Damals war es immer am schönsten …

Hier können Sie bspw. auf unser 25jähriges Jubiläum zurückschauen. Stöbern lohnt!

Veranstaltungen 2017

> 6. November 2017, 19:00 Uhr in der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.
Eine Veranstaltung der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. und des politischen Bildungsvereins Tigerberg e.V.

Diktatoren als Türsteher Europas
Buchvorstellung mit dem Autor Christian Jakob

Christian Jakob, Simone Schlindwein

Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert
Dubiose Praktiken zur Verhinderung von Zuwanderung

Europa zieht seine Grenzen durch Afrika. Migrationskontrolle ist in der EU zu einer Frage von höchster innenpolitischer Bedeutung geworden. 
Mit Hochdruck baut sie daher ihre Beziehungen zu den Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Diese sollen ihre Bürger daran hindern, nach Europa zu gelangen. Die EU bietet dafür Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe. Sie arbeitet mit Regimen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizei und Armeen aus. Die Bewegungsfreiheit in Afrika wird eingeschränkt, Entwicklungshilfe wird umgewidmet und an Bedingungen geknüpft: 
Wer Migranten aufhält, bekommt dafür Geld. Am meisten profitieren IT-Unternehmen sowie Rüstungs- und Sicherheitskonzerne in Europa.
Seit Jahren recherchieren Simone Schlindwein und Christian Jakob zu diesem Thema. 
Ihr Buch ist die erste umfassende Darstellung der neuen europäischen Afrikapolitik.

Von geschützten Grenzen und der Öffnung der Märkte träumt die EU. 
Von geschützten Märkten und offenen Grenzen träumt Afrika. 
Solange dieses Interessensdilemma nicht gelöst ist, wird es keine echte Partnerschaft geben.


Chr. Links-Vlg. 2017
317 S., 18,00 €
ISBN 978-3-86153-959-9


> 2. November 2017 um 19.30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Die Veranstaltung wird von Ute Morgenroth, Ev. Frauenwerk in Zusammenarbeit mit dem Verein "Tigerberg e.V." organisiert.

Lesung mit Texten von Margaret Atwood

Gelesen von Dagmar Fischer

Es gibt wohl kaum eine andere lebende Autorin des nord- oder südamerikanischen Kontinents, die mit gleicher sprachlicher Virtuosität und politischem Scharfsinn auf die Gefährdung der stabil geglaubten demokratischen Verhältnisse und des inneren Friedens dieser Welt hingewiesen hat. Was Atwood von ihren männlichen Kollegen unterscheidet, ist ihr funkelnder Humor und der kühle Blick, mit dem sie - und ihre Protagonistin - die »Neue Ordnung« Amerikas betrachten.

Dagmar Fischer, Bibliothekarin aus Flensburg, stellt die kanadische Autorin Margaret Atwood vor, die in diesem Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat, und liest aus Texten ihres vielfältigen Werkes.

Wovon wir lebten

Lesung mit Silke Scheuermann

Viel gelobt wurde die Autorin Silke Scheuermann für ihre Gedichtbände und und ihre Romane, vor allem für die Beziehungs-Novelle Die Stunde zwischen Hund und Wolf – jetzt kommt sie mit einem umfänglichen Entwicklungsroman.

Im Mittelpunkt der über 500 Seiten starken Geschichte steht Marten Wolf, der aus einem zerrissenen Elternhaus stammt und sich bereits in jungen Jahren um die alkoholkranke Mutter und die kleine Schwester kümmern muss. Große Erwartungen an das Leben hat Marten nicht. Er wächst in einem Umfeld auf, das von illegalen Geschäften, Schlägereien und Sex beherrscht wird. Nach einer Lehre und Schichtarbeit in einem hessischen Großbetrieb nehmen Drogen seinen Alltag gefangen. In der Entzugsklinik lernt er Peter kennen, einen ehemaligen Restaurant- und Clubbesitzer. Dieser entdeckt Martens Talent zum Kochen. Als die beiden gemeinsam das Edellokal Happy Rabbit in Frankfurt eröffnen, scheint das Happy end nah – bis das kriminelle Milieu ihn wieder einzuholen droht.

Beinhart lässt Silke Scheuermann ihren Protagonisten diese Tour de Force durchlaufen und durchleiden: Ohne Schnörkel und Beschönigungen, in einer authentischen und direkten Sprache nimmt der Leser teil an Martens Leben – sowohl mit seinen tragischen Wendungen als auch mit den glücklichen Fügungen. Auffällig ist die Genauigkeit und Einfühlsamkeit der Autorin in ihren männlichen Helden, der über weite Strecken nicht gerade ein Sympathieträger ist.

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Montag, den 6. März 2017, 19.30 Uhr

Ort: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung,

In Kooperation mit dem Verein "Tigerberg e.V."


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Veranstaltungen 2016

> 6. Dezember 2016, 19:30 Uhr in der "werkstatt" der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Büchervorstellung, Lesung – unser Beitrag zu 500 Jahren Reformation:

Wer ist Wu Ming?

Wir haben den Übersetzer, Klaus-Peter Arnold, eingeladen – er wird das Autoren-Projekt Wu Ming vorstellen und aus den Büchern vorlesen.

1999 veröffentlichten vier Mitglieder der anarchistischen Kommunikationsguerilla aus Bologna den historischen Roman „Q“, um „der Welt eine große Geschichte zu erzählen, eine Legende zu erschaffen, einen neuen Typ Volksheld zum Leben zu erwecken“, wie die Aktivisten auf ihrer Homepage erklären.

Sie gaben einen „Luther Blissett“ als Autor an, an den man sich höchstens noch als glücklosen Stürmer der Saison 83/84 des Berlusconi-Klubs AC Mailand erinnern konnte, der weder als überragender Fußballspieler noch als besonders wortgewandter Redner aufgefallen wäre. Das Pseudonym „Luther Blissett“ war ein seit den frühen 90er Jahren in linken Aktivistenkreisen gebräuchliches Kollektivpseudonym, das von zumeist links orientierten KünstlerInnen als Signatur ihrer Streiche, Störungen der öffentlichen Ordnung, politischen Pamphlete und medialen Täuschungsmanöver verwendet worden war.

Im Januar 2000 schließt sich dem Quartett ein weiterer Autor an. »Wu Ming« nennt sich die neue Autorengruppe nun. Der chinesische Ausdruck bedeutet »ohne Namen« oder auch »fünf Namen« - je nachdem, wie man die erste Silbe ausspricht - und ist zugleich als Hommage an chinesische Dissidenten zu verstehen, die diesen Namen häufig benutzen. Außerdem beinhaltet »Wu Ming« den Hinweis auf den dritten Vers des Daodejing: »Ohne Namen sind die Ursprünge des Himmels und der Erde«.

