes Buch, das er aber noch nicht bereit ist, aus der Hand zu geben.

Nach und nach treffen immer mehr Exilanten in Ascona ein. Regelmäßiger Treffpunkt ist das zentrale Café Verbano in der Via Borgo, in dem über die neuesten Entwicklungen in Deutschland gesprochen, Neuankömmlinge wie Else Lasker-Schüler, Ernst Toller oder Otto Braun begrüßt und sich über das Schreiben ausgetauscht wird. Von hier aus beobachtet er, recht luxeriös lebend, ohnmächtig das Geschehen in Deutschland: „Im Westen nichts Neues“, von US Amerikanern erfolgreich verfilmt und von Nazi Deutschland erbittert bekämpft, wird Teil der Bücherverbrennung, er selbst wird ausgebürgert, in Spanien übernimmt Franco die Macht.

Während Remarque sich weiterhin mit seinem neuen Roman “Drei Kameraden“ auseinandersetzt, der eigentlich längst fertig gestellt ist, aber durch die aktuellen politischen Ereignisse überholt wird, nagen an ihm große Selbstzweifel und die Angst vor der totalen Bedeutungslosigkeit. Diese Selbstzweifel sind so groß, dass sie den radikalen Pazifisten zu einem explosiven, verletzenden Menschen werden lassen, der aber ebenso den großen Wert der Freundschaft schätzt und seine Ex-Frau Jutta zum zweiten Mal heiratet, um sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Denn selbst die schweizerische Idylle trügt und die Angst vor der Fremdenpolizei wächst. Halt findet Remarque in der Gemeinschaft der Exilanten, die sein Schicksal teilt. Doch so schnell wie die Exil-Gemeinde wächst, schrumpft sie später wieder, weil viele in anderen Ländern ihr Glück versuchen müssen.

Rai beschreibt einen Schriftsteller, der haltlos und depressiv ist und immer wieder neue Affären mit Frauen sucht bis er auf einer Reise nach Venedig auf Marlene Dietrich trifft und dieser rettungslos verfällt. Glücklich macht ihn Marlene Dietrich zwar nicht, aber sie sorgt letztlich dafür, dass Remarque in Richtung USA emigriert. 

Ich finde, Edgar Rai ist ein sehr guter Tatsachenroman gelungen, der neugierig auf die Tagebücher von Erich Maria Remarque macht, die die Grundlage zu diesem Buch zum größten Teil bilden.

(av)

 

 


gebunden, Klett Kinderbuch 2021,
aus d. Norwegischen von
Katharina Erben,
256 S., 18,00 €,
ISBN 978-3-95470-253-4

ab 10 Jahre


Nora Dåsnes – Regenbogentage

Nora Dåsnes ist eine einfühlsame Graphic Novel über Freundschaft und erste Verliebtheit gelungen: Tova schreibt in ihr Tagebuch: es ist zwar schade, dass die Sommerferien vorbei sind, aber sie freut sich auch schon darauf, ihre beiden Freundinnen Bao und Linnéa wiederzusehen!

Seit dem letzten Jahr müssen sie nicht mehr auf dem Schulhof bleiben, sondern können in dem benachbarten Wald spielen und Hütten bauen.

Außerdem sind ihre Vorsätze für die siebte Klasse, sich einen coolen Style zuzulegen und auf einem Übernachtungsgeburtstag ganz lange aufzubleiben.


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Doch der erste Schultag beginnt anders als erwartet. Es ist eine seltsame Stimmung in der Schule, die Tova nicht versteht.

Und ehe sie sich versieht muss man sich entscheiden: Gehört sie zu den Mädchendiesichverlieben, die Latte Macchiato trinken und shoppen gehen, oder zu den MädchendiesichNICHTverlieben, die Schlabber-T-Shirts tragen und allen Mädchenkram peinlich finden?

Und was für Tova besonders schwierig ist: Linnéa steht auf der einen und Bao auf der anderen Seite und sie selbst befindet sich irgendwie dazwischen.

Als sie sich dann selbst verliebt ist das Chaos perfekt…

Es bringt sehr viel Spaß, diese farbenfrohe Graphic Novel zu lesen, die alle wichtigen Fragen des Heranwachsens thematisiert.

(av)

 

 


gebunden, Peter Hammer Verlag 2021,
136 S., 14,00 €,
ISBN 978-3-7795-0666-9


Karin Koch – Wieke & Ken

Die Ferien stehen vor der Tür und Wieke soll mit ihrem Vater und dessen neuer Freundin Xandra zusammen in ein italienisches Bergdorf fahren.

