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Unsere nächsten Veranstaltungen

 

Immer mal wieder packt uns die Lust an einer besonderen Veranstaltung. Dann laden wir – das sind Freundinnen und Freunde der Buchhandlung, im politischen Bildungs-Verein "Tigerberg e.V." organisiert, oder Mitarbeiterinnen der Buchhandlung – ein zu einer Lesung oder einem Vortrag, manchmal auch zu Musik- oder Filmvorführungen …

Der Verein "Tigerberg e.V." ist als gemeinnützig anerkannt, Spenden und Beiträge an den Verein werden als "steuerbegünstigenden Zwecken dienend" anerkannt. Dem Verein hilft Ihre Spende bei der Durchführung und Organisation von Lesungen und anderen Veranstaltungen: Spendenkonto DE56 2175 0000 0000 2742 08.
Wenn Sie dem Verein ihre Adresse mitteilen, erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

In folgender Liste können Sie unsere aktuellen bzw. jüngst zurückliegenden Veranstaltungen sehen. Falls Sie sich einen Eindruck über die bereits in den letzten Jahren erfolgten Veranstaltungen machen wollen, empfehlen wir unser Archiv.

Wenn wir Sie in den Email-Verteiler für die Ankündigungen aufnehmen sollen, mailen Sie uns diesen Wunsch einfach an info@cvo-buchladen.de

Und nun viel Vergnügen mit unserem Angebot …


Hier finden Sie noch mehr Veranstaltungen:

 

Stadt Flensburg

Flensburg Tourismus

 

 

 

Hier finden Sie unser Archiv an Veranstaltungen seit 2007 …

 

       
   

Christian Jakob, Simone Schlindwein

Diktatoren als Türsteher Europas –

Buchvorstellung mit dem Autor Christian Jakob

Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert
Dubiose Praktiken zur Verhinderung von Zuwanderung

Europa zieht seine Grenzen durch Afrika. Migrationskontrolle ist in der EU zu einer Frage von höchster innenpolitischer Bedeutung geworden. 
Mit Hochdruck baut sie daher ihre Beziehungen zu den Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Diese sollen ihre Bürger daran hindern, nach Europa zu gelangen. Die EU bietet dafür Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe. Sie arbeitet mit Regimen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizei und Armeen aus. Die Bewegungsfreiheit in Afrika wird eingeschränkt, Entwicklungshilfe wird umgewidmet und an Bedingungen geknüpft: 
Wer Migranten aufhält, bekommt dafür Geld. Am meisten profitieren IT-Unternehmen sowie Rüstungs- und Sicherheitskonzerne in Europa.
Seit Jahren recherchieren Simone Schlindwein und Christian Jakob zu diesem Thema. 
Ihr Buch ist die erste umfassende Darstellung der neuen europäischen Afrikapolitik.

Von geschützten Grenzen und der Öffnung der Märkte träumt die EU. 
Von geschützten Märkten und offenen Grenzen träumt Afrika. 
Solange dieses Interessensdilemma nicht gelöst ist, wird es keine echte Partnerschaft geben.
Christian Jakob, Simone Schlindwein 

 

 

Montag, den
6. November 2017
19.00 Uhr

Ort:

Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.,
Schiffbrücke 45, Flensburg

 

Eintritt frei.

 

Eine Veranstaltung der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. und des politischen Bildungsvereins Tigerberg e.V. 

   

Lesung mit Texten von Margaret Atwood

Gelesen von Dagmar Fischer

Es gibt wohl kaum eine andere lebende Autorin des nord- oder südamerikanischen Kontinents, die mit gleicher sprachlicher Virtuosität und politischem Scharfsinn auf die Gefährdung der stabil geglaubten demokratischen Verhältnisse und des inneren Friedens dieser Welt hingewiesen hat. Was Atwood von ihren männlichen Kollegen unterscheidet, ist ihr funkelnder Humor und der kühle Blick, mit dem sie - und ihre Protagonistin - die »Neue Ordnung« Amerikas betrachten.

