Veranstaltungs-Archiv seit 2007

Hier können Sie und auch wir nochmal in zurückliegenden Veranstaltungen blättern, lesen, wühlen und schwärmen.
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> 2015
> 2007-2014

Damals war es immer am schönsten …

Hier können Sie bspw. auf unser 25jähriges Jubiläum zurückschauen. Stöbern lohnt!

Veranstaltungen 2018-2019

> Dienstag, 17. September, 19:30 Uhr,
Weinkontor Roberto Gavin in der Walzenmühle,
Neustadt 16

Steffen Kopetzky

» Propaganda « – Buchvorstellung und Lesung

John Glueck ist im Krieg. Tief in Deutschland, im dunklen Hürtgenwald in der Eifel, 1944. Vor kurzem noch war er Student in New York, voller Liebe zur deutschen Kultur seiner Vorfahren; dann, als Offizier bei Sykewar, der Propaganda-Abteilung der US-Army, traf Glueck in Frankreich sein Idol Ernest Hemingway. Für ihn zieht Glück in den scheinbar unbedeutenden, doch von der Wehrmacht eisern verteidigten Hürtgenwald bei Aachen. Er entdeckt das Geheimnis des Waldes, als eine der größten Katastrophen des Zweiten Weltkriegs beginnt: Die Allerseelenschlacht mit über 25.000 Toten. Was kann John Glueck noch retten? Sein Kamerad Van, der waldkundige Seneca-Indianer? Seine halsbrecherischen Deutschkenntnisse? Ein Wunder?

Niemand trat unverändert wieder aus dem „Blutwald“ heraus, den die Ignoranz der Generäle zu einem Menetekel auch folgender Kriege machte. Zwanzig Jahre später, in Vietnam, erfährt John Glueck: Die Politik ist zynisch und verlogen wie eh und je. Er wird handeln, und sein Weg führt von der vergessenen Waldschlacht direkt zu den Pentagon-Papers.

Steffen Kopetzkys großer Roman spannt einen gewaltiger Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis hin zu Vietnam. Ungeheuer spannend erzählt er von Krieg und Lüge, und von einem Mann, der alle falsche Wahrheit und Propaganda hinter sich lässt.

Steffen Kopetzky – Propaganda
Rowohlt Berlin, 496 Seiten, ISBN 978-3-7371-0064-9
Erscheint am 20.8.2019

Über den Autor

Steffen Kopetzky, geboren 1971, veröffentlichte bislang fünf Romane, zwei Erzählbände und zahlreiche Hörspiele und Theaterstücke. Furore macht er mit seinem Schlafwagenroman Grand Tour (2002), sein letzter, historischer Roman Risiko (2015) wurde ein großer Erfolg bei Presse und Publikum.

Eintritt:
6,– € (erm. 4,– €)

Vorverkauf Ossietzky-Buchhandlung,
Tel. 29601 oder info@cvo-buchladen.de

Auf Einladung der Carl-von Ossietzky-Buchhandlung,
des Tigerberg e.V. und des Vereins "Menschlichkeit leben e.V."


> Mittwoch, 12. Juni, 19:30 Uhr,
in der Carl-von-Osietzky-Buchhandlung:

Reinhard Großmann

Ich durfte nie den Hamlet spielen
Buchvorstellung und Lesung

War Shakespeare Antisemit? Sein Shylock legt den Verdacht nahe. Dabei kämpft er nur um die Rechte, die seine Gegenspieler für sich in Anspruch nehmen.
So jedenfalls fasst der Schauspieler Luc Bodtmar ihn auf, als er es wagt, ihn bald nach Ende der Naziherrschaft auf die Bühne zu stellen. Bodtmar gilt amtlich als „Halbjude“. Die Rassegesetze im „Dritten Reich“ verwehren ihm eine Karriere als Schauspieler. Er überlebt in einer Bürotätigkeit und als Zwangsarbeiter.



Vorbild für den fiktiven Schauspieler Luc Bodtmar war das Lebensschicksal der Tänzerin Luzie Eger-Schiege, die nach dem Krieg eine gefeierte Sängerin jiddischer Lieder wurde.

Über den Autor

Reinhard Großmann wurde 1934 in Niederschlesien geboren. Nach 1945 in Baden-Württemberg ansässig. Lehrer an einem Gymnasium im Schwarzwald. Nach dem Tod seiner Frau Umzug zur Familie des Sohnes in Freienwill bei Flensburg.

Eintritt:
6,– € (erm. 4 €)

> Sonntag, 14. April, 19:00 Uhr,
im Weinkontor Robert Gavin,
Neustadt 16, 24939 Flensburg:

Kristina Hänel in Flensburg

Lesung:
Das Politische ist persönlich.
Das Tagebuch einer „Abtreibungsärztin“, die sich nicht mundtot machen lässt

Als Galionsfigur der Kampagne für das Recht auf Information zum Schwangerschaftsabbruch wird Kristina Hänel große mediale Aufmerksamkeit zuteil, doch die Reduzierung auf den Begriff »Abtreibungsärztin« akzeptiert sie nicht. In ihrem persönlichen Tagebuch hält sie mit ungefiterter Offenheit fest, welche inneren und äußeren Kämpfe sie vor, während und nach dem Prozess begleiten und wie sie zu der öffentlichen Person wurde, die sie heute ist. Dabei ordnet sie ihr Engagement gegen den §219a ebenso in die Geschichte des Kampfes für Frauengesundheit ein wie in den Kontext ihres Wirkens als Ärztin und Mensch.