Wozu sie, seit klar ist, dass ihr kleiner Bruder nicht mitkommen kann, noch weniger Lust hat als zuvor.

Auch Ken, für den Xandra die Vormundschaft übernommen hat und der stattdessen mitfährt, hat wenig Lust auf diese Fahrt.

Lieber wäre er bei seinem Freund in der Flüchtlingsunterkunft geblieben.

 

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Er verschanzt sich unter seinen Kopfhörern vor Wiekes Abneigung und der übertriebenen Fürsorge von Xandra. Sehr schnell wird deutlich, dass es nur sehr schlechten Handyempfang in dem abgelegenen Dorf gibt und bald ist es zu Kens Hauptbeschäftigung geworden, durch den Ort zu laufen auf der Suche nach dem besten Handyempfang.

Denn nichts ist ihm so wichtig wie der Kontakt zu seiner Mutter, die in Nigeria zurückgeblieben ist. Dass er dabei Argwohn auslöst ist ihm zwar nicht neu, als er aber von Wieke des Diebstahls bezichtigt wird, wird es ihm zu viel und er haut ab.

Karin Koch erzählt ihre Geschichte immer im Wechsel jeweils aus der Perspektive von Wieke und Ken. Sie schafft es so, sehr einfühlsam das Kennenlernen der beiden Kinder zu schildern und unaufdringlich Patchwork-Probleme und Vorurteile gegenüber Flüchtlingen in einer spannenden Feriengeschichte zu thematisieren.

(av)


Gebunden, Piper Verlag 2021,
327 S., 22,00 €,
ISBN 978-3-492-05856-8


Mareike Krügel: „Schwester“

Iulia ist Bankkauffrau und seit Jahren mit einem Pastor verheiratet.

Der gemeinsame Sohn schmiedet seine ersten Zukunftspläne fern ab der kleinen Gemeinde, in der jeder jeden kennt und alles beobachtet und kommentiert wird.


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Als Pastorenfrau steht Iulia besonders im Brennpunkt der „Schäfchen“ : natürlich ist es kein Muss für sie in den Gottesdiensten am Sonntag in der ersten Reihen zu sitzen, würde sie dies aber nicht tun, wäre das ein grober Verstoß gegen das unausgesprochene Regelwerk über die Pflichten einer Pastorenfrau.

Iulia liebt Zahlen, sie geben ihr Sicherheit und die Bankfiliale in der sie arbeitet ist ihr eigentliches Zuhause.

Nach einem Gottesdienst erhält sie einen Anruf, dass ihre Schwester Lone nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus liegt.

Lone ist nicht ansprechbar und Iulia begibt sich in deren Wohnung, um ein paar Sachen für sie zu holen.

Da es ihr schwer fällt, Lone im Krankenhaus zu besuchen, hält sie sich so oft wie möglich in deren Wohnung auf.

Einerseits um ihr nahe zu sein, denn viel zu lange schon haben sie nicht mehr richtig miteinander geredet, anderseits um mehr über das Leben ihrer Schwester zu erfahren und zu verstehen, was diese nachts auf die Strasse und somit zu dem Unfall geführt hat.

Nach und nach schlüpft Iulia immer mehr in Lones Rolle und besucht die Frauen, die diese als Hebamme betreut hat.

Diese Begegnungen und die Beschäftigung mit der gemeinsamen Vergangenheit fordern Iulia heraus, den eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen und erst zaghaft, dann aber immer entschlossener die eigenen starren Strukturen zu verlassen.

Mir hat das Buch von Mareike Krügel gut gefallen, weil sie neben der Familiengeschichte sehr gekonnt die offenen aber auch verdeckten Machtstrukturen zwischen Männern und Frauen im Alltag darstellt.

Diese beschreibt sie gekonnt und sehr atmosphärisch.

Außerdem wird sozialkritisch beschrieben, welche Auswirkungen die Privatisierung des Gesundheitswesens auf die Selbstbestimmung von schwangeren Frauen hat.

Mareike Krügel ist ein spannender abwechslungsreicher Roman gelungen, der gut als Sommerlektüre geeignet ist aber auch zum Nachdenken anregt.