Der Stoff des Erzählerkollektivs ist ‚die Geschichte‘ selbst – nur erzählt von einem anderen Standpunkt aus. In Q sind es die Reformation und die Bauernkriege, aber auch das Täuferreich von Münster, die literarisch gestaltet werden, allerdings aus der Perspektive der Besiegten oder Vernichteten. So wird von den Täufern in Münster von ‚Innen‘ erzählt, während die traditionelle Geschichtsschreibung natürlich – wissenschaftlicher Objektivität folgend – von ‚Außen‘ berichtet. Hier jedoch werden die Täufer und ihre Protagonisten zu literarischen Figuren, sie werden eingefangen mit ihren Hoffnungen und Wünschen, ihren Utopien, die sie mit dem Täuferreich verbanden.

Das literarische Rezept bleibt dabei in allen Kollektiv-Romanen von Wu Ming dasselbe: historische Fakten werden aus einer anderen Perspektive beleuchtet und immer sind es Wendepunkte der Geschichte, die literarisch dargestellt werden, jene Momente, kurz bevor etwas historisch unumstößliche Tatsache wurde. In Q sind das die Erhebungen der Bauern, die auch zum Erfolg hätten führen können, in 54 ist es die Zeit, bevor der Kalte Krieg in seine angespannteste Phase eintrat, in Manituana die Periode, als die USA kurz vor ihrer Gründung standen und die sogenannte ‚Mohawk Nation‘ noch im Verbund mit dem englischen King George gegen die später siegreichen Aufwiegler kämpft. Im April diesen Jahres erschienenen neuesten Werk des Kollektivs L’armata dei sonnambuli ist es die Zeit nach der Revolution in Frankreich, die erzählt wird, kurz vor den Jahren des terreur und dem Aufstieg Napoleons – wiederum mit einem temporeichen Plot, mit kurzen, schlaglichtartig aufeinanderfolgenden Kapiteln und Dialogen, die immer von einem Nachdenken über Politisches, über gesellschaftliche Ordnung, Gerechtigkeit und Macht geprägt sind.

Die mittlerweile 6 Romane des Wu Ming-Kollektivs, "Q" mitgezählt, sind niemals private Romane; die Geschichten, die erzählt werden, sind immer öffentliche Geschichten. Immer geht es um Schicksale von Gruppen, Nationen, Glaubensrichtungen und immer geht es um die Frage danach, wie eine Welt beschaffen sein müsste, in der nicht Mord und Krieg das erste politische Mittel sind. Es sind bewusst unterhaltsame Romane im besten Wortsinne, die zunächst weniger auf ästhetische Ansprüche orientieren, und vor allem von einer Lust am Erzählen zeugen, aber auch von einem Interesse an den sogenannten ‚Geschichtsvergessenen‘. Seien es die Bauern, die Täufer, die Mohikaner in Manituana, die idealistischen Kommunisten in 54, Wu Ming wirft sein Augenmerk vornehmlich auf die Nebenrolle, richten den Blick auf Gruppen, die es wirklich gegeben hat, die den Sprung in die Geschichtsbücher aber nicht geschafft haben – nicht jedoch, weil eine vermeintliche ‚Macht‘ sie dort nicht hingelassen hätte, sondern, viel profaner, weil sie kein Glück hatten, weil etwas anders lief, als es hätte laufen sollen. Die Romane sind damit weit entfernt davon, ‚Gegendiskurse‘ aufmachen zu wollen oder anzuschreiben gegen eine vermeintlich ideologisch zementierte Macht in Form der etablierten Geschichtsschreibung, die systematisch alles ausschließe, was ihrer Sichtweise nicht passt, die Romane sind Geschichte erzählt für die Multitude. Kunstvolle Stilexperimente lehnen die Wu Mings dann auch konsequent ab, bemüht avantgardistisches Erzählen genauso.

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> 5. November 2016, 19:30 Uhr im Ev. Gemeindezentrum Engelsby, Brahmsstr. 13, 24943 Flensburg

Volker Hagedorn liest:

Bachs Welt

Familiengeschichte eines Genies

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> 11. Juli 2016, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Corry Guttstadt stellt vor:

Wege ohne Heimkehr

Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen – ein historisch-literarisches Lesebuch

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> 2. Juni 2016, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Eine Lesung in Zusammenarbeit mit dem Romanischen Seminar der Europa-Universität Flensburg, Inst. f. Sprache, Literatur und Medien

LESUNG

Esperanza

von Marina Caba Rall

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Veranstaltungen 2015

> 7. Oktober 2015, 19:30 Uhr im Weinkontor Roberto Gavin in der alten Walzenmühle. Veranstalter: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Meja Mwangi kommt

Durch persönliche Bekanntschaft einer Freundin unserer Buchhandlung haben wir das große Glück, Meja Mwangi, einen der profiliertesten Autoren Kenias, zu einer Lesung in Flensburg begrüssen zu können!
Meja Mwangis vielfach ausgezeichnetes Werk hat auch in Deutschland eine große Anerkennung erfahren, er erhielt sowohl den Adolf-Grimme-Sonderpreis als auch den Deutschen Jugendliteraturpreis (für seinen Jugendroman Kariuki und sein weißer Freund).
Sein vielschichtiges Werk zeichnet sich durch Spannung, Witz und Humor aus - Kritiker loben: Er kann "prachtvoll kontrastierende Personen entwerfen", "Unbestreitbar: Mwangi ist ein ungemein spannender Erzähler" und "in einer Stunde Meja Mwangi erfährt man mehr über das wirkliche Kenia als in drei Wochen African Safari Club in Diani Beach".
Meja Mwangi beschreibt traditionelle Strukturen und Lebensbedingungen, die in irgendeinem afrikanischen Dorf oder einer Stadt Kenias heute so sein könnten, so einfühlsam, detailliert und dabei mit soviel Humor, dass seine Bücher ein reines Lesevergnügen sind und zum Schluss so spannend werden, dass man sie nicht mehr aus der Hand legen kann - bis zum mal glücklichen, mal weniger glücklichen Ende.

Kurzbiografie

Meja Mwangi, 1948 in Nanyuki/Kenia geboren, ging nach dem Abitur zur French Broadcasting Corporation. Seit dem Erfolg seines ersten Romans "Kill me quick" (1973), arbeitete er als freier Schriftsteller, häufig auch als Drehbuchautor in Kenia und Europa. Er wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Jomo Kenyatta Award (1973), dem Adolf-Grimme-Sonderpreis (1982), dem Deutschen Jugendliteraturpreis (1992) und dem Wahome Mutahi Literary Award (2008). Seine Bücher sind überwiegend im Peter Hammer Verlag, aber auch im Unionsverlag und bei Lamuv erschienen: "Narben des Himmels" (1992), "Mr. Rivers letztes Solo" (1995), "Die achte Plage" (1997), "Happy Valley" (2006), "Das Buschbaby" (2007), "Big Chiefs" (2009), "Rafiki" (2014) und jetzt "Tanz der Kakerlaken".