Erkennbar wird eine beherzte Frau, die stets versucht, anderen zu helfen und das Richtige zu tun.

Veranstalter*innen:
Gleichstellungsbüro der Stadt Flensburg
pro familia flensburg
Frauenwerk des Kreises Schleswig-Flensburg
Rosa-Luxemburg-Stiftung SH
@argument.ariadne

> Begleiten Sie am 23. April 2019 Dr. Wolfgang Griep (Vorsitzender des Literaturhauses SH in Kiel) und Stefanie Oeding (Stadtbibliothek Flensburg) durch das literarische Flensburg!

Die Ostsee – Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren

5 LESUNGEN AN 5 FLENSBURGER ORTEN
„Die Ostsee ist eigentlich nur als Plural zu denken, als Ostseen: so verschieden sind die Völker, die Sprachen, die Kulturen und Traditionen derer, die an ihren Ufern lebten und leben, die sie in Krieg und Frieden befuhren und befahren, die sie besungen, mystifiiert, poetisiert und beschrieben haben. Zugleich aber ist die Ostsee ein einigendes Meer, dessen Geschichte und Geschichten vielfach ineinander verschlungen sind.“
Der Herausgeber Klaus-Jürgen Liedtke hat knapp 130 Texte von Autorinnen und Autoren aus den Anrainerländern rund um die Ostsee ausgewählt und zu einem einzigartigen Buchprojekt zusammengestellt, das die historische Tiefe, die Komplexität der gegenseitigen Beziehungen und die literarische Vielfalt der gesamten Ostseeregion widerspiegelt.

10.00 Stadtbibliothek, Flensburg Galerie, 2. OG
„Wahre und erfundene Reisen“: von Turku über Kopenhagen nach Hamburg

11.30 Buchhandlung Hugendubel, Holm 37
„Inseln und Peripherien“: Gotland, Rügen, Usedom, Bornholm

14.00 Bücher Rüffer , Holm 20
„Hart am Wasser“: Günther Eich, Thomas Mann u. a.

15.30 Carl von Ossietzky Buchhandlung, Große Straße 34
„Städte am Meer“: Kiel, Rostock, Stockholm, Kopenhagen

Diese Lesungen sind eintrittsfrei

19.30 Schifffahrtsmuseum, Schiffbrücke 39
Abschlussveranstaltung mit dem Herausgeber Klaus Jürgen Liedtke
Eintritt 6.- Euro VVK in Schifffahrtsmuseum, Buchhandlungen und Stadtbibliothek

Klaus Jürgen Liedke ist freier Schriftsteller und Übersetzer aus dem Schwedischen und Dänischen. Er erhielt zahlreiche Preise und das Bundesverdienstkreuz. Seit 2010 gibt er die mehrsprachige virtuelle Ostseebibliothek Baltic Sea Library heraus.

> Dienstag, 16. Oktober, 19:30 Uhr, "Ossietzky-Buchhandlung":

»From Freedom to Democracy«

Die Übersetzer*innen lesen aus »From Democracy to Freedom« von CrimethInc., das von der Black Mosquito Crew, Flensburg, 2018 ins deutsche übersetzt wurde und jetzt im Unrast Verlag erschienen ist.

Das Buch diskutiert die Schwächen, Hindernisse und Fehlentwicklungen, die die Geschichte der Demokratie immer begleitet haben - und formuliert Bedingungen für deren Weiterentwicklung. Darüberhinaus dokumentiert der Band eine Fülle von Fallbeispielen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten, die allesamt wichtige Anregungen für die Diskussion liefern.




> Dienstag, 23. Oktober, 19:30 Uhr, "Ossietzky-Buchhandlung":

»Flamme sein!«

Robert M. Zoske liest aus der Biographie über den von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfer der Weissen Rose, Hans Scholl.  Zoske hat mit seiner Arbeit die Forschungsgeschichte einen großen Schritt voran gebracht und bringt dem Leser den mit seinen Konflikten und Widersprüchen ringenden Menschen Hans Scholl nah.

Aber wie kam der 23-Jährige dazu, sein Leben im Kampf gegen Hitler zu riskieren? fragt Robert Zoske. Der Autor zeichnet ein neues, tief beeindruckendes Bild von einem jungen Mann, der anfänglich getragen von einer Naturmystik zur Hitlerjugend kam, dort zum Fähnleinführer aufstieg, dessen Freiheitsdrang aber seine größte, kompromisslose Leidenschaft war - die ihn schliesslich zum Gegner der Nazis machte.


„Ganz leben oder gar nicht!“, notierte Hans Scholl, und es ist erstaunlich, welche Erfahrungen sich in seinem kurzen Leben verdichten. Er liebte Jungen und Mädchen, schrieb Gedichte und Erzählungen. Zoske dokumentiert bislang unveröffenlichte Texte und stellt die Vorbilder heraus, die die Flugblätter der Weißen Rose beeinflussten, die überwiegend Hans Scholl verfasste und zusammen mit seinen Mitstreitern verbreitete. „Es lebe die Freiheit“, waren seine letzten Worte.
Dieses gut lesbare, fesselnd geschriebene Buch lässt dieses Vermächtnis eindrucksvoll lebendig werden.