(av)

Gebunden, Diogenes, 2021, 342 Seiten


Benedict Wells – Hard Land

„In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb.“ Mit dieser Quintessenz der eröffnet Benedict Wells seinen neuen Roman.

Wir schreiben das Jahr 1985 und befinden uns in Grady, Missouri. Sam ist 15 Jahre alt, schüchtern und mit wenig Selbstbewusstsein ausgestattet. Die Ferien stehen vor der Tür und seine Eltern wollen, dass er den Sommer bei seinen rabaukigen Cousins in Kansas verbringt. Sams Ausweg: Er sucht sich einen Ferienjob im Kino Metropolis, dass in seine letzte Spielzeit startet.

Für Sam eröffnet sich ein neuer Lebensabschnitt. Denn im Kino jobben Cammeron, Hightower und Kirstie, in die sich Sam augenblicklich verliebt. Die drei sind älter als Sam und werden die Kleinstadt im mittleren Westen (Eigenwerbung: „Entdecke die 49 Geheimnisse“) am Ende des Sommers verlassen. Weil Sams krebserkrankte Mom den örtlichen Buchladen betreibt, in dem Kirstie Stammkundin ist, nehmen die drei Sam in ihren erlesenen Kreis der Außenseiter*innen auf.  Die vier freunden sich an. Für Sam beginnt der turbulenteste Sommer seines jungen Lebens.

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In „Hard Land“ passiert, was gemeinhin zu passieren hat, wenn ein junger Mensch auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Vieles ist mit dem Adjektiv „erste“ zu versehen: Liebe, Partys, Abschiede, Räusche, Versprechen, kleine Fluchten. Das Ganze ist garniert mit einer Playlist der 19achtziger, zitiert Filmklassiker und erweist Blockbustern wie “Zurück in die Zukunft“, dieses heute betulich konservativ anmutenden Zeitabschnitts eine Referenz. Wobei es die Stimmung und Archetypen in „The Breakfast Club“ gewesen sein dürften, die Benedict Wells inspiriert haben.   

Das ist alles also nicht neu und schon viele Male von Autor*innen verhandelt worden. Doch obwohl alles vorhersehbar und mitunter arg harmoniesüchtig ist (nur eine Nebenfigur weist keinen allzu guten Kern auf) ist die Form in der Wells das Coming-of-Age seines jugendlichen Protagonisten schildert allemal lesenswert. Es gelingt Wells mit traumwandlerischer Sicherheit die Intensität dieses besonderen Lebensabschnitts zu bannen. Es lohnt sich einen Sommer in Grady zu verbringen um am Ende sogar eines der großen Geheimnisse als gelöst betrachten zu können.

Fünf Jahre nach dem Bestseller „Vom Ende der Einsamkeit“ hat der deutschsprachige Schriftsteller Benedict Wells seinen fünften Roman vorgelegt. Es zeugt von seiner literarischen Souveränität, dass er - selbst Jahrgang 1984 - hierfür ein Sujet mit so geringem Neuigkeitswert ausgewählt hat.

(jm)

aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer, Heike Reissig und Tobias Rothenbücher.

Hardcover Leinen, 896 S., ISBN 978-3-257-07127-6, erschienen im Diogenes Verlag für 28.00 €


Maria Popova – Findungen

1985 wird Maria Popova in Bulgarien geboren. Sie wächst dort, umgeben von Musik und Mathematik, auf.

Später entschließt sie sich zu einem Studium der Geisteswissenschaften in den USA.

U.a. erhofft sie sich von diesem Studium Antworten auf die, sie schon früh umtreibende, Frage:

„Wie lebt man ein gutes Leben?“

Sie liest neben ihrem Studium alles, was sie in die Hände bekommt und fängt an, ihre literarischen und künstlerischen Abenteuer mit Arbeitskollegen zu teilen.

So wird 2006 die Onlineplattform „Brain Picking“ geboren.

Was zunächst als einfache e-mail an Freunde begann und später als schlichte Website von ihr aufgebaut wurde, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer täglich aktualisierten website, einem twitter Feed und einem wöchentlichen newsletter, der von 1 Million Menschen weltweit gelesen wird.

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In ihrem Buch „Findungen“ erkundet Maria Popova Lebensgeschichten aus vier Jahrhunderten, die miteinander verwoben sind. Sie beginnt bei dem Astronomen Johannes Kepler und endet bei der Meeresbiologin Rachel Carson, deren Werk als Katalysator für die heutige Umweltbewegung gilt.