Mwangi schrieb von Beginn an in englischer Sprache - und zwar in einem Englisch, das sich am us-amerikanischen Sprachart orientierte und nicht versuchte, eine eigene afrikanische oder gar kenianische Färbung einzubringen. Diese Form entsprach dem Inhalt seiner Bücher, die sich nicht mehr den traditionellen afrikanischen Themen widmeten. Die Trauer um verlorene Traditionen ist überwunden, die romantisierende Beschreibung des Lebens auf dem Lande weicht der universell angelegten urbanen Desillusioniertheit. Soziale Brüche und Ungerechtigkeiten, den Druck der Klans, den Mann-Frau-Konflikt, die Schwierigkeit der Geschlechter, sich im heutigen afrikanischen Alltag einen Platz zu erkämpfen - das beschreibt Meja Mwangi unterhaltend, mit Feingefühl und leichter Ironie, doch einem spürbaren Respekt vor den Traditionen seiner Heimat.

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> 29. April 2015, 19:30 Uhr in der "werkstatt" der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Eine Lesung in Zusammenarbeit mit dem Romanischen Seminar der Europa-Universität Flensburg, Inst. f. Sprache, Literatur und Medien

Vortrag und Diskussion von und mit Prof. Hauke Brunkhorst über

"Das doppelte Gesicht Europas"

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, seit 1995 Professor für Soziologie an der Europa-Universität Flensburg, hat eine Bestandsaufnahme von Geschichte und Gegenwart der europäischen Union vorgelegt.
Dieses Europa hat nicht zwei, es hat ein doppeltes Gesicht wie das des emanzipatorisch-kritischen Dr. Jekyll und das des technokratisch-funktionalistischen Mr. Hyde, das ist seine Ausgangsthese.
Die Entwicklung der EU wird oft als Verfallsgeschichte erzählt: Aus einem visionären Projekt wurde ein technokratisches Monstrum; angesichts der Eurokrise scheint die Stunde des kollektiven Bonapartismus gekommen zu sein, der den Kontinent mit einem Austeritätsregime überzieht.

Und gerade jetzt, wo es Mr. Hyde gelingt, aus der EU eine reine Wirtschaftsverfassung zu machen, ist es um so nötiger, an das andere Gesicht zu erinnern und dessen verschlungene Wege nachzuzeichnen. Dr. Jekyll - das ist jener Kantianer, jene republikanische Haltung, die den Ursprung des europäischen Projekts gebildet hat. Wobei der Autor deutlich macht, dass dieses verdrängte emanzipatorische Potenzial sich keineswegs in feierlichen Erklärungen und in kitschiger Friedensrhetorik erschöpft, sondern republikanischen Widerstand meint.

Das europäische Projekt bleibt ein offener Prozess, der erneut in eine emanzipatorische Richtung gelenkt werden kann – etwa durch eine Mobilisierung der hochqualifizierten, aber prekär beschäftigen jungen Menschen in Spanien, Griechenland und anderen Mitgliedsstaaten der EU.

"Hat sich das Kapital in rasender Geschwindigkeit transnationalisiert, so gelte es gerade jetzt auch den demokratischen Klassenkampf zu transnationalisieren. Das ist es - das Klassenkampfwort. Ganz unaufgeregt kehrt es zurück. Und mit ihm das ganze klassische Setting: eine europäische Öffentlichkeit, ein starkes EU-Parlament und transnationale Gewerkschaften. Kurzum - Brunkhorsts Programm ist das einer transnationalen Rekonstruktion der Arbeiterbewegung", so Isolde Charim in der taz.


edition suhrkamp 2014
216 S., 16,00 €
ISBN 978-3-518-12676-9



> 8. Juli 2015, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Ein Länderportrait

DÄNEMARK

von Claudia Knauer

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> 21. Mai 2015, 19:30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung. In Kooperation mit Tigerberg e.V. und Ev. Kirchengemeinde Engelsby

Veranstaltung: "Sind wir wieder gut?"

Die deutsche Wiedergutmachungspolitik – 70 Jahre nach Kriegsende
Elvira Glück von der JEWISH CLAIMS CONFERENCE, Berlin

Geschichte ist mehr als die Auflistung von Daten und Fakten. Geschichte umfasst auch das Schicksal der einzelnen Menschen in ihrer Zeit und der Umgang der Nachkommenden damit.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges scheint alles vorbei.
Sind wir wieder gut? Wirklich?

Als Mitarbeiterin der Jewish Claims Conference ist die Wienerin ELVIRA GLÜCK international mit den Entschädigungsansprüchen der jüdischen Holocaust Überlebenden betraut. Die Geschichte der sog. Wiedergutmachungspolitik und die Aufgabe von Claims werden im Mittelpunkt dieses Abends stehen.



> 7. Mai 2015, 19:30 Uhr in der "werkstatt" der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung

Lesung mit dem Schriftsteller

Gerhard Henschel

aus seinem Werk

Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, im Emsland aufgewachsen, hat eine "Gefühlsgeschichte der Bundesrepublik", ein facettenreiches Bild unserer Gesellschaft im Auf- und Umbruch, von der Nachkriegszeit bis in die Achtziger verfasst.

Der Briefroman „Die Liebenden“ erzählt von den Kindertagen an über die schwierigen Nachkriegsjahre und den detailliert ausgebreiteten Alltag einer Mittelschichtsfamilie bis zur Zerrüttung der Ehe und dem Tod der beiden Eheleute.

In seinem 2004 veröffentlichten „Kindheitsroman” schildert Henschel das Leben dieser Familie aus der Sicht des Sohnes Martin.
2009 setzte Henschel den „Kindheitsroman” mit dem „Jugendroman” fort: Die Familie Schlosser wohnt nunmehr in Meppen.

Mit dem „Liebesroman” folgte 2010 eine weitere Fortsetzung und 2012 setzte Gerhard Henschel die Martin-Schlosser-Romane mit dem "Abenteuerroman" fort. Martin möchte nichts dringender, als der emsländischen Kleinstadt Meppen zu entfliehen, sein Weg führt in dabei nach Brokdorf, Hamburg, Amsterdam, Osnabrück, Bielefeld, München, Venedig, Wien und Göttingen - und immer wieder zurück nach Meppen.
Die Kraft der Martin-Schlosser-Reihe liegt in ihrer einfachen geradlinigen Erzählweise, humorvoll-ironische Chroniken der BRD, immer alltagsorientiert.

Darüberhinaus hat Henschel die Sachbücher „Kulturgeschichte der Mißverständnisse” und „Jahrhundert der Obszönität“ als Co-Autor verfasst, sowie „Neidgeschrei“ und den Sammelband „Menetekel“ herausgegeben.