Dagmar Fischer, Bibliothekarin aus Flensburg, stellt die kanadische Autorin Margaret Atwood vor, die in diesem Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat, und liest aus Texten ihres vielfältigen Werkes.

 

 

Donnerstag, den
2. November 2017
19.30 Uhr

Ort:

Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

Eintritt frei,
um Spenden wird gebten

 

Die Veranstaltung wird von Ute Morgenroth, Ev. Frauenwerk in Zusammenarbeit mit dem Verein "Tigerberg e.V." organisiert.

 

 

 

 

 

Roman

528 Seiten,

24 €

Verlag Schöffling & Co.

ISBN 9783895613784


Lesung mit Silke Scheuermann

"Wovon wir lebten"

Viel gelobt wurde die Autorin Silke Scheuermann für ihre Gedichtbände und und ihre Romane, vor allem für die Beziehungs-Novelle Die Stunde zwischen Hund und Wolf – jetzt kommt sie mit einem umfänglichen Entwicklungsroman.

Im Mittelpunkt der über 500 Seiten starken Geschichte steht Marten Wolf, der aus einem zerrissenen Elternhaus stammt und sich bereits in jungen Jahren um die alkoholkranke Mutter und die kleine Schwester kümmern muss. Große Erwartungen an das Leben hat Marten nicht. Er wächst in einem Umfeld auf, das von illegalen Geschäften, Schlägereien und Sex beherrscht wird. Nach einer Lehre und Schichtarbeit in einem hessischen Großbetrieb nehmen Drogen seinen Alltag gefangen. In der Entzugsklinik lernt er Peter kennen, einen ehemaligen Restaurant- und Clubbesitzer. Dieser entdeckt Martens Talent zum Kochen. Als die beiden gemeinsam das Edellokal Happy Rabbit in Frankfurt eröffnen, scheint das Happy end nah – bis das kriminelle Milieu ihn wieder einzuholen droht.

Beinhart lässt Silke Scheuermann ihren Protagonisten diese Tour de Force durchlaufen und durchleiden: Ohne Schnörkel und Beschönigungen, in einer authentischen und direkten Sprache nimmt der Leser teil an Martens Leben – sowohl mit seinen tragischen Wendungen als auch mit den glücklichen Fügungen. Auffällig ist die Genauigkeit und Einfühlsamkeit der Autorin in ihren männlichen Helden, der über weite Strecken nicht gerade ein Sympathieträger ist.

„Wovon wir lebten“ ist ein Roman, der sehr zu loben ist – ein Lesevergnügen!

> mehr

 


 

 

Montag, den
6. März 2017
19.30 Uhr

Ort:

Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

Platzreservierung bitte unter Tel. 29 601

 

Eintritt:

6,– € / erm. 4,– €

 

In Kooperation mit dem Verein "Tigerberg e.V."

   

 

Büchervorstellung, Lesung – unser Beitrag zu 500 Jahren Reformation:

Wer ist Wu Ming?

 

Wir haben den Übersetzer, Klaus-Peter Arnold, eingeladen – er wird das Autoren-Projekt Wu Ming vorstellen und aus den Büchern vorlesen.

 

1999 veröffentlichten vier Mitglieder der anarchistischen Kommunikationsguerilla aus Bologna den historischen Roman „Q“, um „der Welt eine große Geschichte zu erzählen, eine Legende zu erschaffen, einen neuen Typ Volksheld zum Leben zu erwecken“, wie die Aktivisten auf ihrer Homepage erklären.

Sie gaben einen „Luther Blissett“ als Autor an, an den man sich höchstens noch als glücklosen Stürmer der Saison 83/84 des Berlusconi-Klubs AC Mailand erinnern konnte, der weder als überragender Fußballspieler noch als besonders wortgewandter Redner aufgefallen wäre. Das Pseudonym „Luther Blissett“ war ein seit den frühen 90er Jahren in linken Aktivistenkreisen gebräuchliches Kollektivpseudonym, das von zumeist links orientierten KünstlerInnen als Signatur ihrer Streiche, Störungen der öffentlichen Ordnung, politischen Pamphlete und medialen Täuschungsmanöver verwendet worden war.