Neben dieser Biographie enthält das Buch noch diese Dokumente:
- Erstveröffentlichung sämtlicher Gedichte von Hans Scholl
- 75. Jahrestag der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl am 22. Februar 2018
- 100. Geburtstag von Hans Scholl am 22. September 2018
- Mit sämtlichen Gedichten von Hans Scholl
- Mit dem Text aller Flugblätter


368 Seiten mit 44 Abbildungen, geb., 26.95 €
Verlag C.H.Beck, 2018, ISBN 978-3-406-70025-5


Zurückliegende Veranstaltungen

Thorsten Nagelschmidt – Der Abfall des Herzens

Lesung – Buchvorstellung in Kooperation mit dem "Volksbad"

"Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu hassen?"
"Als du mir den Brief geschrieben hast."
"Was für einen Brief?"
Und er beginnt sich zu fragen, was er sonst noch vergessen hat von diesem Sommer 1999.

Thorsten Nagelschmidt hat einen Roman über Liebe, Freundschaft und Verrat geschrieben. Über einen letzten großen Sommer und die Spurensuche 16 Jahre später. Als Nagel war er Sänger, Texter und Gitarrist der Band "Muff Potter". Hier lässt er uns die Leichtigkeit und Schwere des Erwachsen-Werdens spielerisch und nachdenklich neu erleben. Darüberhinaus erzählt er von der Faszination des Erinnerns.

Thorsten Nagelschmidt war als Nagel Sänger, Texter und Gitarrist der Band "Muff Potter". Mit seiner Linoldruckserie „Raucher“ hatte er seit 2011 deutschlandweit zahlreiche Ausstellungen.

Unter seinem Künstlernamen Nagel veröffentlichte er die Romane »Wo die wilden Maden graben« (2007, Ventil Verlag, das Hörbuch wurde von Farin Urlaub, Axel Prahl und Nagel eingelesen) und »Was kostet die Welt« (2010, Heyne Hardcore) sowie die Sammlung von Fotos&Stories »Drive-By Shots« (2015, Ventil Verlag).
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Mittwoch, den 12. September um 19:30
Ort: Volksbad, Schiffbrücke 67
Eintritt: 8 €/ erm. 6 €

In Kooperation mit dem Kulturzentrum Volkbad


Sechs Wochen auf der Scholle

Lesung und Buchvorstellung

»Am Ende der Leitung war ein Herr Bendixen, Testamentsvollstrecker aus Flensburg, der mir mitteilte, dass vor einem Monat mein leiblicher, mir unbekannter, Vater gestorben und ich einzige Erbin seines landwirtschaftlichen Betriebes sei. Sein Name war Karl-Peter Brodersen aus Abderup nahe der dänischen Grenze. Mein Leben wurde schlagartig durcheinander geschüttelt.« 

So beginnt die Erzählung von Christa Iversen, die als Gewerkschafterin und über ihre Beratungsarbeit für Frauen in Flensburg bekannt ist. Die gebürtige Schwäbin hat "daneben" zusammen mit ihrem Mann 33 Jahre einen Bauernhof in der Nähe Flensburgs bewirtschaftet.

Die Geschichte „Sechs Wochen auf der Scholle“ führt eine junge süddeutsche Sozialpädagogin auf einen Bauernhof in Norddeutschland. Sie lernt das Dorf und seine liebenswerten, manchmal skurrilen Bewohner kennen, erfährt hautnah deren Probleme zwischen Neubürgern und Alteingesessenen, mit Verschuldung, Höfesterben, gesunkenem Milchpreis, Alkoholismus, Selbstmord. Sie erlebt 
Dorffeste, die nicht selten aus dem Ruder laufen, nimmt teil an Wettbewerben und fantasievollen Protestaktionen. Und sie muss eine Entscheidung treffen: Bleiben und den Hof übernehmen oder 
Rückkehr in den Süden? 

Christa Iversen kann erzählen – und sie hat etwas zu erzählen!
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Mittwoch, den 21. März 2018 um 19.30 Uhr
Ort: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung, Große Str. 34, Flensburg
Eintritt 6 €/ erm. 4 € | Platzreservierung erbeten: 0461 - 2 96 01

In Kooperation mit dem "Tigerberg e.V." 


Vom Untergrund in die Favela

Lesung und Diskussion mit Lutz Taufer über sein Buch "Über Grenzen" (Verlag Assoziation A)

»Lutz Taufer hat in den Extremkonstellationen der linksradikalen Geschichte agiert, und da er darüber ohne jede Beschönigung und in uneingeschränkter Konfrontation mit den begangenen Fehlern schreibt und nachdenkt, wird sein Buch tatsächlich zu einem Schlüsselwerk der 1960er bis 1980er Jahre.

Die Lektüre tut weh, denn sie blendet nichts aus: 
weder die maßlose Überschreitung der Grenzen der Gewalt, durch die der emanzipatorische Anspruch zerstört wurde, noch die Maßlosigkeit eines Repressionsapparats und Gefängnissystems, die heute kaum jemand noch wahrhaben möchte. Auch darüber schreibt Taufer in einer Dichte, wie ich sie bisher nicht gelesen habe.

Was für ein Glück für ihn, dass er sich nach seiner Freilassung auf den Weg nach Uruguay und dann in die brasilianischen Favelas machte, wo er an der Seite der Namenlosen und Armen agiert hat. 
Und ein Glück für den Leser dazu, denn auch die Brasilien-Kapitel sind hochinformativ, beschönigen nichts und beweisen eine enorme Beobachtungsgabe und Erinnerungsfähigkeit.