Dazwischen erschien sein Roman „Der dreizehnte Beatle”.
Die satirischen Romane „Der Barbier von Bebra” (1996) und „Der Müllah von Bullerbü” (2000) verfasste Henschel gemeinsam mit Wiglaf Droste.

In Streitschriften wie „Menschlich viel Fieses” (1992), „Das Blöken der Lämmer“ (1994) und dem „Gossenreport” (2006) hat Henschel sich mit politischem Kitsch und der Macht der Bild-Zeitung auseinandergesetzt, die er als gravierendes „Kulturproblem” beschreibt. 2008 verfasste Henschel eine „Springer-Bibel“.

Folgenreich und aufsehenerregend war in diesem Zusammenhang ein 2002 in der tageszeitung erschienener Artikel Henschels: Er reagierte auf einen unappetitlichen Skandalartikel der BILD mit einer Satire, in der er unter der Überschrift „Sex-Schock – Penis kaputt?“ angeblich umlaufende Gerüchte über eine missglückte Penisverlängerungsoperation des Bild-Herausgebers Kai Diekmann erörterte. Daraufhin verklagte Diekmann die tageszeitung. Er forderte 30.000 Euro Schmerzensgeld. Das Berliner Landgericht gelangte zwar zu der Auffassung, dass Henschels Satire Diekmanns Persönlichkeitsrecht verletze, und es untersagte deren weitere Verbreitung - doch es erkannte dem Kläger Kai Diekmann kein Schmerzensgeld zu.

Gemeinsam mit Kathrin Passig hat Gerhard Henschel mehrere Bücher aus dem Englischen übersetzt, u.a. den ersten Band der Autobiographie von Bob Dylan („Chronicles. Volume One“), die sich nach dem Urteil der Kritiker „auch in der Übersetzung wunderbar liest".


Die Martin-Schlosser-Romane erschienen zuerst im Verlag Hoffmann und Campe seit 2004
zuletzt "Erfolgsroman" (8)
2018; 602 S., 26,00 €
ISBN 978-3-455-00377-2



1990 - 2015

25 Jahre "Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung"

Am 25. April 2015 – in unserer Buchhandlung

Ach, was waren wir optimistisch!
Nachdem so viele "alternative" oder linke Buchläden 1990 bereits das Zeitliche gesegnet hatten und unser Flensburger "Tigerberg-Buchladen" in einer taz- Anzeige im Sommer 1989 bereits zum "Verschenken" angeboten worden war, wollten wir einen Neustart!
Das ist jetzt 25 Jahre her – und es gibt uns tatsächlich noch. Das ist die gute und erfreuliche Nachricht – heute in Zeiten der massivsten Krise des Buchhandels durch die Konkurrenz neuer Medien und vor allem neuer, schier unerschöpflicher Bezugsquellen für Literatur, Wissen und Erkenntnis.
Aber ehrlich gesagt - das berührt uns nur am Rande! Natürlich ist uns auch der eine oder die andere Kundin "abhanden" gekommen, weil sie oder er jetzt z. B. den Tolino besitzt. Aber die E-Books können sie ja auch bei uns beziehen (wenn sie sich nicht in die klebrigen Fänge des Kindle von amazon begeben haben).

Nein – im wesentlich kämpfen wir seit 25 Jahren um unsere literarischen Ansprüche und gegen die profanen Widrigkeiten des Handels-Umfeldes! Den Kampf um unsere literarischen Ansprüche – nein, haben wir nicht "gewonnen", das wird mensch wohl nie können, aber in diesem Kampf haben wir uns qualifiziert und mitgehalten mit dem, was wir in unserer Einladung zur Eröffnung am 14. März 1990 als Ansprüche formuliert haben. Davon sind wir überzeugt – und die vielen Kundinnen und Kunden, die wir als Stammbesucherinnen gewonnen haben, beweisen uns das Tag für Tag.
Anhaltende Sorgen bereiten uns nur die katastrophale Entwicklung der Mieten in der Innenstadt und konkret in der Großen Straße. Was für ein Leerstand - wieder einmal! Immer noch ist es anscheinend gewinnbringender, große und funktionstüchtige Objekte leer stehen zu lassen als die Mieten dem Umsatzpotential anzupassen. Das stellt für uns eine latente wirtschaftliche Bedrohung dar, zwingt zu einem Wirtschaften am Rande des Existenzminimums, teilweise sogar unterhalb dessen.

Aber wir, fast 40 Gesellschafterinnen und Gesellschafter der die Buchhandlung tragenden KG, haben uns vorgenommen:
Wir wollen diese Buchhandlung - wir glauben an die Notwendigkeit dieses kleinen literarischen und intellektuellen Freiraums auch in der Kleinstadt Flensburg!
Das Angebot einer anspruchsvollen Buchauswahl – von Gesellschaftsromanen, Krimis, Kinder- und Jugendbücher, Literatur des Judentums, aus Osteuropa, aus Afrika, Asien und Lateinamerika bis hin zu aufklärerischen politischen und geschichtlichen Sachbüchern mit entsprechender Tiefe – ist unser Markenzeichen. Das braucht diese Region!

Darauf wollen wir anstossen
– und laden alle Freundinnen und Freunde der
"Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung" zu einem Empfang am
Samstag, den 25. April ab 11.00 Uhr in die Große Str. 34 ein!

Veranstaltungen
haben wir auch geplant bzw. verabredet, auf denen wir unsere Angebote zur Diskussion stellen:

Veranstaltung "Sind wir wieder gut?" – Die deutsche Wiedergutmachungspolitik: Elvira Glück von der JEWISH CLAIMS CONFERENCE, Berlin, am Donnerstag, den 21. Mai
Vortrag und Diskussion mit Prof. Hauke Brunkhorst über sein Buch "Das doppelte Gesicht Europas" sowie eine Lesung mit dem Schriftsteller Gerhard Henschel

25 Jahre alte Dokumente zum Groß-Klicken:

 

Veranstaltungen 2014

> 24. November 2014 um 19.30 Uhr
in der Ossietzky-Buchhandlung, Große Str. 34, Flensburg
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Tigerberg e.V.

Die Lektorin Ulrike Schimming – die das Buch überarbeitet hat – sowie die Verlegerin und Herausgeberin Karen Nölle werden dieses lange "verschüttete" Werk der italienischen Autorin Renata Viganò präsentieren:

Renata Viganò – Agnese geht in den Tod

Buchvorstellung und Lesung

Ihre Tarnung ist ihre stärkste Waffe: Eine einfache Frau wird zur Partisanin.
Dieser Roman ist eine echte Wiederentdeckung – in Italien berühmt, auf Deutsch bisher nur 1951 in der DDR erschienen, ein bewegender Roman über den Zweiten Weltkrieg, ein Blick in den italienischen Untergrund beim Kampf gegen die nationalsozialistische Besatzung – ein geradliniger, spannender, in seinem Ernst und seiner Einfachheit ergreifender Roman!