Im Januar 2000 schließt sich dem Quartett ein weiterer Autor an. »Wu Ming« nennt sich die neue Autorengruppe nun. Der chinesische Ausdruck bedeutet »ohne Namen« oder auch »fünf Namen« - je nachdem, wie man die erste Silbe ausspricht - und ist zugleich als Hommage an chinesische Dissidenten zu verstehen, die diesen Namen häufig benutzen. Außerdem beinhaltet »Wu Ming« den Hinweis auf den dritten Vers des Daodejing: »Ohne Namen sind die Ursprünge des Himmels und der Erde«.

Der Stoff des Erzählerkollektivs ist ‚die Geschichte‘ selbst – nur erzählt von einem anderen Standpunkt aus. In Q sind es die Reformation und die Bauernkriege, aber auch das Täuferreich von Münster, die literarisch gestaltet werden, allerdings aus der Perspektive der Besiegten oder Vernichteten. So wird von den Täufern in Münster von ‚Innen‘ erzählt, während die traditionelle Geschichtsschreibung natürlich – wissenschaftlicher Objektivität folgend – von ‚Außen‘ berichtet. Hier jedoch werden die Täufer und ihre Protagonisten zu literarischen Figuren, sie werden eingefangen mit ihren Hoffnungen und Wünschen, ihren Utopien, die sie mit dem Täuferreich verbanden.

Das literarische Rezept bleibt dabei in allen Kollektiv-Romanen von Wu Ming dasselbe: historische Fakten werden aus einer anderen Perspektive beleuchtet und immer sind es Wendepunkte der Geschichte, die literarisch dargestellt werden, jene Momente, kurz bevor etwas historisch unumstößliche Tatsache wurde. In Q sind das die Erhebungen der Bauern, die auch zum Erfolg hätten führen können, in 54 ist es die Zeit, bevor der Kalte Krieg in seine angespannteste Phase eintrat, in Manituana die Periode, als die USA kurz vor ihrer Gründung standen und die sogenannte ‚Mohawk Nation‘ noch im Verbund mit dem englischen King George gegen die später siegreichen Aufwiegler kämpft. Im April diesen Jahres erschienenen neuesten Werk des Kollektivs L’armata dei sonnambuli ist es die Zeit nach der Revolution in Frankreich, die erzählt wird, kurz vor den Jahren des terreur und dem Aufstieg Napoleons – wiederum mit einem temporeichen Plot, mit kurzen, schlaglichtartig aufeinanderfolgenden Kapiteln und Dialogen, die immer von einem Nachdenken über Politisches, über gesellschaftliche Ordnung, Gerechtigkeit und Macht geprägt sind.

Die mittlerweile 6 Romane des Wu Ming-Kollektivs, "Q" mitgezählt, sind niemals private Romane; die Geschichten, die erzählt werden, sind immer öffentliche Geschichten. Immer geht es um Schicksale von Gruppen, Nationen, Glaubensrichtungen und immer geht es um die Frage danach, wie eine Welt beschaffen sein müsste, in der nicht Mord und Krieg das erste politische Mittel sind. Es sind bewusst unterhaltsame Romane im besten Wortsinne, die zunächst weniger auf ästhetische Ansprüche orientieren, und vor allem von einer Lust am Erzählen zeugen, aber auch von einem Interesse an den sogenannten ‚Geschichtsvergessenen‘. Seien es die Bauern, die Täufer, die Mohikaner in Manituana, die idealistischen Kommunisten in 54, Wu Ming wirft sein Augenmerk vornehmlich auf die Nebenrolle, richten den Blick auf Gruppen, die es wirklich gegeben hat, die den Sprung in die Geschichtsbücher aber nicht geschafft haben – nicht jedoch, weil eine vermeintliche ‚Macht‘ sie dort nicht hingelassen hätte, sondern, viel profaner, weil sie kein Glück hatten, weil etwas anders lief, als es hätte laufen sollen. Die Romane sind damit weit entfernt davon, ‚Gegendiskurse‘ aufmachen zu wollen oder anzuschreiben gegen eine vermeintlich ideologisch zementierte Macht in Form der etablierten Geschichtsschreibung, die systematisch alles ausschließe, was ihrer Sichtweise nicht passt, die Romane sind Geschichte erzählt für die Multitude. Kunstvolle Stilexperimente lehnen die Wu Mings dann auch konsequent ab, bemüht avantgardistisches Erzählen genauso.