Insgesamt übertrifft seine Lebensskizze an Genauigkeit und selbstkritischer Reflexion alles, was ich aus diesem Spektrum bisher gelesen habe, nur aus Italien und Lateinamerika gibt es Gleichrangiges.« 

(Karl Heinz Roth – Arzt, Historiker, Aktivist der radikalen Linken)
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Freitag, den 2. Februar 2018 um 19.30 Uhr
Ort: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung, Große Str. 34, Flensburg
Eintritt frei. Anmeldung erbeten: 0461 - 2 96 01 oder 
info@cvo-buchladen.de

In Kooperation mit dem Tigerberg e.V. und der Rosa-Luxemburg-Stiftung-SH


Veranstaltungen 2017

> 6. November 2017, 19:00 Uhr in der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.
Eine Veranstaltung der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. und des politischen Bildungsvereins Tigerberg e.V.

Diktatoren als Türsteher Europas
Buchvorstellung mit dem Autor Christian Jakob

Christian Jakob, Simone Schlindwein

Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert
Dubiose Praktiken zur Verhinderung von Zuwanderung

Europa zieht seine Grenzen durch Afrika. Migrationskontrolle ist in der EU zu einer Frage von höchster innenpolitischer Bedeutung geworden. 
Mit Hochdruck baut sie daher ihre Beziehungen zu den Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Diese sollen ihre Bürger daran hindern, nach Europa zu gelangen. Die EU bietet dafür Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe. Sie arbeitet mit Regimen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizei und Armeen aus. Die Bewegungsfreiheit in Afrika wird eingeschränkt, Entwicklungshilfe wird umgewidmet und an Bedingungen geknüpft: 
Wer Migranten aufhält, bekommt dafür Geld. Am meisten profitieren IT-Unternehmen sowie Rüstungs- und Sicherheitskonzerne in Europa.
Seit Jahren recherchieren Simone Schlindwein und Christian Jakob zu diesem Thema. 
Ihr Buch ist die erste umfassende Darstellung der neuen europäischen Afrikapolitik.

Von geschützten Grenzen und der Öffnung der Märkte träumt die EU. 
Von geschützten Märkten und offenen Grenzen träumt Afrika. 
Solange dieses Interessensdilemma nicht gelöst ist, wird es keine echte Partnerschaft geben.


Chr. Links-Vlg. 2017
317 S., 18,00 €
ISBN 978-3-86153-959-9


> 2. November 2017 um 19.30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Die Veranstaltung wird von Ute Morgenroth, Ev. Frauenwerk in Zusammenarbeit mit dem Verein "Tigerberg e.V." organisiert.

Lesung mit Texten von Margaret Atwood

Gelesen von Dagmar Fischer

Es gibt wohl kaum eine andere lebende Autorin des nord- oder südamerikanischen Kontinents, die mit gleicher sprachlicher Virtuosität und politischem Scharfsinn auf die Gefährdung der stabil geglaubten demokratischen Verhältnisse und des inneren Friedens dieser Welt hingewiesen hat. Was Atwood von ihren männlichen Kollegen unterscheidet, ist ihr funkelnder Humor und der kühle Blick, mit dem sie - und ihre Protagonistin - die »Neue Ordnung« Amerikas betrachten.

Dagmar Fischer, Bibliothekarin aus Flensburg, stellt die kanadische Autorin Margaret Atwood vor, die in diesem Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat, und liest aus Texten ihres vielfältigen Werkes.

Wovon wir lebten

Lesung mit Silke Scheuermann

Viel gelobt wurde die Autorin Silke Scheuermann für ihre Gedichtbände und und ihre Romane, vor allem für die Beziehungs-Novelle Die Stunde zwischen Hund und Wolf – jetzt kommt sie mit einem umfänglichen Entwicklungsroman.

Im Mittelpunkt der über 500 Seiten starken Geschichte steht Marten Wolf, der aus einem zerrissenen Elternhaus stammt und sich bereits in jungen Jahren um die alkoholkranke Mutter und die kleine Schwester kümmern muss. Große Erwartungen an das Leben hat Marten nicht. Er wächst in einem Umfeld auf, das von illegalen Geschäften, Schlägereien und Sex beherrscht wird. Nach einer Lehre und Schichtarbeit in einem hessischen Großbetrieb nehmen Drogen seinen Alltag gefangen. In der Entzugsklinik lernt er Peter kennen, einen ehemaligen Restaurant- und Clubbesitzer. Dieser entdeckt Martens Talent zum Kochen. Als die beiden gemeinsam das Edellokal Happy Rabbit in Frankfurt eröffnen, scheint das Happy end nah – bis das kriminelle Milieu ihn wieder einzuholen droht.

Beinhart lässt Silke Scheuermann ihren Protagonisten diese Tour de Force durchlaufen und durchleiden: Ohne Schnörkel und Beschönigungen, in einer authentischen und direkten Sprache nimmt der Leser teil an Martens Leben – sowohl mit seinen tragischen Wendungen als auch mit den glücklichen Fügungen. Auffällig ist die Genauigkeit und Einfühlsamkeit der Autorin in ihren männlichen Helden, der über weite Strecken nicht gerade ein Sympathieträger ist.

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Montag, den 6. März 2017, 19.30 Uhr

Ort: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung,

In Kooperation mit dem Verein "Tigerberg e.V."