Wer noch unsere Lesung mit Robert Cohen über das "Exil der frechen Frauen" erinnert (siehe hier), ist bereits bestens im Thema!

Italien wird nach dem Tode Mussolinis von den Nationalsozialisten besetzt. Als die alternde Wäscherin Agnese einen einheimi-
schen Soldaten bei sich aufnimmt, verpfeifen die Nachbarn sie an die Besatzer. Ihr Mann wird abgeholt und stirbt noch auf dem Weg ins KZ. Agnese schliesst sich dem Widerstand an und übermittelt Nachrichten, transportiert Lebensmittel und Sprengstoff als Botin auf dem Fahrrad . »La Responsabile« heißt die fürsorgliche Agnese bei den Partisanen. In einem Racheakt erschlägt Agnese einen Deutschen. Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf: Agnese muss fliehen und geht in den Untergrund. Der Winter 1945 bringt schließlich die Katastrophe: Die Partisanen sind vom Eis eingeschlossen, und Agnese gerät in eine deutsche Kontrolle ...

Die Italienerin Renata Viganò (1900 − 1976) schrieb Erzählungen und Romane. »Agnese geht in den Tod« ist ihr berühmtestes Werk. Ihr Haus in Bologna war ein bekannter Treffpunkt für Schriftsteller, Philosophen, ehemalige Partisanen.

Die Verfasserin des Nachworts, Ulrike Schimming, arbeitet als Übersetzerin aus dem Italienischen, freie Lektorin und Dokumentationsjournalistin. Außerdem betreibt sie ihren Blog »letteraturen«, auf dem sie neue Kinder- und Jugendbücher, Comics und Graphic Novels vorstellt.
Die Verlegerin und Herausgeberin Karen Nölle hat vor einigen Jahren mit einigen Kolleginnen den Verlag edition fünf aus der Taufe gehoben, in einer Selbstdarstellung heisst es:

Wir verlegen Bücher, die wir selbst uns im Regal oder auf dem Nachttisch wünschen, von Autorinnen, die wir vermisst haben. Weil ihre Texte unsere Herzen höher schlagen lassen, uns begeistern und uns ein bisschen klüger machen.

Jeden Herbst schnüren wir ein Fünferpaket aus bekannten und unbekannten Titeln, die allzu schnell vom Markt verschwunden sind oder denen wir mehr Beachtung wünschen, Lieblingsbücher, die unbedingt lieferbar sein sollten: eigensinnige, sinnliche, kluge Bücher, Werke deutscher Autorinnen und deutsche Übersetzungen von Autorinnen aus aller Welt.

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> 11. November 2014 um 19.30 Uhr in der Ossietzky-Buchhandlung

Günter Strempel stellt vor:

Die schönsten Kinder- und Jugendbücher des Jahres 2014!

Wir freuen uns auf neue Bücher – von denen wir ihnen wieder eine schöne Auswahl präsentieren.

Günter Strempel, selbst Kinder- und Jugendbuch-Autor, hat zuletzt sein Buch "Hamburg - Der Stadtführer für Kinder: Mit Bildern, Spielen, Rätseln" veröffentlicht.


> 09. Oktober 2014 um 19.30 Uhr, Carl-Ossietzky-Buchhandlung,
Veranstalter: Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung & Tigerberg e.V.
Konzept: Kultur-Katalyse / U.C.Klimmer, München

Lesung und Gespräch mit der Übersetzerin Ursula C. Klimmer (München) aus dem Buch „Der liebe Unhold“ v. René Halkett

Der Deutschen Einig Vaterland und der Krieg

Gedanken des Freiherrn Albrecht von Fritsch alias
George René Halkett im Exil

Wer war René Halkett? Was bedeutet der Buchtitel „Der liebe Unhold“ (Originalausgabe „The Dear Monster“, London, 1939) - ist es ein Märchen? - ein Wegweiser querbeet durch die Kultur- und Kunsträume der bewegten Weimarer Republik? - ein Bericht über ein „anderes Deutschland“ aus dem englischen Exil nach 1936? Das Buch bietet von allem etwas und vieles mehr.

Tatsächlich hatte der Autor Halkett damals sein britisches Publikum im Blick, das er in der Zeit der Appeasement-Politik aufklären und warnen wollte vor einem Krieg mit dem Dritten Reich, indem er eigene Beobachtungen, Erfahrungen und seine Gedanken über das Erlebte in einer Art Kaleidoskop zusammenfließen läßt. Seine Beschreibungen „der Deutschen“ und ihrer Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts (1900-1938) reflektieren die Lebenswege eines ausgeprägten Individualisten, dessen gewollte Subjektivität ebenso einem Leser im Deutschland von Heute einen Wechsel der Perspektive erleichtern kann. Das Vorwort von Diethart Kerbs zielt auf diesen Aspekt und nicht von ungefähr haben sich nach dem Erscheinen dieses „Buchs eines Unbekannten“ ab 2011 erstaunlich viele Rezensenten ebenfalls in diesem Sinne zu Wort gemeldet.

Zeichnung von René Halkett, o.D., aus der Publikation DRAWINGS, Camelford/GB, 1981

Die Übersetzerin Ursula C. Klimmer war mit dem Zeitzeugen René Halkett in seinen letzten Lebensjahren eng befreundet (1978-1983). Sie arbeitet freischaffend an der Archivierung des umfangreichen Nachlaßmaterials, in Kooperation mit den Erben in Großbritannien und dem Galeristen Klaus Spermann in Berlin, um die kulturgeschichtliche und künstlerische Dimension im Werk von René Halkett einem heutigen Publikum zu erschließen.

Die Lesung verknüpft Passagen aus dem deutschen „Unhold“, passend zum Thema Erster Weltkrieg ausgewählt, mit den zeitgeschichtlichen und biographischen Hintergründen (U.C.Klimmer).


Im Schatten des Feigenbaums

Lesung: Sumaya Farhat-Naser

Kontroversen von Fritz Fischer bis Christopher Clark

Die palästinische Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser liest aus ihrem aktuellen Buch „Im Schatten des Feigenbaum“.

Farhat-Naser gehört zur christlichen Minderheit im Westjordanland. Die promovierte und vielfach ausgezeichnete Dozentin für Botanik und Ökologie engagiert sich in workshops vor Ort und in Vorträgen in aller Welt für eine gewaltfreie Lösung der Lage im Nahen Osten. In ihren Bücher beschreibt sie einfühlsam und anschaulich den Alltag der Menschen vor Ort, der durch die politische Lage so erschwert wird.

Sie schreibt aber auch von den kleinen Erfolgen, wo Menschen die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben, gewaltfreie Wege gehen, Vergebung leben und sich gegenseitig unterstützen. So ganz nebenbei erfährt man etwas über die religiösen Gebräuche der Christen im Westjordanland. Lebendige Traditionen, die das Zusammenleben von der Wiege bis zur Bahre gestalten und Menschen Anteil nehmen in den guten und den Krisenzeiten des Lebens.

All das tut Farhat-Naser in einer wunderbar klaren, schlichten Sprache, die nie aufgesetzt, blumig oder phrasenhaft wirkt, sondern ehrlich und aus einem Herzen, das an den Frieden glaubt.

Sumaya Farhat-Naser hat in Hamburg studiert und spricht von daher gut Deutsch.

kartoniert Lenos 2015; 13,50 €
seit 2017 Lenos TB, 221 S.,
ISBN 978-3-85787-787-2


20. Oktober 2014 um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Engelsby

Veranstalter: Tigerberg e.V. / gefördert vom Kulturbüro der Stadt Flensburg
In Kooperation mit dem Verein "Tigerberg e.V."


> 03. September 2014 um 19.30 Uhr in der Carl-Ossietzky-Buchhandlung,
Veranstalter:Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung mit Unterstützung der ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG SH werkstatt utopie gedächtnis e.V (RLS-SH)

Diskussion / Vortrag mit Volker Weiss, Historiker und Freier Publizist

Der Erste Weltkrieg im Spiegel seiner Debatten

Kontroversen von Fritz Fischer bis Christopher Clark

Im August 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. In diesem Jubiläumsjahr erscheinen – und erschienen bereits – eine unüberschaubare Vielzahl wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Bücher zu dem Thema. Nicht ein großer deutscher Verlag, der nicht mindestens einen 500-seitigen Wälzer im Programm hätte. Sehr viel tatsächlich Neues fördern diese Publikationen nicht zu Tage. Und doch können sie immer wieder Debatten entfachen – durch die Gewichtung der „Fakten“, ihre Neubewertung und Interpretation.

Dr. Volker Weiß, Historiker und Publizist aus Hamburg, meint folgerichtig, dass die Debatten, die die entsprechenden Bücher auslösen, in aller Regel sehr viel interessanter seien als die Bücher selber. Dies trifft auch auf Fritz Fischers Buch „Griff nach der Weltmacht“ (ein inzwischen kanonisierter Klassiker zum Thema) aus dem Jahr 1961 in der Tat zu. Langatmige, detaillierte Dokumentenauswertung bestimmen den Löwenanteil seines Buches – die gewissenhafte aber unspektakuläre Methode eines seriösen Historikers. Und trotzdem war es in den 1960er Jahren diese Publikation, die eine spektakuläre, dazu hoch interessante, gleichzeitig hitzig geführte Debatte vor allem unter westdeutschen Historiker_Innen und Publizist_Innen auslöste. Die Deutschen tragen einen wesentlichen Teil der Kriegsschuld und verfolgten eine dezidierte, mittelfristig entwickelte Kriegszielpolitik, so Fischers These. Sie reichte aus, um vor allem in (konservativen) Historikerkreisen heftigsten Widerspruch hervorzurufen.

Jetzt, zum hunderten Jahrestages des Ausbruchs des ersten Weltkrieges, ist es ein australischer Historiker, der die Deutschen wieder freispricht von dieser Systematik des Krieges: alle Großmächte seien gleichermaßen in die „Urkatastrophe“ hineingeschlittert. Christopher Clarks Thesen widersprechen nur wenige Historiker_innen entschieden. John C.G. Röhls Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 5.3.2014, der Clarks Interpretationen eine deutlich Abfuhr erteilt, ist hier eine der wenigen Ausnahmen. Hinzu kommt – und auch dies ist symptomatisch – dass Clark in der deutschen Rezeption mehr Entlastendes in den Mund gelegt wird, als in seinem Buch tatsächlich zu finden ist.

Natürlich ist Clark nicht der Erste, der Fischer an prominenter Stelle widerspricht und viel dankbares Gehör findet. Schon in der frühen Debatte um sein Buch konnte Fischer nicht als eindeutiger „Sieger“ gelten – für ein Spektrum, das von konservativ-nationalen Kreisen bis in die bürgerlich-liberale Mitte hinein reichte, hatten Fischers Thesen nie den Status historischer Wahrheit. Diese Sichtweise aber, den Ersten Weltkrieg als „(Nat)Urkatastrophe“ zu verstehen, in den alle gleichermaßen hineingeschlittert waren, ihn gleichermaßen als unabwendbares Schicksal akzeptierten, ihn also gar nicht hätten verhindern können, scheint sich gegenwärtig (wieder) als hegemoniale Interpretation der Vorgänge zu etablieren.

Die wesentlichen Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der konkreten Interessenpolitik des Deutschen Reiches zu erkennen, scheint das kollektive Gedächtnis zu sehr an die Verantwortung an millionenfachem Tod, Leid, Elend und Gewalt zu erinnern. Dem nationalen Mythos dient das Bild, man sei ungewollt hinein geraten in die sowieso unvermeidliche, da naturwüchsige, „Urkatastrophe“. Dieses Bild verhindert aber auch die Einsicht in die Verantwortung und die Anerkennung wesentlicher Mitschuld für den Krieg.

Dr. Volker Weiß bietet einen spannenden Einblick in diese Kontroverse - wir laden ein.


Weiss, Volker (Historiker und Freier Publizist)
Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
dtv 2018; 304 S., 9,95 €
ISBN 978-3-608-96326-7


> 05. Juni 2014 um 19.30 Uhr; Alte Bahnpost, neben dem Bahnhof Flensburg

Anlässlich des Projektes der Theaterwerkstatt Pilkentafel
Das Flensburger Humankapital

Ulrike Herrmann und trägt aus ihrem Buch vor

Der Sieg des Kapitals

Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen

Es ist viel einfacher, Krisen zu verstehen, wenn vorher klar ist, wie ein krisenfreier Kapitalismus funktionieren würde. Die Wortwahl mag zunächst erstaunen, gilt es doch als "links" oder gar "marxistisch", den Begriff Kapitalismus zu verwenden. Diese Phobie ist jedoch typisch deutsch. In den USA wird der Ausdruck Kapitalismus völlig selbstverständlich verwendet, der im übrigen auch gar nicht von Karl Marx stammt. Der Begriff Kapitalismus hat den Vorteil, dass er präzise beschreibt, was die heutige Wirtschaftsform auszeichnet: Es geht um den Einsatz von Kapital mit dem Ziel, hinterher noch mehr Kapital zu besitzen, also einen Gewinn zu erzielen. Es handelt sich um einen Prozess, der exponentielles Wachstum erzeugt. Genau dieser zentrale Zusammenhang geht bei dem Begriff Marktwirtschaft verloren, der in Deutschland so beliebt ist. Auf Märkten wird mit Äquivalenten gehandelt. Doch wie soll aus dem Tausch gleichwertiger Güter ein Prozess entstehen, der zu permanentem Wachstum führt? Dies bleibt unerklärlich. (Klappentext)

Ulrike Herrmann – eine der wenigen verbliebenen aufgeklärten JournalistInnen in der taz – kommt auf Einladung der Pilkentafel.

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung-SH und des Tigerberg e.V.


Ulrike Herrmann: Der Sieg des Kapitals
Estend 2013; seit 2015 Piper TB, 287 S., 11,00 €
ISBN 978-3-492-30568-6


> 10. Juni 2014 um 19.30 Uhr in der "werkstatt" der Ossietzky-Buchhandlung / Ossietzky-Buchhandlung und Tigerberg e.V.

Vortrag von Reinhard Leffler

Vom "Freedom Summer" zu "Mississippi Burning"

Es gibt Amerika, es gibt den Süden, und dann ist da noch Mississippi (Lyndon B. Johnson.)

Sunflower County, mitten im Mississippi Delta gelegen: 68 % der Einwohner sind Afroamerikaner und nur 0,03 % von ihnen dürfen wählen.
Für den Summer 1964 rufen junge Bürgerrechtler, die seit Jahren versuchen im Süden WählerInnen zu registrieren, tausend Studenten aus dem Norden auf, sie zu unterstützen, um die Aufmerksamkeit des „weißen Amerika“, insbesondere der demokratischen Regierung in Washington, auf die Verhältnisse in Mississippi zu lenken.
In den ersten Tagen des „Freedom Summer“ werden drei junge Bürgerrechtler in Philadelphia (Mississippi) vom „Ku Klux Klan“ und örtlichen Polizisten umgebracht.
Bis heute hat der Bundesstaat Mississippi keinen der Mörder, von denen zwei noch leben, wegen Mordes verurteilt.

Wir wollen zeigen, wie sich trotz Ende und Verbot der Sklaverei die weiße Vorherrschaft in den Südstaaten halten und festigen konnte; wie der Weggang von 6 Millionen Afroamerikanern zwischen 1910-1970 aus dem Süden in die Städte des Nordens ihre alte und ihre neue Heimat verändert hat.
Wir wollen versuchen, zu beantworten, warum sich die moderne Bürgerrechtsbewegung gerade in den fünfziger und sechziger Jahren formieren und so erfolgreich sein konnte.
Wir gehen darauf ein, welche Bedeutung dem 2. Weltkrieg hierbei zukommt.
Und wir berichten über die wenig bekannte Arbeit der jungen Bürgerrechtler, meist schwarz und zwischen 15 und 20 Jahre alt, die ab 1961 im ländlichen Südwesten Mississippis gegen alle Warnungen und Widerstände, angefangen haben, Menschen zu organisieren.

Reinhard Leffler hat bereits vor einigen Jahren in der "werkstatt" der "Ossietzky-Buchhandlung" seine überzeugende Ausarbeitung über die Rolle Martin Luther Kings und den Kampf der farbigen Müllarbeiter um die Anerkennung ihrer Gewerkschaft als wichtige Etappe der Bürgerrechtsbewegung vorgestellt.


»Klangraum«

Erzählungen aus Schleswig-Holstein vom Mittelalter bis in die Gegenwart

Drei Flensburger Buchhandlungen und die Stadtbibliothek kooperieren zum Welttag des Buches mit Lesungen aus dem Band „Klangraum“ (Wachholtz-Verlag 2013)

Mi 23.4. Ausleihe der Stadtbibliothek
Szenische Lesung der Theaterwerkstatt Pilkentafel aus dem Roman von Ingrid Bachér „Theodor Storm fährt nach Würzburg und erreicht seinen Sohn nicht, obwohl er mit ihm spricht“

Mo 28.4. Buchhandlung Rüffer
Karin Johannsen-Bojsen liest „ Ein Tischgespräch in Kopenhagen “ und mehr.

Di 29.4. Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung *
Heiner Egge liest aus „Tilas Farben. Ein Roman über die Malerin Ottilie Reylaender“

Mi 7.5. Buchhandlung Hugendubel
Die Herausgeber Prof. Dr.Dr.h.c. Heinrich Detering und Maren Ermisch präsentieren das Buch „Klangraum“.

> 29. April 2014, 19.30 Uhr in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Der Schriftsteller Heiner Egge aus Hennstedt/Dithmarschen kommt im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Klangraum - Erzählungen aus Schleswig-Holstein" zu uns.

Heiner Egge – »Tilas Farben«

"Tilas Farben" – Heiner Egge hat sich zwecks Recherchen drei Jahre lang in Worpswede umgeschaut und an dem Roman über die Worpsweder Malerin Ottilie Reylaender gearbeitet. Worpswede bildet den Ausgangs- und den Endpunkt des Geschehens. Sie ist der Ort der Rahmenhandlung, wo der Erzähler auf die alte, allerdings nicht mehr gegenwärtige Tila trifft. 1898 kam sie, fast 16-jährig, aus Dithmarschen das erste Mal in die Künstlerkolonie, um Schülerin von Fritz Mackensen zu werden. Hier begegnete sie anderen jungen Malerinnen, unter ihnen Paula Modersohn-Becker. Im Gegensatz zu ihnen war Ottilie noch ein Mädchen und das erste Mal von zu Hause fort. Auch hatte sie bisher keine künstlerische Ausbildung genossen. Das Einzige, was sie mitbrachte, war ihr vielfältiges Zeichentalent. Dieses und die in Worpswede erworbenen malerischen Fertigkeiten waren später für sie die Impulse, die sie in die Welt aufbrechen ließen. Nun ist sie einhundert Jahre später zurückgekehrt – als Romanfigur.

Wer wenn nicht Heiner Egge musste diesen Roman über die Malerin Ottilie Reylaender schreiben - seine Romane und Erzählungen spiegeln diese unendliche Sehnsucht nach Weite, nach Welterkundung, nach Farbe und Licht - aber auch nach Heimat, ohne Tümelei!


> 21. Februar 2014 um 19.30 Uhr
im Gemeindezentrum Engelsby

Eine Veranstaltung der Kirchengemeinde Engelsby, der Carl-von-Ossietzky Buchhandlung und dem Verein Tigerberg e.V.

Frido Mann – Das Versagen der Religion

Betrachtungen eines Gläubigen

Frido Mann im Gespräch mit Klaus Guhl

"Religion ist zu wichtig um sie nur den Theologen zu überlassen - Betrachtungen eines konfessionslosen Gläubigen"

Das neue Buch von Frido Mann: "DAS VERSAGEN DER RELIGION – Betrachtungen eines Gläubigen" beschreibt neben einer alarmierenden Bestandsaufnahme und einer kulturgeschichtlichen Ursachenforschung auch Frido Manns eigene schmerzhafte Auseinandersetzung mit der Kirche:

Als junger Mann in die katholische Kirche eingetreten, studierte er in München Theologie, promovierte über das Thema "Das Abendmahl beim jungen Luther" und arbeite als Assistent von Karl Rahner in Münster. Nach dem Eklat mit der Pius-Bruderschaft trat er aus der katholischen Kirche wieder aus und setzt sich seitdem intensiv für eine Zusammenarbeit zwischen Religion-Kultur und Naturwissenschaften ein.

Vorbild für diese interkulturelle Arbeit ist ihm das West Eastern Divan Orchestra, dem er auch dieses Buch gewidmet hat.

»Die Tragödie der drei monotheistischen Religionen besteht zu einem nicht geringen Teil in der Blindheit ihrer Funktionäre auf dem schmalen Grat zwischen Erleuchtung und Verblendung, Demut und Hochmut. Das biblische Gleichnis vom Turmbau zu Babel ist eine zeitlose Mahnung und gleichzeitig eines der treffendsten Beispiele für den ständigen Absturz der Religionen aus ihren zu großen Höhen. Der Bau von Atomkraftwerken mit ihren Segensverheißungen, aber in Wirklichkeit unvermeidlichen Störfällen könnte eine technisch- moderne Version dieses Gleichnisses sein.«

Der Kosmopolit Frido Mann ist nicht nur Doktor der Theologie, sondern auch Psychologie-Professor, Musiker, Opernlibrettist und Schriftsteller, vielen auch bekannt als Lieblingsenkel von Thomas Mann.


Veranstaltungen 2013

Lesung

Klaus Modick: Klack

Wer in den 50er Jahren groß geworden ist, wird in diesem Buch viele alte Bekannte wiedertreffen - Schlagersänger und ihre unsäglichen Liedertexte, aber auch unvergessliche Fernsehsendungen und die ersten, wie immer furchtbaren Werbesendungen.

Markus hat es eigentlich gut. Auch seine Familie hat teil am westdeutschen Wirtschaftswunder, man kann sich wieder etwas gönnen, sogar ein Fernseher ist angeschafft worden – und doch hat er zu leiden: an der tyrannischen Großmutter, den immergleichen Kriegserzählungen des Vaters, den autoritären Lehrern am Gymnasium, vor allem aber an unerwiderten Gefühlen. Mit dem Auftauchen der Tinottis kommt Bewegung in sein Leben. Die italienische Familie zieht nebenan ein und eröffnet eine Eisdiele, Markus ist aber vor allem fasziniert von Clarissa. Während in Berlin die Mauer gebaut wird und seine Oma im Garten einen Zaun ziehen lässt, um vor den Spaghettifressern sicher zu sein, versucht Markus seiner Angebetenen näherzu kommen, er greift sogar zur Gitarre.

Mit Lust am Detail, großer erzählerischer Kraft und viel Humor fängt Klaus Modick die Stimmung einer entscheidenden Phase der bundesdeutschen Geschichte ein: Im Westen geht es aufwärts, während der Osten sich einmauert, eine wachsende Fremdenfeindlichkeit und plötzlich steht die Welt am atomaren Abgrund, der Kuba-Krise. Das alles bestimmt das Hintergrundbild dieser beginnenden Sechziger Jahre.

Und mittendrin Markus, der sich nichts sehnlicher wünscht als den ersten Kuss, und der mit seiner Kamera die Momente festhält, die das Leben ausmachen. Ein wunderbarer Roman!

Klaus Modick, der 1951 in Oldenburg geboren wurde, hat in Hamburg studiert und sich mit Arbeiten über Lion Feuchtwanger und andere Exilanten einen Namen gemacht. Seit 1984 arbeitet er als freier Schriftsteller, übernahm zudem Lehraufträge - u.a. unterrichtete er in den USA kreatives Schreiben - und arbeitete als Übersetzer. Für seine Werke wurde er bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Unser großes Modick-Dossier finden Sie hier

Klaus Modick »Klack«
geb. Kiepenheuer & Witsch 2013; seit 2015 KiWi TB, 223 S., 8,99 €
ISBN 978-3-462-04684-7


04. Dezember 2013 um 19.30 Uhr in der Ossietzky-Buchhandlung,
in Kooperation mit dem Verein "Tigerberg" e.V.


> 12. November 2013 um 19.30 Uhrin der Ossietzky-Buchhandlung

2013: Was für Bücher!

Günter Strempel stellt vor:

Die schönsten Kinder- und Jugendbücher
des Jahres 2013!

Die Fülle von schönen und überzeugenden Kinder- und Jugendbüchern hat uns wieder erstaunt und erfreut – lassen auch Sie sich überraschen:

Günter Strempel ist selbst Kinder- und Jugendbuch-Autor:
Zuletzt ist "Hamburg - Der Stadtführer für Kinder: Mit Bildern, Spielen, Rätseln" erschienen.


> 11. September 2013 um 19.30 Uhr in der Ossietzky-Buchhandlung

Lieder für Liebende von Mascha Kaleko

Großstadtmärchen aus dem Lesebuch des Lebens

Mascha Kaléko wurde als Tochter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter 1907 am Rande der damaligen Donaumonarchie geboren, war im Berlin der 20-er Jahre zu Hause und galt als ein außergewöhnliches literarisches Talent, bei dem sich auf unnachahmliche Weise wacher Verstand mit weiblichem Charme mischten, politische Schärfe mit Witz und romantischer Ironie. Überraschende Wechsel zwischen Klang und Sprache, in denen sich die Wege der Dichterin spiegeln und das Gestern, Heute, Morgen ineinander verschwimmen - zeitlose Lieder über die Liebe und das Leben zwischen Trauer, Hoffnung und "aufgeräumter Melancholie".

Die Berliner Künstlerin Cathrin Alisch (voc, viol, acc.) spielt und spricht die Texte, "als wären sie für sie erdacht", ergänzt durch biographische Details und hat als ausgebildete Musikerin einige der schönsten Gedichte neu vertont. www.cathalin.de

… "Als ob die Enkelin die Worte der Großmutter wieder aufnimmt..."
"Eines der lebendigsten Programme, das zu diesem Thema derzeit zu erleben ist."

Stimmenvielfalt. Lyrik mal Vier

Prominente Dichter lesen rund um den Welttag des Buches am 23. April an vier literarischen Orten in der Innenstadt. Die solistischen Stimmen gehören zum Klangraum des neuen Gedichtbandes "Stimmenvielfalt" , der die vielfältige poetische Landschaft Schleswig-Holsteins von der Vergangenheit bis in die Gegenwart lebendig erschliesst.

15.4. – Arne Rautenberg / Buchhandlung Hugendubel

17.4.
"Emmy Ball-Hennings"

Henner Wachholtz und Sarah Nielsen / Ossietzky-Buchhandlung

23.4. – Doris Runge / Stadtbibliothek

25.4. – Henning Ahrens / Bücher Rüffer