 

Mehr zu den Büchern "Q" und "Altai" unten unsren Tipps.

 

 

 

Dienstag, den
6. Dezember 2016
19.30 Uhr

Ort:
In der "werkstatt" der

Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

Eintritt:

6,– € / 4,– € erm.

 

 

 

 

 

 

416 Seiten, geb., Verlag

Rowohlt

24,95 €

 

ISBN 978-3498028176

 

Volker Hagedorn liest:

Bachs Welt

Familiengeschichte eines Genies

Johann Sebastian Bach kennt jeder. Aber dass er der Spross einer 150 Jahre alten Dynastie von Musikern war, ist kaum im Bewusstsein.
Dieses Buch erzählt die Geschichte eines erstaunlichen Clans in einem Europa des Umbruchs, das geprägt war von Kriegen und Seuchen.
Im 17. Jahrhundert wurde Musik ein Mittel gegen Elend und Tod, und die Bachs vor Bach beherrschten diese Kunst mit zunehmendem Genie.
Volker Hagedorn verfolgt ihren Weg über Hochzeiten und Todesfälle, Notenblätter und Orgelbänke, bis schließlich der große Ausnahmekomponist in Erscheinung tritt.

Zugleich schlägt das Buch den Bogen in die Gegenwart.
Wie sieht es heute dort aus, wo die Bachs lebten und Johann Sebastian zum Wunderkind wurde?
Hagedorn beschreibt die Arbeit der Forscher, für die unscheinbare Aktennotizen zu Leuchtspuren durchs Barock werden.
Und er schildert einen der faszinierendsten Forschungskrimis der Musikgeschichte, der im zerbombten Berlin beginnt und an dessen Ende in der Ukraine das legendäre «Altbachische Archiv» auftaucht - eine Notensammlung der Bachs vor Bach, das Fundament von Johann Sebastians Genie.

Hagedorns Buch entwirft ein farbenfrohes und facettenreiches Zeit- und Sittengemälde, das die Wurzeln des Musikers Bach erstaunlich lebendig werden lässt.

 

 

 

Freitag, den
5. November 2016
19.30 - 22:00 Uhr

 

Eintritt:
AK 8,– €/ VVK 6,– €

Ort:
Ev. Gemeindezentrum Engelsby, Brahmsstr. 13, 24943 Flensburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

203 Seiten, geb., Verlag

Assoziation A.

19,80 €

 

ISBN 978-3-86241-440-6

Corry Guttstadt stellt vor:

Wege ohne Heimkehr

Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen – ein historisch-literarisches Lesebuch

 

Vor 101 Jahren, im Frühjahr 1915 begann der Völkermord an den osmanischen Armeniern durch das jungtürkische Komitee, welches sich im Jahr 1913 an die Macht geputscht hatte und als enger Bündnispartner des Deutschen Kaiserreiches auch in diesem Vorgehen deutsche Unterstützung und Rückendeckung erhielt.

Dieses Buch will in Form einer kommentierten historischen und literarischen Textsammlung ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und an diesen Massenmord vor über 100 Jahren erinnern, aber auch das Leben der Armenier vor und nach dem Ersten Weltkrieg darstellen. Es präsentiert vor allem literarische, häufig autobiografisch geprägte Texte von (zumeist) Armeniern, die einen Eindruck ihrer vielfältigen Lebensrealitäten in Anatolien vermitteln. Weitere Texte schildern die Lebensbedingungen der überlebenden Armenier in der Türkei, in der das Verbrechen bis heute von staatlicher Seite geleugnet wird. So gab es auch für die meisten Überlebenden keine Heimkehr, ihre Familien waren ermordet, ihr Besitz beschlagnahmt.