Veranstaltungen 2016

> 6. Dezember 2016, 19:30 Uhr in der "werkstatt" der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Büchervorstellung, Lesung – unser Beitrag zu 500 Jahren Reformation:

Wer ist Wu Ming?

Wir haben den Übersetzer, Klaus-Peter Arnold, eingeladen – er wird das Autoren-Projekt Wu Ming vorstellen und aus den Büchern vorlesen.

1999 veröffentlichten vier Mitglieder der anarchistischen Kommunikationsguerilla aus Bologna den historischen Roman „Q“, um „der Welt eine große Geschichte zu erzählen, eine Legende zu erschaffen, einen neuen Typ Volksheld zum Leben zu erwecken“, wie die Aktivisten auf ihrer Homepage erklären.

Sie gaben einen „Luther Blissett“ als Autor an, an den man sich höchstens noch als glücklosen Stürmer der Saison 83/84 des Berlusconi-Klubs AC Mailand erinnern konnte, der weder als überragender Fußballspieler noch als besonders wortgewandter Redner aufgefallen wäre. Das Pseudonym „Luther Blissett“ war ein seit den frühen 90er Jahren in linken Aktivistenkreisen gebräuchliches Kollektivpseudonym, das von zumeist links orientierten KünstlerInnen als Signatur ihrer Streiche, Störungen der öffentlichen Ordnung, politischen Pamphlete und medialen Täuschungsmanöver verwendet worden war.

Im Januar 2000 schließt sich dem Quartett ein weiterer Autor an. »Wu Ming« nennt sich die neue Autorengruppe nun. Der chinesische Ausdruck bedeutet »ohne Namen« oder auch »fünf Namen« - je nachdem, wie man die erste Silbe ausspricht - und ist zugleich als Hommage an chinesische Dissidenten zu verstehen, die diesen Namen häufig benutzen. Außerdem beinhaltet »Wu Ming« den Hinweis auf den dritten Vers des Daodejing: »Ohne Namen sind die Ursprünge des Himmels und der Erde«.

Der Stoff des Erzählerkollektivs ist ‚die Geschichte‘ selbst – nur erzählt von einem anderen Standpunkt aus. In Q sind es die Reformation und die Bauernkriege, aber auch das Täuferreich von Münster, die literarisch gestaltet werden, allerdings aus der Perspektive der Besiegten oder Vernichteten. So wird von den Täufern in Münster von ‚Innen‘ erzählt, während die traditionelle Geschichtsschreibung natürlich – wissenschaftlicher Objektivität folgend – von ‚Außen‘ berichtet. Hier jedoch werden die Täufer und ihre Protagonisten zu literarischen Figuren, sie werden eingefangen mit ihren Hoffnungen und Wünschen, ihren Utopien, die sie mit dem Täuferreich verbanden.

Das literarische Rezept bleibt dabei in allen Kollektiv-Romanen von Wu Ming dasselbe: historische Fakten werden aus einer anderen Perspektive beleuchtet und immer sind es Wendepunkte der Geschichte, die literarisch dargestellt werden, jene Momente, kurz bevor etwas historisch unumstößliche Tatsache wurde. In Q sind das die Erhebungen der Bauern, die auch zum Erfolg hätten führen können, in 54 ist es die Zeit, bevor der Kalte Krieg in seine angespannteste Phase eintrat, in Manituana die Periode, als die USA kurz vor ihrer Gründung standen und die sogenannte ‚Mohawk Nation‘ noch im Verbund mit dem englischen King George gegen die später siegreichen Aufwiegler kämpft. Im April diesen Jahres erschienenen neuesten Werk des Kollektivs L’armata dei sonnambuli ist es die Zeit nach der Revolution in Frankreich, die erzählt wird, kurz vor den Jahren des terreur und dem Aufstieg Napoleons – wiederum mit einem temporeichen Plot, mit kurzen, schlaglichtartig aufeinanderfolgenden Kapiteln und Dialogen, die immer von einem Nachdenken über Politisches, über gesellschaftliche Ordnung, Gerechtigkeit und Macht geprägt sind.

Die mittlerweile 6 Romane des Wu Ming-Kollektivs, "Q" mitgezählt, sind niemals private Romane; die Geschichten, die erzählt werden, sind immer öffentliche Geschichten. Immer geht es um Schicksale von Gruppen, Nationen, Glaubensrichtungen und immer geht es um die Frage danach, wie eine Welt beschaffen sein müsste, in der nicht Mord und Krieg das erste politische Mittel sind. Es sind bewusst unterhaltsame Romane im besten Wortsinne, die zunächst weniger auf ästhetische Ansprüche orientieren, und vor allem von einer Lust am Erzählen zeugen, aber auch von einem Interesse an den sogenannten ‚Geschichtsvergessenen‘. Seien es die Bauern, die Täufer, die Mohikaner in Manituana, die idealistischen Kommunisten in 54, Wu Ming wirft sein Augenmerk vornehmlich auf die Nebenrolle, richten den Blick auf Gruppen, die es wirklich gegeben hat, die den Sprung in die Geschichtsbücher aber nicht geschafft haben – nicht jedoch, weil eine vermeintliche ‚Macht‘ sie dort nicht hingelassen hätte, sondern, viel profaner, weil sie kein Glück hatten, weil etwas anders lief, als es hätte laufen sollen. Die Romane sind damit weit entfernt davon, ‚Gegendiskurse‘ aufmachen zu wollen oder anzuschreiben gegen eine vermeintlich ideologisch zementierte Macht in Form der etablierten Geschichtsschreibung, die systematisch alles ausschließe, was ihrer Sichtweise nicht passt, die Romane sind Geschichte erzählt für die Multitude. Kunstvolle Stilexperimente lehnen die Wu Mings dann auch konsequent ab, bemüht avantgardistisches Erzählen genauso.