Maria Popova porträtiert Menschen, deren Beitrag in Wissenschaft und Kultur die Wahrnehmung und Wertschätzung der Welt für immer verändert hat. Darunter befinden sich die beispielsweise die Astronomin Maria Mitchell und die Bildhauerin Harriet Hosmer. Sie haben Frauen den Weg in die Wissenschaft und die Kunst geebnet. Basierend auf diesen Lebensgeschichten versucht Maria Popova die großen Fragen der Gegenwart zu beantworten. Wie kann man eine Gesellschaft nachhaltig verändern und was macht persönliches Glück aus?

Durch ihre poetische Sprache und mit erfrischend persönlichem Erkenntnishunger schenkt sie uns ein wundersames Buch voller lebenskluger Gedanken.

(A.)

Pendo Verlag, 444 Seiten,
16,- € ISBN 9783866124929, 2020, aus dem kanadischen Englisch von Leena Flegler


Ein neuer Krimi:

 

Thomas King – Dunkle Wolken über Alberta

Eigentlich hat sich der indigine Ex-Polizist Thumps DreadfulWater  in das ruhige Örtchen Chinook nahe der Grenze zwischen Kanada und den USA zurückgezogen, um dort als Naturphotograph seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Als der amtierende Sheriff Hockney zu einem Antiterrorgipfel nach Costa Rica fliegen soll, bittet er Thumps ihn kommissarisch zu vertreten.

Thumps ist nicht besonders begeistert von dieser Idee.

Doch als es zu zwei Mordfällen an den Hauptakteuren der bevorstehenden Wasserkonferenz kommt, wird er immer mehr in die Ermittlungen hineingezogen.

Mal agiert er als Privatperson, mal als kommissarischer Sheriff, je nachdem, wie es ihm gerade in den Kram passt.

Unterstützt wird er dabei von seinen, vorübergehend ernannten, Deputys Moses und dem immer hungrigen Cooley.

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Das Örtchen Chinook wird von einer Menge besonderer Charaktere wie der Ärztin Beth Mooney, die auch als Leichenbeschauerin arbeitet und Archie, dem kleinen Griechen, den Thumps einen staatsbürgerlichen Dynamo nennt, bevölkert.

Archie hat mit seinem Enthausiasmus die alte Bibliothek des Ortes gerettet und in eine gemütliche Buchhandlung verwandelt von der aus er diverse politische Aktionen organisiert.

Da er auch die Wasserkonferenz mit organisiert hat und es u.a. um die Rechte der indiginen Bevölkerung an den Bohrungen geht, wird Archie unfreiwillig zu einer Schlüsselperson in den Mordfällen.

Neben den originellen Figuren besticht der Krimi durch seine klugen wie witzigen Dialoge und den besonderen Blickwinkel Thumps auf die Welt.

Thomas King ist ein indianischer Autor, der sowohl die amerikanische als auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt und die Grenze zwischen beiden Ländern als willkürlich betrachtet.

Er unterrichtete als Professor für englische Literatur an diversen Universitäten u.a. „indianische Literatur“ und „kreatives Schreiben“ und war als Professor für Native Studiesan der Universität Lethbridge (Alberta) tätig.

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und  Universitätsprofessor gestaltetet er zusammen mit seinen beiden Mitstreiter*innen Edna Rain und Floyd Favel Starr eine Radiosendung, die in einem fiktiven Café , dem Dead Dog Café, in einer fiktiven Stadt in Alberta spielt.

Inhalt der Sendung war eine Mischung aus humorvollen Kommentaren und ernsthafter Kritik des Staates Kananda an den indianischen Einwohnern.

(A.)

 

 

Kinder- und Jugend-Abteilung

Oetinger Taschenbuch 2020,

ISBN 978-3-8415-0613-9 12,00 €, ab 13 Jahre


Anja Ukpai – Meridian Princess: Die Clockmakers Academy

Es ist kalt in Schottland.

Die Sommerferien stehen vor der Tür und die fast fünfzehnjährige Jade verlässt das Internat St. Creakles, ein verwinkeltes Gebäude mit spitzen Türmen.

Sie ist mal wieder die Letzte, die die Schule verlässt und nur noch Mr. Darwey, der Bibliothekar ist bei ihr, um sie zur Bushaltestelle zu begleiten.