Die heftigen, teilweise hasserfüllten Reaktionen staatlicher Amtsträger unter Führung des Staatspräsidenten Erdogan demonstrieren, wie eng die derzeitigen Machthaber noch der türkischen imperialen Machtpolitik verbunden sind - und wie fern sie einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Hypotheken eben dieser Machtpolitik stehen.
Diese Reaktion unterstreicht die Wichtigkeit dieses Buches.

 

Corry Guttstadt, geb. 1955, studierte an der Universität Hamburg Turkologie und Geschichte. Während der 1980er und 1990er Jahre arbeitete sie als Übersetzerin (Türkisch), Deutschlehrerin und freie Autorin. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten in der Türkei. Sie verbrachte ein Forschungssemester am Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington DC und erhielt mehrere Forschungsstipendien (u.a. von der Fondation pour la Mémoire de la Shoah in Paris). 2011 und 2012 war sie Projektmanagerin des Projekts zum multiperspektivischen Geschichtslernen »Zuerst einmal bin ich Mensch« am Anne Frank Zentrum Berlin.

Ihre Dissertation »Die Türkei, die Juden und der Holocaust« basiert auf Recherchen in etwa 50 Archiven weltweit. Das Buch avancierte zum internationalen Standardwerk zum Thema und wurde inzwischen ins Türkische und Englische übersetzt.

Derzeit erarbeitet Corry Guttstadt mit Förderung der Beate Klarsfeld Foundation und der Fondation pour la Mémoire de la Shoah eine Quellenedition zur Politik der Türkei während des Holocaust.


Zum Buch Wege ohne Heimkehr

»Dies ist ein Weg, von dem es keine Heimkehr gibt«, notierte Armin T. Wegner im November 1915 in Ras al-Ayn im heutigen Nordsyrien. Wegner, der 1915-1916 als Sanitätssoldat der osmanischen Armee Augenzeuge des Völkermords an den Armeniern wurde, beschrieb mit seinem Tagebucheintrag das Los der vielen Hunderttausend Deportierten, die der sichere Tod erwartete.

Doch eine Heimkehr gab es auch für die meisten Überlebenden nicht. Nicht für Zabel Yesayan, eine der wichtigsten armenischen Schriftstellerinnen und engagierten Frauenrechtlerinnen ihrer Epoche, die sich der Deportation durch Flucht entzogen hatte, der die Erinnerung an den Ort ihrer Kindheit aber ein geistiger Zufluchtsort blieb. Nicht für den Lehrer Hagop Mintzuri, der zeitlebens nicht in das Dorf zurückkehrte, aus dem seine Frau, seine vier Kinder und alle anderen Angehörigen deportiert worden waren.

Dieses Jahr jährt sich der im Schatten des Ersten Weltkriegs begangene Völkermord an den Armeniern zum 101. Mal. Die meisten der in diesem Band versammelten Texte sind literarische, häufig autobiografisch geprägte Texte von Armeniern, die damit selbst zu Wort kommen. Einige stammen von Überlebenden der Deportationen, darunter bekannten armenischen Schriftstellern wie Yervant Odian, aber auch von Personen wie Pailadzo Captanian, die aus dem Bedürfnis schrieben, Zeugnis abzulegen über die erlebten, unvorstellbaren Grausamkeiten.

Ein Großteil der Texte thematisiert nicht den Völkermord selbst, sondern die Erinnerungen von ArmenierInnen an ihr Leben vor 1914 oder das Weiterleben im Exil bzw. in der Republik Türkei. Sie vermitteln einen Eindruck der vielfältigen Lebensrealitäten von Armeniern im Osmanischen Reich. Armenier nahmen aktiv Anteil am intellektuellen Aufschwung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ob Lyrik, Prosa oder Journalismus, von der Satire bis zum Theater, die armenische Literatur war ein entscheidender Bestandteil der osmanischen Literatur jener Epoche. In den Werken der armenischen AutorInnen drückt sich ihre Hoffnung und dann, angesichts der Ausgrenzung und Vernichtung ihres Volkes, ihre Verzweiflung aus, die sich ganz ähnlich dem deutsch-jüdischen Schreiben des frühen 20. Jahrhunderts in hellsichtiger Gesellschaftsanalyse und Satire Bahn bricht.