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> 5. November 2016, 19:30 Uhr im Ev. Gemeindezentrum Engelsby, Brahmsstr. 13, 24943 Flensburg

Volker Hagedorn liest:

Bachs Welt

Familiengeschichte eines Genies

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> 11. Juli 2016, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Corry Guttstadt stellt vor:

Wege ohne Heimkehr

Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen – ein historisch-literarisches Lesebuch

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> 2. Juni 2016, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Eine Lesung in Zusammenarbeit mit dem Romanischen Seminar der Europa-Universität Flensburg, Inst. f. Sprache, Literatur und Medien

LESUNG

Esperanza

von Marina Caba Rall

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Veranstaltungen 2015

> 7. Oktober 2015, 19:30 Uhr im Weinkontor Roberto Gavin in der alten Walzenmühle. Veranstalter: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Meja Mwangi kommt

Durch persönliche Bekanntschaft einer Freundin unserer Buchhandlung haben wir das große Glück, Meja Mwangi, einen der profiliertesten Autoren Kenias, zu einer Lesung in Flensburg begrüssen zu können!
Meja Mwangis vielfach ausgezeichnetes Werk hat auch in Deutschland eine große Anerkennung erfahren, er erhielt sowohl den Adolf-Grimme-Sonderpreis als auch den Deutschen Jugendliteraturpreis (für seinen Jugendroman Kariuki und sein weißer Freund).
Sein vielschichtiges Werk zeichnet sich durch Spannung, Witz und Humor aus - Kritiker loben: Er kann "prachtvoll kontrastierende Personen entwerfen", "Unbestreitbar: Mwangi ist ein ungemein spannender Erzähler" und "in einer Stunde Meja Mwangi erfährt man mehr über das wirkliche Kenia als in drei Wochen African Safari Club in Diani Beach".
Meja Mwangi beschreibt traditionelle Strukturen und Lebensbedingungen, die in irgendeinem afrikanischen Dorf oder einer Stadt Kenias heute so sein könnten, so einfühlsam, detailliert und dabei mit soviel Humor, dass seine Bücher ein reines Lesevergnügen sind und zum Schluss so spannend werden, dass man sie nicht mehr aus der Hand legen kann - bis zum mal glücklichen, mal weniger glücklichen Ende.

Kurzbiografie

Meja Mwangi, 1948 in Nanyuki/Kenia geboren, ging nach dem Abitur zur French Broadcasting Corporation. Seit dem Erfolg seines ersten Romans "Kill me quick" (1973), arbeitete er als freier Schriftsteller, häufig auch als Drehbuchautor in Kenia und Europa. Er wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Jomo Kenyatta Award (1973), dem Adolf-Grimme-Sonderpreis (1982), dem Deutschen Jugendliteraturpreis (1992) und dem Wahome Mutahi Literary Award (2008). Seine Bücher sind überwiegend im Peter Hammer Verlag, aber auch im Unionsverlag und bei Lamuv erschienen: "Narben des Himmels" (1992), "Mr. Rivers letztes Solo" (1995), "Die achte Plage" (1997), "Happy Valley" (2006), "Das Buschbaby" (2007), "Big Chiefs" (2009), "Rafiki" (2014) und jetzt "Tanz der Kakerlaken".

Mwangi schrieb von Beginn an in englischer Sprache - und zwar in einem Englisch, das sich am us-amerikanischen Sprachart orientierte und nicht versuchte, eine eigene afrikanische oder gar kenianische Färbung einzubringen. Diese Form entsprach dem Inhalt seiner Bücher, die sich nicht mehr den traditionellen afrikanischen Themen widmeten. Die Trauer um verlorene Traditionen ist überwunden, die romantisierende Beschreibung des Lebens auf dem Lande weicht der universell angelegten urbanen Desillusioniertheit. Soziale Brüche und Ungerechtigkeiten, den Druck der Klans, den Mann-Frau-Konflikt, die Schwierigkeit der Geschlechter, sich im heutigen afrikanischen Alltag einen Platz zu erkämpfen - das beschreibt Meja Mwangi unterhaltend, mit Feingefühl und leichter Ironie, doch einem spürbaren Respekt vor den Traditionen seiner Heimat.

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> 29. April 2015, 19:30 Uhr in der "werkstatt" der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Eine Lesung in Zusammenarbeit mit dem Romanischen Seminar der Europa-Universität Flensburg, Inst. f. Sprache, Literatur und Medien

Vortrag und Diskussion von und mit Prof. Hauke Brunkhorst über

"Das doppelte Gesicht Europas"

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, seit 1995 Professor für Soziologie an der Europa-Universität Flensburg, hat eine Bestandsaufnahme von Geschichte und Gegenwart der europäischen Union vorgelegt.
Dieses Europa hat nicht zwei, es hat ein doppeltes Gesicht wie das des emanzipatorisch-kritischen Dr. Jekyll und das des technokratisch-funktionalistischen Mr. Hyde, das ist seine Ausgangsthese.
Die Entwicklung der EU wird oft als Verfallsgeschichte erzählt: Aus einem visionären Projekt wurde ein technokratisches Monstrum; angesichts der Eurokrise scheint die Stunde des kollektiven Bonapartismus gekommen zu sein, der den Kontinent mit einem Austeritätsregime überzieht.