Sie muss nach Graham Hill zu Lady Graham fahren, der Frau ihres Ziehvaters, die nur wenig erbaut von Jades Besuchen ist und die Jade lieber in einem Waisenhaus aufwachsen sähe, so wie es sich in ihren Augen für ein elternloses Kind von ungewisser Herkunft gehört.

Mr. Darwey befindet sich bereits an der Bushaltestelle, um den Abfahrplan zu studieren. Als die Turmuhr Fünf Uhr schlägt, zieht auch Jade ihre Taschenuhr hervor um sie aufzuziehen.

Dabei spürt sie ein Angstprickeln im Nacken, doch die Strasse ist menschenleer. Was Jade dann erlebt, hätte sie sich in ihren kühnsten Albträumen nicht ausmalen können und sie erfährt, dass sie eine noch lebende Tante hat, zu der sie gebracht werden soll.
Ausserdem soll sie eine Zeiterbin sein!

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Völlig verwirrt fährt sie  mit Mr. Darwey nach London und landet in der Clockmakers Akademy, der Ort wo junge Novizen der geheimen Zeiterbengesellschaft ausgebildet werden. Sie erfährt, dass sie zu einer uralten Geheimgesellschaft gehört, die über die Zeit wacht.

Der Nullmeridian ist für die Zeiterben ein magisches Portal in die Unterwelt. Dort lauert Chronos, der es auf die Herrschaft über die Zeit abgesehen hat.

Ab sofort wird Jade mit ihren Mitschülern in so aufregenden Fächern wie Zeitfenstersprung und Dämonenabwehr unterrichtet. Ihre neu erlernten Fähigkeiten wird Jade auch umgehend brauchen um sich Chronos entgegenzustellen.

 Und ausgerechnet Harper, ein überängstlicher Schutzgeist, soll Jade beschützen.

Der Auftakt der bildgewaltigen Trilogie – geheimnisvoll, magisch und fesselnd.

(A.)

geb. 176 Seiten

Beltz & Gelberg Verlag,
ISBN 978-3-407-75847-7, 12,95 €  für Kinder ab 7


Judith Kleinschmidt – Sofabanditen oder die verrückte Befreiung der Hühner

Die achtjährige Ada sitzt wütend im Umzugswagen und wartet auf ihre Eltern.

Da springt plötzlich ein Schaf zu ihr ins Auto: Lilli mit dem Nasenring und dem Leopardenmuster im Fell.

Ada ist völlig perplex, lässt sich dann aber doch recht schnell auf Lillis Mission ein, die Hühner aus der Hühnerfabrik von Goldzahn zu befreien.

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Es beginnt ein wilde und verrückte Fahrt ins Abenteuer auf der sie unterwegs noch den Jungen Pepper kennenlernen, der mit seinem Großvater Ollo in einer alten Sternwarte lebt.

Als Lilli von der Polizei gesucht wird, ist es an Ada ihr beizustehen und auch ihre Eltern davon zu überzeugen, daß Lilli keine Entführerin sondern ihre Freundin ist.

Judith Kleinschmidt schafft es, einen wilden Roadmovie mit dem Thema Freundschaft, Familie, Anderssein und Tierschutz zu verknüpfen.

Ergänzt wird die Geschichte mit vielen witzigen Bildern der Illustratorin Barbara Jung.

(A.)

Band 1: 
ISBN 978-3-95854-167-2

Band 2:
Das verlassene Boot 
ISBN 978-3-95854-168-9

je 14,00€, Mixtvision, geb. ca. 220 Seiten für Kinder ab 10

mit Illustrationen von Lisa Hänsch


Lena Hach – Mission Hollercamp: Der unheimliche Fremde (Band 1) …

Leon kann es kaum erwarten: es ist Ferienzeit und seine Freunde Emily und Jakub sind bereits auf dem Campingplatz Hollercamp- der gemeinsame Treffpunkt in jedem Jahr zur Sommerzeit.

Er freut sich auf himmlische Wochen voller Sonne, Baden und Eisessen.

Nur seine eigene Familie ist noch nicht auf den Weg dorthin aufgebrochen.

Nicht einmal ein eigenes Handy hat Leon, um mit seinen Freunden zu kommunizieren.

Zu seinem Ärger ist er auf die Gunst seiner älteren (nervigen) Schwester Mia angewiesen, als eine SMS von Jakub auf ihrem Handy eintrudelt: „Wo bleibst du? Wir brauchen Verstärkung. Hier treibt sich ein Fremder rum.“

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So beginnt der Auftakt einer neuen Reihe um rätselhafte Ereignisse und spannende Camping- Abenteuer bei denen die Hollercamp-Bande immer sofort die Fährte aufnimmt…

Ein zusätzlicher Clou: die Geschichten werden aus der Sicht von Leon erzählt und von Emily an den Rändern handschriftlich kommentiert.

Wie auch schon bei „Grüne Gurken“ von Lena Hacht gefällt mir besonders der Erzählton in den Geschichten, der spannend ist aber auch einen liebevollen Blick auf die Protagonisten und ihr Lebensumfeld wirft.

(A.)


aus dem Englischen von Claudia Max, ISBN 978-3-446-26821-0,2020,
das Buch kostet 17,- € und ist im CarlHanser Verlag erschienen

für Kinder ab 10 Jahren geeignet


Thomas Taylor – Malamander: Die Geheimnisse von Erie-on-Sea

Herbert Lemon, genannt Herbie ist der Sachenfinder des Grand Nautilus Hotels von Erie-on-Sea.

Manche finden, er sei mit seinen 12 Jahren noch ein wenig zu jung für diesen Job, doch Lady Kraken- die Besitzerin des Hotels- hat ihn höchstpersönlich dazu ernannt.

Und so ist es ziemlich praktisch, daß sich ein großer Schrankkoffer in seinem Fundbüro befindet, als eines Tages ein Mädchen zu ihm in den  Keller purzelt und unbedingt sofort versteckt werden muss.

Doch wer ist der bärtige Mann in dem schwarzen Überzieher mit der ramponierten Kapitänsmütze, der das geheimnisvolle Mädchen verfolgt und unbedingt finden möchte?

Eines ist klar: Violet hat sich Herbie bewusst ausgesucht, denn sie glaubt, daß er der einzige Mensch auf der Welt ist, der ihr helfen kann: sie ist verloren gegangen und möchte gefunden werden und er ist ein berühmter Sachenfinder.

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Beide machen sich auf den Weg, um dem Verschwinden von Violets Eltern auf den Grund zu gehen und stoßen dabei auf so einige Geheimnisse des Badeortes Erie-on-Sea, vor dessen Küste das legendäre Seeungeheuer, der Malamander, sein Unwesen treibt.

Es beginnt ein rasantes, spannendes und witziges Abenteuer voll eigenwilliger Gestalten in dem nur scheinbar verschlafenen Badedort Erie-on-Sea wo das Unmögliche möglich ist.

Herbie und Violet sind ein starkes Duo. Violet ist die treibende Kraft für das Abenteuer und Herbie schafft es mit ihrer Unterstützung seine Ängste zu überwinden.

Außerdem schafft es das Buch mit seinem phantasievoll gestaltetem Cover , der detailliert gezeichneten Karte am Anfang des Buches und den geheimnisvollen schwarz-weiß Zeichnungen

zu Beginn eines jeden Kapitels, sich sofort auf die Reise zu begeben, die salzige Luft des Meere zu schnuppern und neugierig auf den Malamander zu werden.

Und wer möchte nicht der Bücher-Apotheke von Jenny Hanniver einen Besuch abstatten?

(A.)

Heyne Verlag, 14,99 €, 
ISBN 978-3453321366
480 Seiten
Altersempfehlung ab 10


TJ Klune – Mr Parnassus' Heim für Magisch Begabte

Worum es geht:

Linus Baker, ist ein sehr gewissenhafter Beamter und arbeitet streng nach den Regeln, die die Sonderabteilung des Jugendamtes, das sich mit Kindern mit magischen Fähigkeiten befasst, aufgestellt hat. Er hinterfragt sie nicht.

Bis er eines Tages einen Auftrag von „ganz oben“ bekommt. Er soll ein besonderes Waisenhaus etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Kinder, die hier in einem Haus auf einer abgelegenen Insel leben, sind nicht die üblichen Fälle, mit denen es der rundliche Bürokrat normalerweise zu tun hat. 

Linus trifft hier auf eine etwas wilde, fantasievolle und bunte Gruppe von Kindern. Unter anderem einen Jungen, von dem behauptet wird, er sei der Sohn des Teufels, einen schüchternen Wer-Hund, einen grünen Blob mit den Stielaugen einer Schnecke und den Tentakeln eines Oktopus, dessen größter Traum es ist, eines Tages als Hotelpage zu arbeiten und ein 200 Jahre altes bärtiges Gnomenmädchen, dessen Lieblingsbeschäftigung es ist, Leute mit ihrer Schaufel zu bedrohen.

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Und dann ist da Mr. Parnassus, der so ganz anders ist, als Linus es von anderen Heimen kennt – mehr ein Vater, als ein Heimleiter.

Der Beamte muss nun entscheiden, was mit den Kindern, vor denen die Dorfbevölkerung am Ufer des Sees Angst hat und die die Kinder lieber gestern als morgen los werden würde, passieren soll. Hat Mr. Parnassus die Kinder wirklich unter Kontrolle? Kann man einen „Sohn des Teufels“ überhaupt unter Kontrolle haben?

Worum es wirklich geht:

„Mr. Parnassus' Heim für Magisch Begabte“ ist ein Buch über Vorurteile und Akzeptanz,  eine Geschichte über Freundlichkeit und Güte, über das Einstehen für andere und sich selbst. Und nebenbei natürlich auch über die ganz große Liebe.

Mit viel Humor und Fingerspitzengefühl, hat TJ Klune einen Roman über eindrucksvolle Charaktere geschrieben, das genau zur richtigen Zeit veröffentlicht wurde und mit Leichtigkeit und Feel-Good-Garantie Menschen jeden Alters anspricht.

Mein persönliches Highlight:

Was mir besonders gut gefallen hat, neben den sehr diversen und liebenswürdigen Charakteren und dem gut balancierten Humor, ist, dass es eine queere Liebesgeschichte gibt, die aber nicht die Geschichte dominiert, sondern ganz nebenbei mit einfließt.

(JMH)

Moritz Verlag, 128 Seiten, Großformat, gebunden, 29,– €

ISBN 978-3-89565-400-8,
ab 7 Jahren


Aleksandra und Daniel Mizielinska
Auf nach Yellowstone! Kreuz &quer durch die Nationalparks unserer Welt

Viele kennen das Autorenpaar bereits durch den Band „Alle Welt, das Landkartenbuch“.

In ihrem neuen Buch geht es nun um die Nationalparks in aller Welt.

Am Anfang eines jeden Nationalparks steht der Wunsch, die Umwelt zu bewahren.

Ausgehend vom polnischen Bialowieza-Park geht es zusammen mit dem Wisent Knut und dem Eichhörnchen Ula von Peru über China, Namibia, Grönland, Indonesien und Neuseeland bis nach Kalifornien.

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Es gibt wieder viel zu entdecken und eine ungeheure Themenvielfalt zeigt Blattschneiderameisen und Komodowarane, erklärt den Permafrost und spricht das Thema Erosion an.

Zusammengehalten wird das Buch durch eine Comicgeschichte, die auch Wenigleser durchgehend fesselt.

(A.)

übersetzt aus dem Schwedischen von Birgitta Kirchner
Urachhaus, 140 Seiten, gebunden, 16,00 €
ISBN 978-3-8251-5221-5,
ab 8 Jahren


Ulf Stark, Kitty Crowther – Die Ausreißer

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Enkels: der Großvater liegt im Krankenhaus und der Vater möchte ihn sowenig wie möglich besuchen.

Denn der Großvater ist schwierig, ist es immer schon gewesen und nun ist er schlimmer denn je.

Und ja, er ist der Albtraum der Krankenschwestern, denn er klingelt, flucht, wütet und nörgelt herum, weil er im Bett liegen muß und nicht hinausgehen darf.

Doch sein Enkel mag ihn trotzdem und besucht ihn heimlich auf eigene Faust.

Schon bald merkt er, daß ein Besuch bei dem Großvater nicht ausreicht, um diesen aufzumuntern und so beginnt er einen Plan zu schmieden …

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Der großartige Erzähler Ulf Stark findet auch in dieser Geschichte den passenden Ton und hinterlässt ein warmes Gefühl im Herzen durch seine Zuneigung und sein Verständnis für einen alten Mann, der den meisten nur lästig ist.

Ein kleiner Junge und ein alter Mann kommen sich sehr nahe , der Junge entdeckt, dass es Notlügen gibt und das einem manchmal die Wahrheit keiner glaubt.

An die Buntstiftillustrationen von Kitty Crowther musste ich mich erst etwas gewöhnen, doch dann empfand ich sie als sehr gute Ergänzung zu dem unvergesslichen Abenteuer von Großvater und Enkel.

(A.)