Die Texte werden gerahmt durch ein Vorwort des Historikers Hans-Lukas Kieser zu den Hintergründen des Völkermords sowie ein Nachwort von Corry Guttstadt und Ragıp Zarakolu zur Erinnerungspolitik in der Türkei.

 

 

 

Montag, den
11. Juli 2016
um 19.30 Uhr

 

Eintritt:
6,– €/ erm. 4,– €

Ort:
In der Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

Um telefonische Anmeldung wird gebeten:
0461-29 601

 

 

 

 

 

 

 

 

 

224 Seiten, geb., Verlag Klaus Wagenbach (2016), 17,99 €

 

ISBN 978-3803132758

Lesung

Esperanza

von Marina Caba Rall

 

Alle Wurzeln gekappt, kein Blick zurück, das geht so lange gut, bis eines Tages ein fremder Mann vor der Tür steht und Esperanza aus vertrauten Augen ansieht. Vor Jahrzehnten hatte sie Spanien verlassen, als Gastarbeiterin in Deutschland eine neue Heimat gefunden und eine Familie gegründet. Beinahe vergessen sind die Sprache ihrer Kindheit, die Gerüche und Farben der Landschaft, die Armut, alle Erinnerungen, aller Schmerz.

Ein raffiniert gebauter Familienroman über die Abgründe der spanischen Geschichte und den Umgang mit den blinden Flecken der eigenen Biographie. (Klappentext)

Es ist die erschütternde Geschichte einer Frau, die nach Berlin ausgewandert ist. Sie ist heute glücklich mit einem Deutschen verheiratet und Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern. Sie hat aber zudem ein Leben und einen Sohn in ihrem Dorf in der Nähe von Caceres hinter sich gelassen - für sie eine fast vollständig verschwiegene und verdrängte, traumatische Vergangenheit.

„Unsere Erinnerungen bleiben bestehen […] wie eingerahmte Bilder, aber das Leben, das bleibt nicht stehen“, heisst es an einer Stelle. Denn jetzt steht dieser Sohn, Juan, vor ihrer Tür. Karla, ihre Tochter, ist zutiefst schockiert und will das Schweigen der Mutter nicht mehr hinnehmen. Jahrzehnte nach ihrem Weggang von Caceres, kehrt Esperanza nun mit ihrer Tochter an den Ort mit den drei Eichen zurück, wo der Körper ihres gegen die Franco-Diktatur kämpfenden Onkels verscharrt wurde.

Esperanza, ihre Tochter Karla und Juan, der verlassene Sohn, erzählen abwechselnd. Sie springen von der Vergangenheit in die Gegenwart und zurück. Wir erleben Esperanzas Kindheit, ihr Leben unter Franco und ihren Jugendfreund Alfonso - all das, worüber Esperanza in Berlin nie gesprochen hatte. Und wir erfahren die Gründe, warum sie diese Vergangenheit so hartnäckig vergessen wollte ...

Marina Caba Rall lässt den Roman in Berlin und Caceres, dem Geburtsort des Großvaters der Autorin, einem vom Franco-Regime verfolgten Republikaner, spielen. Man merkt dem Buch die Prägung von Marina Caba Rall als Drehbuchautorin und Regisseurin von Dokumentar- und Spielfilmen an, aufgebaut im szenischen Wechsel der drei Hauptpersonen Esperanza, Karla und Joan. Marina Caba Rall schreibt atmosphärisch dicht und bildhaft, verbunden mit eindrücklichen historischen Rückblenden in die Zeit der Franco-Diktatur nach dem Spanischen Bürgerkrieg.


Ein Buch für alle, die gute Geschichten mit einem realen historischen Hintergrund lieben.

 

 

 

Donnerstag, den
2. Juni 2016
um 19.30 Uhr

 

Eintritt:
6,– €/ erm. 4,– €

Ort:
In der Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

Eine Lesung in Zusammenarbeit
mit dem Romanischen Seminar der Europa-Universität Flensburg,
Inst. f. Sprache, Literatur und Medien

 

 

 

 

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