Und gerade jetzt, wo es Mr. Hyde gelingt, aus der EU eine reine Wirtschaftsverfassung zu machen, ist es um so nötiger, an das andere Gesicht zu erinnern und dessen verschlungene Wege nachzuzeichnen. Dr. Jekyll - das ist jener Kantianer, jene republikanische Haltung, die den Ursprung des europäischen Projekts gebildet hat. Wobei der Autor deutlich macht, dass dieses verdrängte emanzipatorische Potenzial sich keineswegs in feierlichen Erklärungen und in kitschiger Friedensrhetorik erschöpft, sondern republikanischen Widerstand meint.

Das europäische Projekt bleibt ein offener Prozess, der erneut in eine emanzipatorische Richtung gelenkt werden kann – etwa durch eine Mobilisierung der hochqualifizierten, aber prekär beschäftigen jungen Menschen in Spanien, Griechenland und anderen Mitgliedsstaaten der EU.

"Hat sich das Kapital in rasender Geschwindigkeit transnationalisiert, so gelte es gerade jetzt auch den demokratischen Klassenkampf zu transnationalisieren. Das ist es - das Klassenkampfwort. Ganz unaufgeregt kehrt es zurück. Und mit ihm das ganze klassische Setting: eine europäische Öffentlichkeit, ein starkes EU-Parlament und transnationale Gewerkschaften. Kurzum - Brunkhorsts Programm ist das einer transnationalen Rekonstruktion der Arbeiterbewegung", so Isolde Charim in der taz.


edition suhrkamp 2014
216 S., 16,00 €
ISBN 978-3-518-12676-9



> 8. Juli 2015, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Ein Länderportrait

DÄNEMARK

von Claudia Knauer

> zur Besprechung



> 21. Mai 2015, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung. In Kooperation mit Tigerberg e.V. und Ev. Kirchengemeinde Engelsby

Veranstaltung: "Sind wir wieder gut?"

Die deutsche Wiedergutmachungspolitik – 70 Jahre nach Kriegsende
Elvira Glück von der JEWISH CLAIMS CONFERENCE, Berlin

Geschichte ist mehr als die Auflistung von Daten und Fakten. Geschichte umfasst auch das Schicksal der einzelnen Menschen in ihrer Zeit und der Umgang der Nachkommenden damit.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges scheint alles vorbei.
Sind wir wieder gut? Wirklich?

Als Mitarbeiterin der Jewish Claims Conference ist die Wienerin ELVIRA GLÜCK international mit den Entschädigungsansprüchen der jüdischen Holocaust Überlebenden betraut. Die Geschichte der sog. Wiedergutmachungspolitik und die Aufgabe von Claims werden im Mittelpunkt dieses Abends stehen.



> 7. Mai 2015, 19:30 Uhr in der "werkstatt" der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Lesung mit dem Schriftsteller

Gerhard Henschel

aus seinem Werk

Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, im Emsland aufgewachsen, hat eine "Gefühlsgeschichte der Bundesrepublik", ein facettenreiches Bild unserer Gesellschaft im Auf- und Umbruch, von der Nachkriegszeit bis in die Achtziger verfasst.

Der Briefroman „Die Liebenden“ erzählt von den Kindertagen an über die schwierigen Nachkriegsjahre und den detailliert ausgebreiteten Alltag einer Mittelschichtsfamilie bis zur Zerrüttung der Ehe und dem Tod der beiden Eheleute.

In seinem 2004 veröffentlichten „Kindheitsroman” schildert Henschel das Leben dieser Familie aus der Sicht des Sohnes Martin.
2009 setzte Henschel den „Kindheitsroman” mit dem „Jugendroman” fort: Die Familie Schlosser wohnt nunmehr in Meppen.

Mit dem „Liebesroman” folgte 2010 eine weitere Fortsetzung und 2012 setzte Gerhard Henschel die Martin-Schlosser-Romane mit dem "Abenteuerroman" fort. Martin möchte nichts dringender, als der emsländischen Kleinstadt Meppen zu entfliehen, sein Weg führt in dabei nach Brokdorf, Hamburg, Amsterdam, Osnabrück, Bielefeld, München, Venedig, Wien und Göttingen - und immer wieder zurück nach Meppen.
Die Kraft der Martin-Schlosser-Reihe liegt in ihrer einfachen geradlinigen Erzählweise, humorvoll-ironische Chroniken der BRD, immer alltagsorientiert.

Darüberhinaus hat Henschel die Sachbücher „Kulturgeschichte der Mißverständnisse” und „Jahrhundert der Obszönität“ als Co-Autor verfasst, sowie „Neidgeschrei“ und den Sammelband „Menetekel“ herausgegeben.

Dazwischen erschien sein Roman „Der dreizehnte Beatle”.
Die satirischen Romane „Der Barbier von Bebra” (1996) und „Der Müllah von Bullerbü” (2000) verfasste Henschel gemeinsam mit Wiglaf Droste.

In Streitschriften wie „Menschlich viel Fieses” (1992), „Das Blöken der Lämmer“ (1994) und dem „Gossenreport” (2006) hat Henschel sich mit politischem Kitsch und der Macht der Bild-Zeitung auseinandergesetzt, die er als gravierendes „Kulturproblem” beschreibt. 2008 verfasste Henschel eine „Springer-Bibel“.

Folgenreich und aufsehenerregend war in diesem Zusammenhang ein 2002 in der tageszeitung erschienener Artikel Henschels: Er reagierte auf einen unappetitlichen Skandalartikel der BILD mit einer Satire, in der er unter der Überschrift „Sex-Schock – Penis kaputt?“ angeblich umlaufende Gerüchte über eine missglückte Penisverlängerungsoperation des Bild-Herausgebers Kai Diekmann erörterte. Daraufhin verklagte Diekmann die tageszeitung. Er forderte 30.000 Euro Schmerzensgeld. Das Berliner Landgericht gelangte zwar zu der Auffassung, dass Henschels Satire Diekmanns Persönlichkeitsrecht verletze, und es untersagte deren weitere Verbreitung - doch es erkannte dem Kläger Kai Diekmann kein Schmerzensgeld zu.

Gemeinsam mit Kathrin Passig hat Gerhard Henschel mehrere Bücher aus dem Englischen übersetzt, u.a. den ersten Band der Autobiographie von Bob Dylan („Chronicles. Volume One“), die sich nach dem Urteil der Kritiker „auch in der Übersetzung wunderbar liest".


Die Martin-Schlosser-Romane erschienen zuerst im Verlag Hoffmann und Campe seit 2004
zuletzt "Erfolgsroman" (8)
2018; 602 S., 26,00 €
ISBN 978-3-455-00377-2



1990 - 2015

25 Jahre "Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung"

Am 25. April 2015 – in unserer Buchhandlung

Ach, was waren wir optimistisch!
Nachdem so viele "alternative" oder linke Buchläden 1990 bereits das Zeitliche gesegnet hatten und unser Flensburger "Tigerberg-Buchladen" in einer taz- Anzeige im Sommer 1989 bereits zum "Verschenken" angeboten worden war, wollten wir einen Neustart!
Das ist jetzt 25 Jahre her – und es gibt uns tatsächlich noch. Das ist die gute und erfreuliche Nachricht – heute in Zeiten der massivsten Krise des Buchhandels durch die Konkurrenz neuer Medien und vor allem neuer, schier unerschöpflicher Bezugsquellen für Literatur, Wissen und Erkenntnis.
Aber ehrlich gesagt - das berührt uns nur am Rande! Natürlich ist uns auch der eine oder die andere Kundin "abhanden" gekommen, weil sie oder er jetzt z. B. den Tolino besitzt. Aber die E-Books können sie ja auch bei uns beziehen (wenn sie sich nicht in die klebrigen Fänge des Kindle von amazon begeben haben).

Nein – im wesentlich kämpfen wir seit 25 Jahren um unsere literarischen Ansprüche und gegen die profanen Widrigkeiten des Handels-Umfeldes! Den Kampf um unsere literarischen Ansprüche – nein, haben wir nicht "gewonnen", das wird mensch wohl nie können, aber in diesem Kampf haben wir uns qualifiziert und mitgehalten mit dem, was wir in unserer Einladung zur Eröffnung am 14. März 1990 als Ansprüche formuliert haben. Davon sind wir überzeugt – und die vielen Kundinnen und Kunden, die wir als Stammbesucherinnen gewonnen haben, beweisen uns das Tag für Tag.
Anhaltende Sorgen bereiten uns nur die katastrophale Entwicklung der Mieten in der Innenstadt und konkret in der Großen Straße. Was für ein Leerstand - wieder einmal! Immer noch ist es anscheinend gewinnbringender, große und funktionstüchtige Objekte leer stehen zu lassen als die Mieten dem Umsatzpotential anzupassen. Das stellt für uns eine latente wirtschaftliche Bedrohung dar, zwingt zu einem Wirtschaften am Rande des Existenzminimums, teilweise sogar unterhalb dessen.

Aber wir, fast 40 Gesellschafterinnen und Gesellschafter der die Buchhandlung tragenden KG, haben uns vorgenommen:
Wir wollen diese Buchhandlung - wir glauben an die Notwendigkeit dieses kleinen literarischen und intellektuellen Freiraums auch in der Kleinstadt Flensburg!
Das Angebot einer anspruchsvollen Buchauswahl – von Gesellschaftsromanen, Krimis, Kinder- und Jugendbücher, Literatur des Judentums, aus Osteuropa, aus Afrika, Asien und Lateinamerika bis hin zu aufklärerischen politischen und geschichtlichen Sachbüchern mit entsprechender Tiefe – ist unser Markenzeichen. Das braucht diese Region!

Darauf wollen wir anstossen
– und laden alle Freundinnen und Freunde der
"Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung" zu einem Empfang am
Samstag, den 25. April ab 11.00 Uhr in die Große Str. 34 ein!

Veranstaltungen
haben wir auch geplant bzw. verabredet, auf denen wir unsere Angebote zur Diskussion stellen:

Veranstaltung "Sind wir wieder gut?" – Die deutsche Wiedergutmachungspolitik: Elvira Glück von der JEWISH CLAIMS CONFERENCE, Berlin, am Donnerstag, den 21. Mai
Vortrag und Diskussion mit Prof. Hauke Brunkhorst über sein Buch "Das doppelte Gesicht Europas" sowie eine Lesung mit dem Schriftsteller Gerhard Henschel

25 Jahre alte Dokumente zum Groß-Klicken: